Aufbau und Funktion: Passivhäuser (PH) sind denkbar einfach aufgebaut, da sie im Endeffekt nichts anderes als hochgedämmte Gebäude mit mittleren Dämmstoffdicken von etwa 30 cm und Fenstern mit 3-Scheibenverglasungen darstellen. Durch die Gebäudehülle werden die Wärmeverluste so weit reduziert, dass die Restwärmezufuhr direkt über die Lüftungsanlage mit integrierter Wärmerückgewinnung erfolgen kann. Auf Heizkörper und das sonst notwendige Wärmeverteilnetz kann verzichtet werden; mit den eingesparten Kosten können Mehraufwendungen für erhöhten Wärmeschutz und Lüftungsanlage teilweise refinanziert werden. Der jährliche Heizwärmebedarf beträgt weniger als 15 kWh/m²/a (entsprechend ca. 1,5 l Heizöl). Durchschnittliche Gebäude verbrauchen im Mittel mehr als 200 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, Niedrigenergiehäuser immer noch 30 bis 70.
Architektur: Grundsätzlich gibt es keine architektonischen Einschränkungen hinsichtlich Gestalt und Form sowie Auswahl von Baumaterialien. Eine Grundforderung besteht jedoch darin, dass die Gebäude möglichst kompakt, d. h. mit einem möglichst geringen Oberflächen/Volumen-Verhältnis (A/V) geplant werden sollten (was auch Baukosten einspart). Prinzipiell ist auch bei ungünstigem A/V-Verhältnis der PH-Standard möglich, jedoch werden dann stärkere Dämmschichtdicken nötig. Daraus leitet sich auch ab, dass der PH-Standard beim freistehenden Einfamilienhaus mit prinzipiell relativ hohem A/V-Verhältnis am schwierigsten zu erreichen ist. Mit zunehmender Gebäudegröße nimmt das A/V-Verhältnis tendenziell ab.
Technische Gebäudeausstattung: Passivhäuser sind grundsätzlich mit einer Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Erdwärmetauscher zur Vorwärmung der Außenluft sind ergänzend notwendig, wenn Abluftwärmepumpen zur Wärmeerzeugung eingesetzt werden. Diese Art von Lüftungsanlagen werden häufig auch in Niedrigenergiehäusern eingesetzt, in PH übernehmen sie demgegenüber ergänzend die Heizungsfunktion. Als Wärmeerzeuger kommen in Passivhäusern alle bekannten Technologien in Frage. Die äußerst geringen Heizenergieverbräuche führen dazu, dass die Investitionskosten (auch für Infrastruktur wie z. B. Gasnetz) im Verhältnis zu den drastisch reduzierten Verbrauchskosten dominant werden, was bei Wirtschaftlichkeitsrechnungen berücksichtigt werden muss und Anstöße für weitere Entwicklungen gibt.
Komfort: Die extrem gedämmte Außenhülle führt zu einer sehr gleichmäßigen Temperatur, was die thermische Behaglichkeit erhöht. Zugerscheinungen, wie sie z. B. durch größere Fensterflächen an normalen Isolierverglasungen durch Kaltluftabfall an der kühlen Innenscheibe auftreten, kommen nicht vor. Die gefilterte Außenluft enthält weniger Staub und Pollen, so dass sich insbesondere Vorteile für Allergiker ergeben. Der sommerliche Komfort hängt insbesondere vom Glasflächenanteil und der Effizienz des Sonnenschutzes ab. Passivhäuser bieten in der Regel einen besseren Komfort als konventionelle Gebäude.
Hygiene: Untersuchungen der Freien Universität Berlin weisen nach, dass der Endotoxingehalt (Bakteriengift, das mit dem Zerfall von Bakterien frei wird) gefilterter Zuluft geringer ist als der der Außenluft. Lediglich nach einer Filterstandzeit von mehr als einem Jahr wurde eine Zunahme des Endotoxingehalts festgestellt. Dies macht deutlich, dass nach dem Stand der Technik geplante und vorschriftsmäßig gewartete Lüftungsanlagen eine bessere Luftqualität ermöglichen als bei unkontrollierter Fensterlüftung. Untersuchungen in in Passivhäusern bestätigen dies.
Nutzerverhalten: Passivhäuser verlangen kein besonderes Nutzerverhalten. Ebenso ist die technische Ausstattung nicht umfangreicher als bei "normalen" Gebäuden. Der Nutzer stellt lediglich die gewünschte Raumtemperatur und die Lüftungsintensität ein.
Auch bei Passivhäusern kann zusätzlich über Fenster gelüftet werden, wenn Bedarf besteht, z. B. wenn intensiv geraucht wird. Ein dauerhaftes Lüften über gekippte Fenster ist demgegenüber insbesondere an kalten, trüben Tagen nicht sinnvoll, da dann die Heizleistung zur Aufrechterhaltung einer Raumtemperatur von mindestens 20 °C nicht ausreicht. Demgegenüber ist ein länger andauerndes Öffnen der Fenster bei überwiegend sonnigem Wetter in der Übergangsjahreszeit problemlos möglich und wird auch praktiziert. Einziger Kritikpunkt, der von manchen Passivhaus-Bewohnern angemerkt wird, sind hohe Schlafraumtemperaturen im Winter, da Passivhäuser nur geringe Temperaturdifferenzen innerhalb des Gebäudes aufweisen.
Energetische Amortisationszeit:
Für das Passivhaus Darmstadt Kranichstein wurde der auf die Wohnfläche bezogene Herstellungs-Primärenergieaufwand zu 1.391 kWh/m² ermittelt. Davon entfallen nur 14 Prozent auf die Wärmedämmung und zwei Prozent auf die Lüftungsanlage. Der Hauptanteil mit 51 % entfällt auf den Rohbau. Der energetische Mehraufwand bei der Errichtung von Passivhäusern wird im Vergleich zu Niedrigenergiehäusern bereits nach etwa zwei Jahren durch Heizenergieeinsparungen ausgeglichen.
Hemmende Faktoren: PH verlangen weitestgehend wärmebrückenfreie Konstruktionen und eine hohe Luftdichtheit der Gebäudehülle, so dass die Frischluft tatsächlich über die Lüftungsanlage zugeführt wird und nicht über Fugen zuströmt. Beides verlangt hohe Sorgfalt bei Planung und Ausführung. Insbesondere die Qualifizierung der Bauausführenden sowie eine adäquate Qualitätssicherung werden eine entscheidende Rolle bei der weiteren Verbreitung der Passivhaustechnik spielen.
Sanierung: Erste Ansätze bestehen, den Passivhaus-Standard auch bei der Gebäudesanierung zu erreichen. Dies ist prinzipiell möglich, es bestehen jedoch umfangreichere Einschränkungen als im Neubaubereich. Alle bisherigen Technologieentwicklungen zur Energieeinparung im Gebäudebereich wurden zunächst überwiegend vom Neubaubereich getragen und erst mit einer gewissen Zeitverzögerung auch bei der Sanierung umgesetzt. Eine ähnliche Entwicklung ist auch für den Passivhaus-Standard zu erwarten. Selbst wenn dieser bei Gebäudesanierungen nicht vollständig erreicht werden sollte, so ist zu erwarten, dass sich der wärmeschutztechnische Standard durch die Entwicklung der Passivhaustechnologie und der entsprechenden Bauteile bzw. -komponenten weiter verbessern wird.