09.12.1994 | Neue Blütezeit für altes Handwerk: Lehm soll Fachwerkhäuser retten

Handwerkskammer Osnabrück-Emsland vermittelte Wissen in Seminaren - Deutsche Bundesstiftung Umwelt förderte mit rund 44.000 Mark

Osnabrück. Fachwerkhäuser prägen als Haustyp verschiedene deutsche Landschaften, auch die Osnabrücker Gegend. Doch während die Altvorderen früher die Gefächer mit um Holzschnitzel und Stroh angereicherten Lehm füllten, wurde dieses Material in jüngster Vergangenheit mehr und mehr durch industriell produzierte Baustoffe ersetzt. Das kann zu Problemen führen, die einer Zerstörung alter Gebäude Vorschub leisten. Stichwort: feuchtere Außenwände durch höheres Wasserhaltevermögen. Aber wie kann man diese Schäden vermeiden, wenn man verlernt hat, Lehm als natürlichen und umweltschonenden Baustoff zu verarbeiten? - Antworten auf diese Frage gab die Handwerkskammer Osnabrück-Emsland jetzt in drei Seminarveranstaltungen.

Seminare sollen Lehm wieder als Baustoff etablieren

Mit rund 44.000 Mark unterstützte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) Seminare über die Handhabung und zeitgemäße Anwendung von Lehm als Baustoff. Teilnehmer waren sowohl die Fachleute vom Bau, als auch interessierte Laien, die in denkmalgeschützten Fachwerkhäusern wohnen.

Natürlicher Baustoff mit Tradition


Beim Lehm handelt es sich um einen natürlichen Baustoff, der - je nach Region - in mehr oder weniger umfangreichen Gruben abgebaut wurde, heißt es in einer Pressemitteilung der größten Umweltstiftung Europas weiter. In jüngster Zeit verwendete industrielle Baustoffe harmonisierten nicht mit dem Holz und hätten aufgrund einer geänderten Nutzung und eines anderen Heizungsverhaltens zu höheren Feuchtigkeitsgehalten der Außenwände geführt. Lehm aber spare Ressourcen, die zur Produktion von Industrieersatzstoffen verbraucht werden, und lande nicht als Baustoff auf Bauschuttdeponien, sondern werde wiederverwendet.

Alternative zu herkömmlichen Baustoffen

"Es gibt Stimmen, die sagen, daß die Holz-Lehm-Bauweise eine Alternative für unsere herkömmliche Bauweise im Ein- bis Zweifamilienhausbau sein könnte," betonte der Präsident der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland, Klaus Haug, in seinem Grußwort an die Seminarteilnehmer. Diese an alte Bautraditionen anknüpfenden Bauweisen ließen sich "auch an modernen Kategorien, wie Statik und Wärmedurchgangswerten, messen". Die Anwendung von Lehmtechniken sei jedoch mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, weil Planer und ausführende Handwerker nicht über ausreichende Erfahrung verfügten.

Handwerkern soll Lehm wieder ein vertrauter Werkstoff werden

Um hauptsächlich Handwerker im Umgang mit dem Baustoff wieder vertraut zu machen, habe deshalb die Handwerkskammer Osnabrück-Emsland die drei Seminarveranstaltungen mit Praxisbezug durchgeführt. Die Veranstaltungen wurden von anerkannten Experten im Auftrag der Kammer unter Anleitung der Denkmalpflege durchgeführt, wobei neben denkmalpflegerischen Aspekten zusätzlich die Themen "Moderne Lehmbautechnik" und "Dämmen mit Lehm" behandelt wurden. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Stiftung: "Im Bereich der Denkmalpflege ist ein Bedarf an der Weitervermittlung alter Techniken im Lehmbau gegeben. Und auch mit Blick auf die Weiterentwicklung des umweltverträglichen Bauens insgesamt wird dieser Werkstoff in Zukunft deutlich an Bedeutung gewinnen."