Ahrensburg. Ein ehrgeizige Ziel hat sich die Firma Zipperling Kessler & Co. im schleswig-holsteinischen Ahrensburg gesteckt: Mit der Weiterentwicklung eines neuen Rostschutzverfahrens will das Unternehmen die Lebensdauer von Maschinen, Fahrzeugen, Türmen, Brücken und Masten erheblich verlängern. Gleichzeitig sollen dadurch Ressourcen geschont, soll durch ein nicht mehr so häufig erforderliches Nachlackieren die Umwelt spürbar entlastet werden. Sicherstellen soll das - Rost! Genauer gesagt: eine künstlich erzeugte dichte Oxidschicht, die unter einer Spezialbeschichtung entsteht und eine weitere Korrosion, wie sie beim "normalen" porösen Rostbefall immer gegeben ist, verhindert. Gefördert wird dieses Projekt in der ersten Phase mit knapp 600.000 Mark durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück). Weitere 470.000 Mark werden folgen, wenn der Zwischenbericht am Ende der ersten Phase hält, was die ersten Tests im Labormaßstab versprechen.
Ziel des Projektes ist es, über einen verbesserten Rostschutz die Lebensdauer beispielsweise von Stahlprodukten zu erhöhen wie auch Zeiträume zwischen notwendigen Rostschutzbehandlungen zu verlängern, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung. Damit würden sowohl Ressourcen geschont als auch mengenmäßig gravierende Umweltbelastungen vermieden, wie sie zum Beispiel bei häufiger notwendigen Entlackungen anfielen. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der größten Umweltstiftung Europas: "Wenn sich das neue Verfahren behauptet, kann der Korrosionsvorgang über den Stand der heutigen Technik hinaus deutlich verlangsamt werden."
Durch das Auftragen des Stoffes Polyanilin auf den Metalloberflächen entstehe nach ersten Untersuchungen unter der aufgebrachten Beschichtung eine dichte Oxidschicht, die eine weitere Korrosion, wie sie bei dem "normalen" porösen, braunen Rostbefall auftrete, vermindere und die Korrosionsgeschwindigkeit deutlich verringere. Nach der Weiterentwicklung dieses Verfahrens im Labor sollten die Voraussetzungen für die praktische Umsetzung dieses Prinzips in ein Lacksystem aus Polyanilin und Decklack erfolgen. Dabei werde es speziell um die Lösung von Haftungsproblemen gehen - einerseits zwischen der dichten Oxidschicht und dem Polyanilin, andererseits zwischen dem Polyanilin und dem Decklack. Denn nur so seien langzeitstabile Systeme zu gewährleisten.
Brickwedde: "Das Ziel dieses Projektes ist vom praktischen wie auch vom theoretischen Standpunkt her sehr interessant. Es liefert wichtige Voraussetzungen für eine verbesserte Ressourcenschonung und die Vermeidung von Umweltbelastungen in vielen technischen Bereichen."
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert nach den Worten ihres Generalsekretärs die Kreativität kleiner und mittlerer Unternehmen bei der praktischen Lösung von Umweltproblemen und gibt Anreiz für ökologische Innovationen in diesen Betrieben. Brickwedde: "Die Umweltstiftung setzt durch die Förderung umwelt- und gesundheitsfreundlicher Produkte und Produktionsverfahren auf einen vorbeugenden und integrierten Umweltschutz. Sie mindert das Einstiegsrisiko für Unternehmen in umweltschonendere Produktionstechniken und fördert, was die Umwelt direkt und praktisch schützt." Gleichzeitig unterstütze sie Kooperationsprojekte in der Anwendung von Umwelttechnik und den Austausch von Wissen über die Umwelt zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und anderen öffentlichen oder privaten Stellen. Modellhaft werden auch, so Brickwedde, national wertvolle Kulturgüter im Hinblick auf schädliche Umwelteinflüsse bewahrt und gesichert. Seit Gründung der Stiftung 1990 wurden rund 1.000 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 600 Millionen Mark gefördert.