Konferenz- und Ausstellungsgebäude der DBU: Ansicht West (Modellfoto)
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Konferenz- und Ausstellungsgebäude der DBU: Innenansicht Ausstellung (Modellfoto)
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Konferenz- und Ausstellungsgebäude der DBU: Ansicht Süd (Modellfoto)
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Osnabrück. Die grundlegende Zielsetzung des Konferenz- und Ausstellungsgebäudes der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, war die beispielhafte Realisierung eines nachhaltigen Gebäudes mit hoher architektonischer Qualität in Verbindung mit geringen Baukosten. Die sehr unterschiedlichen Teilfunktionen waren Anlass, eine Struktur zu entwickeln, welche verschiedene Raumqualitäten, -proportionen und -abfolgen unter einem großen, in mehrfacher Beziehung wirksamen Dach entstehen lässt. Neben einer optimalen Tageslichtnutzung waren weitere, entwurfsbestimmende Kriterien die Flexibilität im Grundriss durch Veränderbarkeit der Räume, die Verwendung naturnaher Materialien und der unmittelbare Bezug zu dem schönen im Süden angrenzenden Park.
Das Gebäude ist als Holzskelettkonstruktion ausgebildet. Tragwerk und Fassade bestehen in ihren maßgeblichen Teilen aus dem nachwachsenden Baustoff Holz. Der Konferenz- und Ausstellungsbereich ist ein Geschoss hoch. Die Raumhöhe von 6,50 Metern entspricht dem dort wünschenswerten Volumen, erlaubt aber auch an anderer Stelle die Anordnung von zwei Lager- und Büroflächen übereinander. Ein dreigeschossiger, das Tragwerk aussteifender Versorgungskern aus Stahlbeton enthält die sanitären und technischen Einrichtungen. Auf seinem Dach soll eine Fotovoltaikanlage installiert werden, die Teile des elektrischen Energiebedarfs des Gebäudes deckt.
Die Büroflächen werden nach Norden orientiert. Die Nordbelichtung gewährleistet ein energetisches und lichttechnisches Optimum für die Arbeitsplätze, so dass die Aufwendungen für die Blendfreiheit der Bildschirmarbeitsplätze minimiert werden können. Die Büroflächen erhalten neben der natürlichen eine kontrollierte, mechanische Belüftung mit Wärmerückgewinnung. Die Wärmeproduktion erfolgt über ein Blockheizkraftwerk (BHKW), das ebenfalls Strom produziert.
Als Besonderheit ist das transparente, durchlüftete Membrandach anzusehen, das als Teil einer variablen, mehrlagigen Dachkonstruktion den äußeren Wetterschutz bildet. Das langlebige Material aus einer einlagigen Folie stellt aufgrund seiner Zusammensetzung keine Belastung der Umwelt dar. Durch die abweisenden Eigenschaften der Folie wird loser Schmutz vom Regen weggespült, wodurch kaum Reinigungsaufwand anfällt. Jedes Dachfeld kann durch seinen mehrlagigen Aufbau in Abhängigkeit von der darunter befindlichen Raumnutzung den resultierenden Einzelansprüchen individuell angepasst werden.
Über dem Bürobereich und dem Lager besteht die innenliegende Schicht aus einer stark gedämmten undurchsichtigen Ebene mit hohen Wärmeschutz- und Schallschutzqualitäten.
Über den Konferenz- und Ausstellungsräumen ist der Gesamtaufbau durchsichtig und erlaubt die Nutzung hochwertiger Tageslichttechnik. Diese Ausleuchtung mit Zenitlicht erzielt bei gleicher Öffnungsfläche im Vergleich zu Seitenlicht eine um den Faktor 5 bis 10 höhere Leuchtdichte. Sonnenschutz und Tageslichtsteuerung erfolgen über drehbare Lamellen, welche zwischen Membrane und Verglasung angeordnet sind. Diese werden abhängig von der Lichtintensität und der Raumtemperatur dem Sonnenstand nachgeführt.
Durch den innovativen Dachaufbau wird ein wesentlicher Beitrag zur Einsparung von
elektrischer Beleuchtungsenergie geleistet. Zudem wird durch die Direkteinstrahlung über Fassade und Dach während der Heizperiode ein beträchtlicher Beitrag zur Beheizung des Gebäudes erzielt, ohne im Sommer zu einem nennenswerten Kühlenergiebedarf zu führen.
Der verbleibende Bedarf wird über eine innovative Grundwasserkühlung - ohne Wasserentnahme - gedeckt. Im oberflächennahen Grundwasser liegen unterhalb der Sohlplatte Kühlregister, die mittels Bauteilheizung und -kühlung des Fußbodens im Zusammenwirken mit Raumluftkonditionierung die Raumtemperatur in den Sommermonaten auf angenehmem Niveau halten.
Südlich vor den Ausstellungsflächen befindet sich ein Feuchtbiotop zur Verbesserung des Mikroklimas. Das Biotop wird von Regenwasser gespeist, das von dort auf dem Grundstück versickern wird.
DURCHFÜHRUNGSPHASE
Die Planungsphase für das neue Konferenzgebäude ist beendet. Die Baugenehmigung liegt vor, und das Kuratorium hat für die Realisierung "grünes Licht" gegeben. Die Stiftung errichtet ein Konferenzzentrum mit ca. 3.000 Quadratmetern Grundrissfläche und ca. 15.000 Kubikmetern umbauten Raum.
Das Gebäude verfügt über einen Konferenzraum mit 300 Quadratmetern Fläche (dreifach teilbar), 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche, 20 Büros, Lagerflächen und eine Vorbereitungsküche mit Cafeteria. Optisch wird sich der Neubau erheblich von den bestehenden Gebäuden abheben, da es sich um eine Holzskelettkonstruktion handelt. Die Bauzeit wird ca. 15 Monate betragen.
In den nächsten Wochen wird zunächst das Baufeld hergerichtet. Anschließend wird die Rohbaufirma die Bodenplatte und den Betonkern des Gebäudes erstellen, der alle technischen und sanitären Installationen aufnimmt. Anschließend, etwa im September, wird mit dem Aufbau der Holzkonstruktion begonnen. Dabei werden vorgefertigte Bauteile an der Baustelle montiert. Danach, möglichst noch in diesem Jahr, werden bereits die Membranen gespannt.
Diese Membrandachkonstruktion ist die wesentliche Innovation des Gebäudes, für die eine Zulassung im Einzelfall benötigt wurde (wie für den Recycling-Beton im bestehenden Gebäude). Die Fußbodenheizung wird so ausgelegt, dass sie im Sommer kühles Grundwasser transportieren kann und damit für angenehme Temperaturen in den Büros sorgt. Daneben wird das Grundwasser bei Bedarf auch zum Kühlen der Außenluft für die mechanische Lüftung genutzt. Im bestehenden Verwaltungsgebäude wird der Gas-Brennwert-Kessel durch ein Blockheizkraftwerk ersetzt, das beide Gebäude versorgen wird. Auf dem Dach des neuen Gebäudes wird eine Fotovoltaikanlage installiert. Entsprechend einer durchgeführten Simulation wird der Heizenergiebedarf des Niedrig-Energie-Gebäudes ca. 28 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr betragen.
Kennzeichnend für das Gebäude ist daneben eine flexible Nutzungsmöglichkeit durch die modulare Bauweise. Die Investitionssumme beträgt einschließlich Außenanlagen und Nebenkosten 13 Millionen Mark.
CHRONOLOGIE
April - Juni 1998
Vorbereitung eines beschränkten Realisierungswettbewerbs unter Teilnahme von sieben eingeladenen Architekturbüros mit nachgewiesener Erfahrung im Bereich des ökologischen Bauens.
Juni - Oktober 1998
Wettbewerbsverfahren
12. Oktober 1998
Preisgerichtssitzung der Jury
1. Preis:
Herzog + Partner
Prof. Thomas Herzog +
Hanns Jörg Schrade
Imhofstraße 3a, 80805 München
2. Preis:
BRT Bothe-Richter-Teherani
Holzdamm 28-32, 20099 Hamburg
Das Preisgericht empfiehlt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt eine weitere vertiefende Bearbeitung beider Entwürfe. Anschließend: Überarbeitung beider Entwürfe.
November 1999
Entscheidung des Kuratoriums der DBU für den Entwurf des Büros Herzog + Partner, München. Beauftragung der weiteren Planung.
Januar / Februar 2001
Ausschreibung der gesamten Baumaßnahme
Mai / Juni 2001
Vergabe
15. Juni 2001
Erster Spatenstich