Täglich (außer Di und So) 12–19 Uhr - Eintritt frei. Geöffnet am Sonntag, 4. Mai 2014!
In ihrer Forschung bezieht sich Pinar Yoldas auf die US-amerikanische Meeresforscherin Sylvia Alice Earle, die der Meinung ist, dass unser Planet genau genommen nicht „Erde“, sondern „Ozean“ heißen sollte. Ozeane sind die lebenserhaltenden Systeme des Planeten. Vor vier Milliarden Jahren brachte der Ur-Ozean, die von lebenden Organismen wimmelnde Ursuppe, die allerersten organischen Moleküle hervor. Heutzutage verändert sich die Zusammensetzung der Ozeane drastisch in Richtung synthetische Moleküle. In weniger als zwei Jahrzehnten haben sich unsere Meere mit anthropogenem Abfall gefüllt. Besonders hervorzuheben ist dabei der Great Pacific Garbage Patch, ein Plastikstrudel von der Größe Mitteleuropas, ein Müllmonument globalen Ausmaßes. Eine, um mit der Kant’schen Ästhetik zu sprechen, wahrlich „sublime“ kinetische Skulptur, die von allen pazifischen Anrainerstaaten als Folge ihres jahrelangen gedankenlosen, nicht nachhaltigen Konsumverhaltens geschaffen wurde. Nach Aussage von Kapitän Charles Moore, Umweltaktivist und Entdecker des Müllstrudels, hat sich der „Ozean in eine Plastiksuppe verwandelt“.
Angesichts dieser Entwicklung der Meere von der Ursuppe zur Plastiksuppe stellt "An Ecosystem of Excess" eine sehr einfache Frage: „Welche Lebensformen würde der Urschlamm der Gegenwart hervorbringen, würde das Leben heute in unseren mit Plastik zugemüllten Ozeanen seinen Anfang nehmen?“
Im Sinne einer neuen Linné’schen Taxonomie posthumaner Lebensformen präsentiert das Projekt Meeresinsekten und -reptilien, Fische und Vögel, die mit Organen zur Wahrnehmung und Verstoffwechslung von Plastik ausgestattet sind. Inspiriert von der bahnbrechenden Entdeckung neuer Bakterien, die sich vom Plastikmüll im Meer ernähren, imaginiert An Ecosystem of Excess komplexere Lebensformen, die in einer von Menschen geformten extremen Umgebung wachsen und gedeihen können. Ausgehend von einem maßlosen Anthropozentrismus gelangt "An Ecosystem of Excess" zum Anthropo-de-zentrismus: einem Leben ohne Menschen.
Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.scheringstiftung.de/.
Weitere Veranstaltungen | Further Events:
Panel: An Ecosystem of Excess, 1. Februar 2014, 12:30 Uhr, Haus der Kulturen der Welt, Auditorium
Mit: Pinar Yoldas, Heather Davis, Reinhold Leinfelder (tbc), Timothy Morton (tbc) und weiteren Gästen. Moderation: Daniela Silvestrin
Buchpräsentation und Künstlergespräch, 4. Mai 2014, 15 Uhr, Schering Stiftung
Mit: Pinar Yoldas, Künstlerin, Prof. Dr. Regine Hengge, Institut für Biologie, Mikrobiologie, Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Ingeborg Reichle, Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik, Humboldt-Universität zu Berlin
Zur Ausstellung erscheint der fünfte Band der Schriftenreihe der Schering Stiftung im Verlag argobooks.