Roggenburg. Nach eineinhalbjähriger Bauzeit feierlich eingeweiht wurde am 27. Februar das neue
"Zentrum für Familie, Umwelt und Kultur" im
Kloster Roggenburg (Landkreis Neu-Ulm). 120 Übernachtungsgästen bieten sich damit vielfältige Möglichkeiten zur Begegnung, für Seminare, Projekte oder Freizeiten. Zielgruppe des Bildungszentrums sind Familien mit kleinen Kindern, Schulklassen, Elterngruppen und Familienkreise, Erzieherinnen oder Lehrer sowie gesellschaftliche und kirchliche Gruppen und Verbände. Menschen in ihrer Persönlichkeit zu stärken, Hilfen zur Erziehung und Wertorientierung anzubieten, das Verständnis für ökologische Kreisläufe zu wecken sowie musische und künstlerische Kreativität zu fördern, darin sieht das Bildungszentrum seine zentrale Aufgabe, wie Pater Roman
Löschinger als Leiter des Zentrums betonte. Gefördert wurde der Aufbau mit rund 3,7 Millionen Euro von der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück.
Große Nähe zur Philosophie der DBU von Umweltbildung
Anlässlich des Abschlusses der Bauarbeiten betonte heute DBU-Generalsekretär Fritz
Brickwedde, bei dem Zentrum handele es sich um eine Bildungseinrichtung, die zentrale Bereiche miteinander verbinde. Unterstützt worden sei das Vorhaben von der DBU, weil es besonders Ansätze innovativer Umweltbildung beinhalte und eine große Nähe zu der Grundphilosophie der DBU von Umweltbildung aufweise. Nur wenn Umweltbewußtsein und -handeln alle gesellschaftlichen Lebensbereiche durchdäingen und im Alltagsleben der Menschen verankert seien, seien die Rahmenbedingungen gegeben, um den Umweltschutz zum grundlegenden Prinzip wirtschaftlichen Handelns zu machen.
Ausrichtung auf konkretes Umwelthandeln
Den Umweltbildungseinrichtungen komme bei der Vermittlung von Umweltschutzthemen eine zentrale Rolle zu. Wichtig sei die Ausrichtung auf unterschiedliche Zielgruppen, die Berücksichtigung aktueller Entwicklungen im Umweltschutz, die ganzheitliche Sicht von Problemen und die Ausrichtung auf konkretes Umwelthandeln.
Die Stiftung habe in den zurückliegenden Jahren Umweltbildungseinrichtungen vor allem dort gefördert, wo noch Defizite bestanden hätten. Besondere Schwerpunkte sei u.a. beim Aufbau von Umweltbildungseinrichtungen in Großstädten und Ballungsgebieten, bei der Informationsvermitltung in umweltsensiblen Regionen mit besonders hoher Besucherfrequenz wie Nationalsparks, bei der Berücksichtigung berufsbezogener Fort- und Weiterbildung oder bei neuen Bildungsansätzen in Umwelttechnik und -ökonomie gesetzt worden.
Großes DBU-Engagement in Bayern
Dabei seien in keinem Bundesland mehr Einrichtungen von der DBU unterstützt worden als in Bayern. Zu nennen seien das Zentrum für Umwelt und Kultur im Kloster
Benediktbeuern, das in Karlshuld angesiedelte Umweltzentrum
"Haus im Moos", das Umweltinformationszentrum
Lindenhof bei Bayreuth, das zentral in München gelegene
Ökologische Bildungszentrum, die Jugendumweltstätte
"Aldo Leopold" nahe Zwiesel oder das bei Passau gelegene
"Haus am Strom".
Umweltlabor und Internetcafé
In dem neuen Bildungszentrum können nach Darstellung von Pater Roman Familien Umweltferien oder Bildungsseminare buchen. Lehrer und Erzieherinnen hielten hier ihre Fortbildungsveranstaltungen ab, und für Schulklassen würden Projekttage oder ein "Öko-Schullandheim" angeboten. Mehrere Seminar- und Fachräume wie zum Beispiel ein Umweltlabor mit 24 Arbeitsplätzen oder ein Internetcafé stünden zur Verfügung. Zwei Gruppenräume seien eigens für kinderpädagogische Angebote eingerichtet. Hier kümmerten sich zwei Erzieherinnen, die sich eine Stelle teilen, um die jüngsten Gäste und böten ein eigenes Kinderprogramm an.
Kreative Angebote von Malerei bis Druckgrafik
Für kreative Angebote stehe das im Mai 2001 eröffnete "Haus für Kunst und Kultur", der sogenannte Prälatengarten, zur Verfügung. In den Gruppenateliers seien Kurse in den Bereichen Malerei, Druckgrafik, Keramik, Fotografie oder Holz, Stein- und Metallbearbeitung möglich. Ganze Musikkapellen fänden dort Platz zum Proben.
"Auslastung entwickelt sich stabil"
Für die Gäste stünden 55 Zimmer mit insgesamt 120 Betten zur Verfügung. "Das Interesse am neuen Bildungszentrum ist bereits jetzt sehr groß, die Auslastung des neuen Hauses für 2002 entwickelt sich stabil", so Pater Roman. Die intakte ländliche Umgebung des Klosters biete vielfältige Möglichkeiten zur Erkundung der Natur. Die Bayerische Staatsforstverwaltung habe zum Jahresbeginn ein Waldlernrevier begründet. Exkursionen und Projekttage würden im Roggenburger Forst angeboten. Der Roggenburger Weiherweg lade zu einer Ökorallye ein, das Wasserwirtschaftsamt Krumbach werde am Roggenburger Weiher einen Teichlehrpfad errichteten. In Planung sei ein Kloster-Kräutergarten.
DBU trägt Löwenanteil der Gesamtkosten
Die Gesamtkosten für den Neubau des Bildungszentrums im Kloster Roggenburg lägen bei 9,6 Millionen Euro. Den Löwenanteil trage die DBU mit rund 3,7 Millionen Euro. Die
Bayerische Landesstiftung beteilige sich mit zwei Millionen Euro. Der
Freistaat Bayern steuere aus den Fonds für Kultur, Umwelt und Soziales zwei Millionen Euro bei. Aus Mitteln der
Städtebauförderung flössen rund 500.000 Euro. Der Eigenanteil des Klosters Roggenburg, das Bauherr ist, mache 1,5 Millionen Euro aus. Freunde und Sponsoren würden dem Kloster Roggenburg helfen, diesen Eigenanteil zu tragen. Dazu seien bereits Spenden in Höhe von 260.000 Euro eingegangen.