09.02.2001 | Krebserregendes Benzol vor dem Aus? Neue Technik lässt Autofahrer aufatmen

Projekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt entfernt Giftstoff im Benzin bereits bei der Herstellung - Fördersumme 200.000 Mark

Osnabrück. Die Tage, in denen Autofahrer aus Angst vor dem krebserzeugenden und umweltbelastenden Benzol im Benzin beim Tanken nicht frei durchatmen konnten, sind möglicherweise bald endgültig gezählt. Ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, gefördertes Projekt soll jetzt auch die letzte Belastung von Mensch und Umwelt unterbinden, nachdem seit Anfang letzten Jahres eine Richtlinie der Europäischen Union (EU) den erlaubten Benzolgehalt schon ohnehin unter die Ein-Prozent-Marke drückt. "Bisher war es jedoch technisch kaum möglich, den Stoff völlig aus dem Benzin zu entfernen", erläutert Fritz Brickwedde, Generalsekretär der DBU. Mit Hilfe des Modellprojektes, das die Stiftung mit 200.000 Mark finanziert, soll dieses Gift nun bereits bei der Herstellung von Kraftstoffen ausgefiltert werden.

Benzol ist bereits im Erdöl, dem Grundstoff, aus dem Kraftstoffe hergestellt werden, enthalten. Bei der Produktion von Benzin sei es bisher jedoch nur bis zu einem bestimmten Grad möglich, diesen für den Menschen so gefährlichen Stoff zu entfernen. Die Lösung, die die und ihr Kooperationspartner, das GKSS Forschungszentrum Geesthacht (Schleswig-Holstein) anstreben, wirkt einfach: Durch ein Schwingblatt, eine Membran, die im Herstellungsprozess zwischengeschaltet wird, wird aus dem Kraftstoff das Benzol herausgefiltert. Die Umsetzung ist jedoch kompliziert.

"Der Clou des Projektes liegt in dem "Film", der auf der Membran dafür sorgt, dass nur das Benzol und kein anderer Stoff aus dem Kraftstoff entfernt wird", erläutert Brickwedde. Das Prinzip, Stoffgemische auf diese Weise wieder voneinander zu trennen, sei nicht neu. Grundlage des Vorgangs sei daher auch eine Membran, die bereits bei anderen Filterprozessen Anwendung findet. Neu sei hingegen die chemische Rezeptur des "Filmes", der das Benzol zurückhalten soll. Das Konzept einer solchen Membran für Benzol liege bereits vor, bisher sei die Durchflussrate des Kraftstoffes jedoch noch zu gering, um im industriellen Betrieb wirtschaftlich zu sein. Im Verlauf des Projektes wolle man diese Rate erhöhen.

Schon jetzt zeigten die großen Mineralölkonzerne Interesse an der neuen Technik. Andere Anwendungen, die bisher das Benzol aus den Kraftstoffen lösen, seien weit teurer und energieintensiver als das "einfache" Filtern. "Eine solche Membran stellt daher eine große Chance besonders für kleine Betriebe wie die Poly-An dar", betont Brickwedde. Dem mittelständischen Unternehmen biete sich hier die Möglichkeit, durch Spezialisierung Zulieferer für große Unternehmen zu werden.