20.04.2001 | "Vorhang auf": Sanierung des Weimarer Nationaltheaters bald abgeschlossen

Deutsche Bundesstiftung Umwelt unterstützt modellhaftes Projekt für den Erhalt umweltgeschädigter Kulturgüter mit 300.000 Mark

Weimar/Osnabrück. Die Sanierung eines der geschichtsträchtigsten Gebäude Deutschlands soll jetzt mithilfe der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, endgültig abgeschlossen werden. Mit 300.000 Mark fördert die DBU ein Projekt, das durch sauren Regen in Mitleidenschaft gezogene Gebäudeteile des Nationaltheaters Weimar aus dem 20. Jahrhundert modellhaft für weitere gefährdete Bauten retten und sanieren soll. Damit wird eine bereits vor Jahren begonnene Sanierung des national wertvollen Denkmals nun abgeschlossen. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der DBU: "Es ist von großer Bedeutung, eine Methode zu finden, den vor einigen Jahrzehnten aufgebrachten Putz trotz seiner großen Schäden zu konservieren, um eine völlige Verwitterung zu verhindern." Weitere bedeutende Gebäude wie z. B. das Landestheater Halle seien ebenfalls mit diesem Schutz versehen worden.

Goethe war in Weimar 26 Jahre als Direktor tätig. Seine wichtigsten Werke wurden an diesem Theater uraufgeführt. 1919 gründete die Nationalversammlung in diesen Räumen die Weimarer Republik. Die Nebengebäude des prachtvollen Gebäudes stellen sich heute jedoch sehr lädiert dar. Brickwedde: "Anfang der fünfziger Jahre versah man diese mit einem Spezial-Putz, der durch die sauren Anteile im Niederschlag zum Teil in Gips umgewandelt wurde und jetzt stark verwittert ist." Entwickelt wurde dieser Putz von Professor Friedrich August Finger, nach dem man vor fünf Jahren das Institut für Baustoffkunde an der Bauhaus-Universität in Weimar benannte. Naturwissenschaftler und Baustoff-Experten dieses Institutes begleiten nun auch das Sanierungsprojekt.

Der zunächst als besonders fest und rissfrei geltende Putz, der bei vielen weiteren Gebäuden Anwendung fand, erweise sich heute als Problem: Die starke Haftung auf der Fassade mache es unmöglich, die verwitterte Hülle zu entfernen, ohne den Untergrund zu beschädigen. Der Projektablauf sehe zunächst die Reinigung und Ergänzung der Putzflächen vor. Anschließend solle eine Deckputzbeschichtung unter Laborbedingungen entwickelt werden, die gut auf den betroffenen Flächen hafte und diese vor weiteren schädigenden Umwelteinflüssen bewahre. Verschiedene Rezepturen sollen erprobt und schließlich auf die Fassade des Nationaltheaters aufgetragen werden. "Wir erhoffen uns von diesem Projekt eine innovative Strategie zur Bewahrung von bedeutendem Kulturgut", macht Brickwedde deutlich.