09.12.1994 | Neues Meßsystem im Abwasserbereich soll helfen, Umweltfrevlern auf die Spur zu kommen

Stadt Krefeld und ELBAGU (Osnabrück) betreten bundesweit Neuland - Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert mit rund 900.000 Mark

Krefeld/Osnabrück. Schlechtere Zeiten für Umweltfrevler! Wer zukünftig in kommunale Kanalnetze stärker belastetes Abwasser einleitet als er es sich hat genehmigen lassen und damit die Allgemeinheit das bezahlen läßt, was aus seiner eigenen Tasche eigentlich in städtische Kassen hätte fließen müssen, muß mit Enttarnung rechnen. Mit einer Fördersumme von knapp 730.000 Mark fördert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) den Weiterbau und die Weiterentwicklung eines Abwassermeßsystems am Beispiel der Stadt Krefeld, auf dessen Basis dann erstmalig in Deutschland die Perspektive entwickelt werden soll, solch illegales Treiben flächendeckend zu detektieren. Die Entwicklungsleistung für dieses Modellprojekt in Nordrhein-Westfalen, das als eine Art Frühwarnsystem Kläranlagenstörfälle vermeiden und auf andere Kommunen übertragbar sein soll, wird von der niedersächsischen Firma ELBAGU erbracht. Bereits für eine inzwischen abgeschlossene Projektvorphase hatte die größte Umweltstiftung Europas rund 170.000 Mark zur Verfügung gestellt.

In diesem Bereich kommt der Einrichtung fernüberwachter Meßnetze eine wachsende Bedeutung zu, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung weiter. Die Stadt Krefeld beabsichtige, ein innovatives, mikroprozessorgesteuertes Datenerfassungs- und Fernüberwachungssystem flächendeckend zu errichten und die abwasserspezifische Meßdatenerfassung weiterzuentwickeln. Durch die Branchenvielfalt der Krefelder Großeinleiter - unter anderem Textil-, Nahrungsmittel-, Getränke-, Stahl- und chemische Industrie und Groß- krankenhäuser - berge das Abwasser verschiedene Probleme biotechnologischer und physikalisch-chemischer Art.

In Krefeld werde das sehr unterschiedlich befrachtete Abwasser über sieben kommunale Hauptsammler, zentrale Kanäle, in die die kleineren münden, zur Kläranlage geführt. Durch direkte Messungen von Abwasserwerten in diesen Hauptsammlern erhalte die privatisierte Kläranlage frühzeitig die Möglichkeit, die Abwasserreinigungsstufen vor stoßweisen Überfrachtungen zu sichern und damit Störfälle zu vermeiden, die zu einer Ableitung nicht vollständig geklärter Abwässer führten. Als zuverlässige und abgesicherte Folgestrategie sei denkbar, das Abwasser über Auffang- oder Ausgleichsbecken auf der Kläranlage vor der Einleitung in das eigentliche Klärbecken zu sammeln, wenn beispielsweise eine Toxizität, also Giftigkeit, festgestellt worden sei. Automatische, stationäre Meßstationen meldeten umgehend Alarm zur Kläranlage und zum Umweltamt der Stadt.

Alle Vorgänge würden dokumentiert und seien über eine Systemleitung zum Umweltamt jederzeit einseh- und veränderbar. In der Vorphase habe sich bei Tests gezeigt, daß eine sichere und schnelle Analytik der Abwasserinhaltsstoffe möglich sei. Außerdem sei es in der Vorphase gelungen, eine Meßschwelle für die Mengenmessung zu entwickeln, die ohne Genauigkeitsverlust direkt in den Entnahmeschacht montiert werden könne. Dieses innovative und zugleich kostengünstige Verfahren sei in seiner Art und Weise bisher nicht auf dem Markt verfügbar.

Für Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, besteht hier die große Chance, "nach dem Verursacherprinzip denjenigen auch angemessen zur Kasse zu bitten, der durch seine Einleitung auch die Kosten für die Reinigung der Abwässer produziert". Brickwedde: "Außerdem werden mittelfristig Maßnahmen möglich sein, die eine geeignete Reaktion in Kläranlagen möglich machen, bevor es zum abwasserreinigungstechnischen Kollaps kommt."

ELBAGU-Geschaftsführer Edgar Bauth betonte noch einmal den Vorbildcharakter dieses Meßsystems. Nicht zuletzt auch aufgrund der guten, freundschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der ELBAGU GmbH und den Mitarbeitern des Umweltamtes der Stadt Krefeld habe die Meßtechnik vor Ort auf die spezifischen Probleme im ungeklärten Abwasser abgestimmt werden können. Bauth: "Unsere Erfahrungen und das Know-how aus diesem Pilotprojekt sollten nun auf andere Großstädte oder Kommunen übertragen werden."

Das unterstrich auch der Leiter des Umweltamtes der Stadt Krefeld, Helmut Döpcke. Die Stadt Krefeld sei der Umweltstiftung dankbar, daß sie ein für alle Kommunen wegweisendes Projekt unterstütze. Nicht nur die verstärkte Überwachung der Indirekteinleiter solle durch das Abwassermeßsystem erreicht werden, "mittelfristig hofft die Stadt Krefeld, eine effizientere, schnellere und intensivere Überwachung bei gleichzeitiger Senkung der Personal- und Sachkosten zu erreichen", so Döpcke. Vor dem Hintergrund zunehmend knapper werdender Kassen in allen Kommunen bei gleichzeitiger Ausweitung der Überwachungs- und Kontrollaufgaben bekomme gerade der Gesichtspunkt der Kostensenkung immer mehr Bedeutung.