06.12.2001 | Mit 56 neuen Umweltprojekten in 2001 Sachsen weiter auf einem Spitzenplatz

Freistaat im Vergleich der ostdeutschen Bundesländer wieder vorne

Dresden. Sachsen nimmt in der Förderstatistik der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, auch 2001 einen vorderen Platz ein, ist im Vergleich der ostdeutschen Bundesländer sogar absolute "Spitze". Mit ihren jüngsten Förderentscheidungen hat die größte Umweltstiftung Europas 2001 im Freistaat 56 Projekte mit einem Volumen von rund 16,4 Millionen Mark bewilligt. Damit flossen seit Aufnahme der Fördertätigkeit der Stiftung 1991 rund 232,5 Millionen Mark in 527 Projekte dieses Bundeslandes. DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde: "Unsere Partner in Sachsen haben verstanden, wie sie mit unserer Hilfe durch neue Technologien die Umwelt entlasten und Arbeitsplätze schaffen können." Insgesamt landeten in Ostdeutschland aus Stiftungsmitteln bisher 750 Millionen Mark.

Brickwedde zog heute vor Journalisten in Dresden ein Fazit der Stiftungstätigkeit des Jahres im Freistaat. Dabei erinnerte er an die Entstehung der größten Umweltstiftung Europas, die gegründet worden sei mit dem Ziel, innovative Vorhaben zu fördern zum Schutz der Umwelt unter besonderer Berücksichtigung der mittelständischen Wirtschaft. Seitdem habe sie über 4.500 Projekte mit über 1,75 Milliarden Mark unterstützt in Umwelttechnik, -forschung, -kom-munikation und Naturschutz. Sie setze auf Umweltentlastung durch Innovation.

Dabei spiele der vorbeugende Umweltschutz eine besondere Rolle. Umweltprobleme durch neue Produkte und Produktionsverfahren sollten erst gar nicht entstehen. Das sei besser, als sie später kostspielig und aufwändig wieder zu beseitigen. Gerade dem Modellcharakter der unterstützten Projekte komme eine besondere Bedeutung zu. Und gerade in Sachsen gebe es zahlreiche solcher "Leuchttürme der Umwelttechnik".

Das Zeug, zu einem solchen zu werden, hätten beispielsweise die mit knapp 900.000 Mark durch die DBU unterstützten Entwicklungsarbeiten eines neuartigen Haushaltskühlgerätes durch die LG Thermo-Technologies in Aue. Ziel sei es, einen Kompressor zu entwickeln, der den Bau von Kühlschränken vereinfache und Umweltbelastungen deutlich verringere. So solle der Strombedarf gegenüber heutigen ökologischen Spitzenprodukten um die Hälfte verringert, der Gebrauch von Öl eingeschränkt und das Geräuschniveau abgesenkt werden.

Für den Konsumenten habe die neue Technik den großen Vorteil, dass beispielsweise Wurst und Käse länger im Kühlschrank liegen könnten, ohne so schnell auszutrocknen und unansehnlich zu werden. Brickwedde: "Diese Entwicklung könnte am Ende einen ebenso bedeutenden Technologiesprung bedeuten wie vor knapp zehn Jahren der erste Kühlschrank, der ohne die umweltschädigenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe und Fluorkohlenwasserstoffe auskam - und ebenfalls erstmals in Sachsen auf den Markt kam."

Mit über 1,25 Millionen Mark unterstützt die DBU die Entwicklung eines neuen Biotech-Verfahrens zur umweltfreundlichen Herstellung von Implantaten oder Nahtmaterial in der Medizintechnik durch das Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle. Die innovative Aufarbeitungstechnologie stelle die notwendige medizinische Reinheit des Basismaterials sicher und erreiche gleichzeitig eine drastische Umweltentlastung, weil etwa der Verbrauch von Lösungsmitteln deutlich verringert werden könne.

Über eine Million Mark erhält die Technische Universität Dresden für die Entwicklung einer speziellen Dampfturbine mit kleiner Leistung. Sie solle es ermöglichen, im kleinen und mittleren Leistungsbereich energetisch hochwertige Biomasse zukünftig nicht nur zur Wärme-, sondern auch gleichzeitig zur Stromerzeugung zu nutzen. Durch verschiedene innovative technische Verfahren könnten Kosten eingespart werden, die die Kraft-Wärme-Kopplung auch kleiner Anlagen auf Basis der natürlichen Energiequelle Biomasse wirtschaftlich interessant machten.

Die Qualität der Tagebauseen der ostdeutschen Bundesländer, die etwa die Größe aller größeren Seen Norddeutschlands aufweisen, soll durch ein Projekt des Umweltforschungszentrums Leipzig Halle deutlich verbessert werden. Knapp zwei Millionen Mark erhält es, um mit neuen Methoden der extremen Versauerung - von der die Hälfte dieser Seen betroffen ist - entgegen zu wirken und höheren Wasserorganismen wieder eine Ansiedlung zu ermöglichen. Durch die Einstellung der Braunkohleförderung steige der Grundwasserspiegel wieder an, so dass ehemals isolierte, stark versauerte Bergbauseen wieder an das natürliche System der Oberflächen- und Grundwasser angeschlossen würden, wodurch erhebliche Gefahren entstünden. Eine Verbesserung der Wasserqualität sei außerdem Voraussetzung dafür, dass die Bergbaufolgelandschaften Ostdeutschlands mit ihrem erheblichen Naturschutzpotenzial auch für Fischerei, Tourismus und Badebetrieb genutzt werden könnten.

Knapp 100.000 Mark erhält die Quo data Gesellschaft für Qualitätsmanagement und Statistik, Dresden, um im Rahmen eines neuen Stiftungsschwerpunktes, bei dem es um die Wiedernutzung brachliegender Verkehrs-, Gewerbe-, Militär- und Industrieflächen geht, im Verbund mit anderen ein robustes Schnellanalysegerät zu entwickeln, das vor Ort Aussagen über die Belastung von Böden zulässt. Auf der einen Seite würden in Deutschland täglich 120 Hektar Land für Siedlung und Verkehr verbraucht, wovon die Hälfte versiegelt werde. Auf der anderen Seite könnten durch die Wiedernutzung gewerblicher Brachflächen 125 Prozent des Gewerbe- und 28 Prozent des Wohnbaulandbedarfs gedeckt werden.

Investoren griffen auf diese Flächen deshalb nicht zurück, weil sie hinsichtlich etwaig bestehender Altlasten unsicher seien und Angst vor hohen finanziellen Sanierungsrisiken hätten. Neue Analysemethoden mit mobilen Mess- und Probenahmegeräten könnten hier für eine höhere Informationssicherheit sorgen, was das Ziel des neuen Stiftungsschwerpunktes ausmache. Quo data werde hier für eine Verringerung des experimentellen Aufwandes beim Ausrichten und Ausmessen der unterschiedlichen Sensoren beitragen.

Saniert wird mithilfe der DBU auch das Wahrzeichen Dresdens, der "Goldene Reiter" auf dem Neustädter Markt. 125.000 Mark stellt die Stiftung der Landeshauptstadt Dresden zur Verfügung, um das stark umweltgeschädigte kupfergetriebene Reiterstandbild des Kurfürsten Friedrich August I., das 1736 aufgestellt wurde und auf einem Sandsteinsockel aus dem 19. Jahrhundert ruht, wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Jahrzehntelange Schwefeldioxidbelastungen in Dresdens Innenstadt hätten, so Brickwedde, an der vergoldeten Kupferhaut starke Rostschäden hervorgerufen und zu erheblichen Standsicherheitsschwierigkeiten geführt. Brickwedde: "Das Denkmal drohte, von seinem Sockel zu stürzen. Für die DBU war es wichtig, dieses nationale Kulturgut und Symbol Dresdens neben Frauenkirche und Schloss für die Nachwelt zu sichern."

Jeweils knapp 50.000 Mark erhalten die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden in Bad Gottleuba und Dresden-Briesnitz. Im Rahmen des DBU-Kirchendächerprogramms "600 Kirchengemeinden für die Sonnenenergie" errichtet die Kirchengemeinde Dresden-Briesnitz auf einem Kirchennebengebäude eine Photovoltaikanlage, die Kirchengemeinde Bad Gottleuba auf dem Gemeindehaus. Insgesamt wurden im Rahmen des DBU-Programmes in Sachsen bisher bei 44 Anträgen 22 Projekte mit fast 900.000 Mark bewilligt. Brickwedde: "Nach Anträgen und Projekten nimmt Sachsen auch hier einen Spitzenplatz in Ostdeutschland ein."

Hinweis an die Redaktionen: Auf Anfrage teilen wir Ihnen gerne mit, ob in Ihrem Verbreitungs-/ Sendegebiet im Jahr 2001 Projekte der DBU gefördert worden sind.