Dem Ex-Präsidenten der ehemaligen Sowjetunion, Michail Gorbatschow, dankte DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde (l.) für das, was er für Deutschland getan hat.
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Osnabrück / Eichsfeld. "Wir Deutschen werden Ihnen stets dankbar bleiben und Sie und das, was Sie für unser Land getan haben, immer in unseren Herzen tragen." - Mit diesen Worten würdigte am 19. Juni auf dem Kutschenberg im Eichsfeld zwischen Thüringen und Niedersachsen Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, Michail Gorbatschow, den Ex-Präsidenten der ehemaligen Sowjetunion und Vorsitzenden des Umweltverbandes Green Cross International. Der nahm Brickwedde nach seiner Rede zur Seite und attestierte ihm - in deutscher Sprache - "eine gute Rede, eine sehr gute Rede". Anlass des Zusammentreffens war die Einweihung des mit 100.000 Euro von der DBU geförderten "WestÖstlichen Tores", das auf der ehemaligen innerdeutschen Grenze künstlerisch gestaltet die Gegensätze der Durchlässigkeit und der Verbundenheit und den Schutz von Naturräumen durch ein offenes Tor, nicht durch Zäune symbolisiert.
"13 Seiten Text nicht vortragen"
Während Bundesumweltminister Jürgen Trittin, Dr. Angelika Zahrnt, Bundesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes Naturschutz, Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, Präsident des Bundesamtes für Naturschutz, und Thüringens Umweltminister Dr. Volker Sklenar ihre vorbereiteten Reden gehalten hatten, hatte Brickwedde - offensichtlich sehr zur Freude Gorbatschows - kurzerhand darauf verwiesen, dass er die für ihn vorbereiteten 13 Seiten Text nicht vortragen werde, sondern die Interessenten auf der Homepage der DBU im Internet nachlesen könnten.
Toröffner und Mauerbauer, Versöhner und Spalter
Stattdessen ging Brickwedde auf die Symbolik des Kunstwerkes ein, zwei zwölf Meter hohe Eichenstämme, am Boden mit einer Edelstahlschwelle verbunden, die das Tor formen. Darum herum wurden 66 Roteichen gepflanzt, deren tiefrote Blätter im Herbst weithin sichtbar sein werden. Über die Stahlschwelle hinaus werden Herbstblausterne blühend den Verlauf der ehemaligen Grenze anzeigen. Er betonte, es werde immer Toröffner und Mauerbauer geben, Versöhner und Spalter.
Neben Danziger Werftarbeitern und Willy Brandt
Michail Gorbatschow, dessen Kosename "Gorbi" sich liebevoll in den Köpfen der Deutschen festgesetzt habe, gehöre zu den großen Toröffnern der Geschichte. Er stehe damit neben den Danziger Werftarbeitern und ihrem Freiheitsdrang, Ex-Bundeskanzler Willy Brandt und seinem Kniefall vor dem Ehrenmahl des jüdischen Ghettos in Warschau, den Montagsdemonstranten in Leipzig, die trotz ihrer Angst vor der Staatssicherheit der ehemaligen DDR für die Freiheit Deutschlands eingetreten seien oder die Menschen im Eichsfeld, die das Tor vom Osten zum Westen und vom Westen zum Osten stets offen gehalten hätten.
Gorbatschows Gegenwart gutes Symbol
Gorbatschows Gegenwart sei ein gutes Symbol für die zentrale Botschaft des Vorhabens "WestÖstliches Tor": Es biete Schutz und ermögliche Zugang. Es markiere eine Grenze, aber es ermögliche auch ihre Überschreitung, sei Eingang und Ausgang gleichermaßen. Brickwedde: "Es lädt zum Durchblick ein auf die wieder zusammenwachsende deutsche Landschaft, zum ungehinderten und ungefährdeten Durchschreiten und zur Erinnerung. Es gestattet damit den Blick zurück und den nach vorn. Für diesen Zweck haben wir gern über 100.000 Euro zur Verfügung gestellt."