Präsentierten im Park zu Putbus die Ergebnisse des von der DBU geförderten Landesparkprogrammes in Mecklenburg-Vorpommern (v.l.): Dr. Hans-Dieter Knapp, Stadtvertretervorsteher Putbus, DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde, der im Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns für das Parkprogramm verantwortliche Ingo Lehmann, Umweltminister Prof. Dr. Wolfgang Methling und Landschaftsarchitekt Andreas Webersinke.
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Putbus. "Wir sind froh, dass durch gemeinsames Engagement mit unserer Hilfe ein wesentlicher Schritt zum Erhalt dieser historischen Kulturlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns gemacht werden konnte und modellhaft Umweltschäden beseitigt sowie naturschutzfachliche und denkmalpflegerische Konflikte gemeinsam gelöst werden konnten. Damit gewinnt das Vorhaben eine über Mecklenburg-Vorpommern hinausreichende Bedeutung und setzt ein Zeichen zum Erhalt des kulturellen Erbes in Deutschland." - Mit diesen Worten bewertete am 23. Mai in Putbus (Rügen) Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), in Anwesenheit von Landesumweltminister Prof. Dr. Wolfgang Methling den Abschluss des Landesparkprogramms. Ziel war es, Umweltschäden in fünf national wertvollen Parkanlagen zu beseitigen und dabei die Belange der Denkmalpflege und des Naturschutzes gleichermaßen zu berücksichtigen. Insgesamt wurden von 1995 bis 2001 920.325 Euro investiert, davon 194.066 Euro durch die DBU.
600 denkmalgeschützte Anlagen
Brickwedde betonte, der überwiegende Teil der etwa 1.200 Parkanlagen in Mecklenburg-Vorpommern - davon 600 denkmalgeschützt - weise aufgrund von Umweltschäden einen schlechten Zustand auf, insbesondere durch Grundwasserabsenkungen und einer Überbelastung von Gewässern durch Nährstoffe. Durch mangelnde Parkpflege hätten sich in vielen Anlagen gesetzlich geschützte Biotope und Lebensräume seltener Arten herausgebildet. Hinzu komme ein verlorengegangenes Bewusstsein in den Kommunen, die Parkanlagen als Teil der zu erhaltenen und zu pflegenden Umwelt zu begreifen und touristisch zu nutzen. Mit dem Parkprogramm sollten daher Umweltschäden in fünf national wertvollen Parkanlagen (Landschaftspark Putbus, Wallanlagen und Stadtwald Stralsund, Schlosspark Remplin, Schlosspark Ulrichshusen und Gutspark Gützkow) beseitigt und dabei die Belange der Denkmalpflege und des Naturschutzes gleichermaßen berücksichtigt werden.
Umfassende Gutachten
Alle Parkanlagen seien neu vermessen worden. Auf dieser Grundlage seien gutachterliche Bewertungen durchgeführt worden, die Aussagen enthielten zur historischen Entwicklung, zum gegenwärtigen Bestand und zur Raumstruktur. Erfasst und bewertet worden seien darüber hinaus Umweltschäden, die Fauna und Flora, der Zustand des Baumbestandes sowie die noch erhaltene Originalsubstanz der Parkanlage.
Maßnahmen einvernehmich durchgeführt
Durch praktische Maßnahmen seien diese gutachterlichen Empfehlungen umgesetzt worden. Dazu hätten beispielsweise gezählt die Beseitigung von Umweltschäden wie die Entfernung von Aufschüttungen (Bauschutt, Müll) zur Standortverbesserung des alten Baumbestandes und zur Wiederherstellung des natürlichen Wasserregimes sowie Baumpflegearbeiten wie das Anbringen von Baumstützen an wertvollen Altbäumen. Alle Maßnahmen seien einvernehmlich zwischen den zuständigen Behörden der Denkmalpflege und des Naturschutzes durchgeführt worden.
Rückzugsgebiete für seltene Tier- und Pflanzenarten
So betonte denn auch Umweltminister Methling, historische Parkanlagen seien nicht nur geschichtswissenschaftliche Zeugnisse und Rückzugsgebiete für seltene Tier- und Pflanzenarten, sondern sie trügen auch wesentlich zur Belebung der Landschaft bei. Methling: "Mit dem Landesparkprogramm wurde eine Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Denkmalpflege und Parkeigentümern entwickelt, die in dieser Form bundesweit einmalig ist. Die Ergebnisse sind beispielhaft."
Übersicht über die einzelnen Maßnahmen:
Landschaftspark Putbus
Der Park ist das bedeutendste Gartendenkmal im vorpommerschen Raum. Wesentlichen Anteil daran hatte Wilhelm Malte I., der 1803 die Herrschaft in Putbus übernahm. Die heutigen Grenzen des Parks und seine Größe von 75 Hektar wurden um 1870 erreicht. Mit dem Park wuchs die Stadt Putbus, beide sind untrennbar miteinander verbunden. In den vergangenen Jahren wurden im Park rund 4.500 Kubikmeter Schutt beseitigt, Baumpflegearten an ca. 150 Altbäumen und im Jahr 2001 eine Kronenpflege an 45 Bäumen durchgeführt. Darüber hinaus wurden Flächen entsiegelt, Wege zurückgebaut und Sichtachsen zum Rügischen Bodden wiederhergestellt.
Damit konnten nicht nur Umweltschäden beseitigt, sondern auch - ganz im Sinne der Denkmalpflege - die historische gewachsene und charakteristische Raumstruktur des Parks erhalten werden. Die Vitalität zahlreicher Altbäume hat sich angesichts der Maßnahmen in zum Teil beeindruckender Form verbessert. Nach einer erfolgten Ausmauerung des Stammes an einer 500 Jahre alten Eiche wurde nach zwei Jahren eine deutlich höhere Belaubungsdichte in ihrem Kronenbereich festgestellt. Gleichzeitig ist es gelungen, Bereiche im Park auszuweisen, die der Erhaltung von Alt- und Totholz dienen. Dies ist besonders für die im Park vorhandenen 43 Brutvogelarten von Bedeutung, von denen 50 Prozent Höhlenbrüter sind. Unter den Insekten wurden mehrere Arten erstmalig in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen, darunter eine Küchenkäferart und eine Speckkäferart.
Wallanlagen und Stadtwald der Hansestadt Stralsund
Zwischen 1998 und 2000 wurden an den Wallanlagen die Feldsteinmauer an der nördlichen Küterbastion sowie die historische Treppe und der Gehweg wiederhergestellt. Langfristiges Ziel ist es, die gesamten Bastions- und Uferkanten zu sichern. Gleichzeitig wurde damit begonnen, die historische Garten- und Parkanlage Wulflamufer wieder zu errichten. Dies geschieht durch Neuanpflanzung von Bäumen und Sträuchern an historischen Standorten, durch die Anlage von Sichtachsen sowie des historischen Wegesystems nach den Plänen von 1928.
Schlosspark Remplin
Der heute etwa neun Hektar große Park ist geprägt durch sein historisch gewachsenes Wassersystem und seinen Baumbestand aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Teiche und Kanäle waren durch Entwässerungen zum Teil verlandet und weisen größere Röhrichtbestände im ehemaligen Uferbereich auf. Ziel war es, im Rahmen des Landesparkprogramms das parkprägende Element Wasser wieder stärker aufleben zu lassen. Dazu wurden der Schwanenteich, der Lange Kanal und der Breite Kanal rekonstruiert. Weiterhin wurden faunistische Erhebungen für Vögel, Nachtschmetterlinge und Käfer durchgeführt, bei denen insgesamt 163 Käferarten nachgewiesen werden konnten, von denen mehr als ein Drittel in Alt- und Totholz leben.
Schlosspark Ulrichshusen
Der etwa fünf Hektar große Park entstand vermutlich im 18. Jahrhundert und ist Bestandteil der einzigen in Mecklenburg-Vorpommern noch relativ gut im Original erhaltenen Renaissance-Wasserschlossanlage, die um 1562 von Ulrich von Maltzahn erbaut wurde. Bis zum Jahr 2000 wurden die Teichanlagen wiederhergestellt und eine Ebereschenallee zwischen Schloss und Wald neu gepflanzt. Diese Ebereschenallee stellt eine landesweite Besonderheit dar und wird das Landschaftsbild um Ulrichshusen bereits in naher Zukunft deutlich prägen. Aus Sicht der Denkmalpflege konnte durch die Wiederherstellung des alten Teichsystems der Charakter der Wasserschlossanlage gefestigt werden.
Gutspark Gützkow (bei Altentreptow)
Der etwa fünf Hektar große Gutspark ist eine der wenigen in Mecklenburg bis heute erhaltenen barocken Parkanlagen. Den Park prägen eine 120 bis 150 Jahre alte Hainbuchenbaumreihe sowie zwei 150 bis 180 Jahre alte Lindenalleen. Der alte Baumbestand war in seiner Vitalität deutlich geschädigt, vor allem durch Kronenverlichtungen infolge von Grundwasserabsenkungen. Bis November 2000 erfolgten Pflegemaßnahmen an den Altbäumen in den Alleen und Baumreihen. Gleichzeitig wurde mit der Wiederherstellung von Teichen begonnen und es wurden aus einem Uferbereich 1.970 Kubikmeter Müll aus Bauschutt, vermodertem Holz und Hausbrandasche beseitigt. Weiterhin wurden 165 Gefäßpflanzenarten kartiert, was ca. zehn Prozent der in Mecklenburg-Vorpommern festgestellten einheimischen und eingebürgerten Arten entspricht.