22.05.2002 | Lübecker Bürgerhäuser als Modell für neue Wege im Denkmal- und Umweltschutz

Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert Forschungsprojekt mit 100.000 Euro - Erhalt von Wand- und Deckenmalereien im Blick

Lübeck, Glockengießerstraße 33
Glockengießerstraße 33 in Lübeck: Malereien, um das 14. Jahrhundert datiert, weisen massive Salzausblühungen vor.
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Lübeck. Den Eigentümern historischer Gebäude wirkungsvolle und kostengünstige Wege aufzuzeigen, ihre "Schätze" für spätere Generationen zu bewahren und dennoch energiesparend zu renovieren - das ist Ziel eines bundesweiten Modellprojektes, das am 22. Mai in Lübeck startete. Über zwei Jahre werden Wissenschaftler des Norddeutschen Zentrums für Materialkunde (Hannover), der Fachhochschule Hildesheim, des Bereichs Denkmalpflege der Hansestadt Lübeck und erfahrene Restauratoren an vier Lübecker Bürgerhäusern forschen, um verschiedene Techniken zur Erhaltung der Zeugnisse der Vergangenheit zu erproben und Aspekte des Klimaschutzes und der Bewahrung von Bausubstanz zu vereinen. Gefördert wird das Modellprojekt mit 100.000 Euro durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück. DBU-Pressesprecher Franz-Georg Elpers: "Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, Umwelt- und Denkmalschutzinteressen unter einen Hut zu bekommen."

Eine der frühesten Weltkulturerbestädte Deutschlands

Die Altstadt von Lübeck gehört zu den frühesten Weltkulturerbestädten Deutschlands. Ihr Areal umfasst zahlreiche guterhaltene mittelalterliche Bürgerhäuser, die in ihrem Inneren wertvolle Wand- und Deckenmalerein aufweisen. Sowohl das Heizen mit Öfen in nicht dichten Räumen als auch der seit dem 18. Jahrhundert übliche Schutz durch Wandverkleidungen aus Leinwand oder Tapeten hätten zum Erhalt der Wandmalereien geführt, so Elpers. In der heutigen Zeit gefährdeten jedoch moderne Heizanlagen durch trockene Luft, Wärmedämmungen und Lüftungsverhalten durch Stoßlüften mit starken Klimaschwankungen diese Kunstwerke in erheblichem Maße.

Salze kristallisieren und treten aus

Vorgenommene Untersuchungen zeigten, dass trockene Raumluft die in den mittelalterlichen Backsteinwänden gebundenen Salze kristallisiere und austreten lasse, was erhebliche Schäden an den Wandmalereien zur Folge habe. Gleichzeitig führten die individuellen Heizgewohnheiten im Privatraum zu plötzlichen und starken Raumklimaschwankungen mit der Folge eines kurzfristigen Wechsels von Salzkristallisation und -lösung in der Malschicht.

Wandmalereien vom übrigen Raum trennen

In der Praxis solle versucht werden, die Flächen mit Wandmalereien vom übrigen Raum abzutrennen. Jedoch seien weder die Dichtigkeit der Materialien, der Hinterlüftungsbedarf sowie die Langzeitwirkung einer Isolierung ausreichend bekannt, um zukünftige Schäden zu vermeiden.

Vier Bürgerhäuser als Modell

Das Forschungsprojekt, das im Zusammenhang mit anstehenden Restaurierungen von Wandmalereien in vier national wertvollen Bürgerhäusern an der Mengstraße 21 und 40, der Glockengießerstraße 33 und der Fischergrube 84 durchgeführt werden solle, verfolge das Ziel, anhand einer umfassenden Analyse des Maluntergrundes und der Malerei, einer Erfassung des Raumklimas sowie einer Erprobung unterschiedlicher Materialien zur Abdeckung Empfehlungen zum vorsorglichen Schutz für Eigentümer und Restauratoren abgeben zu können.

"Schätze dauerhaft bewahren"

"Mit unserem Projekt wollen wir praktikable Wege aufzeigen, die Schätze unserer Stadt dauerhaft zu bewahren", sagt Dr. Horst Siewert, Leiter des Bereichs Denkmalpflege der Stadt Lübeck.