Neustadt-Glewe/Hamburg. "Die Zahl nachhaltig überdüngter Seen ist gerade in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sehr hoch. Mit diesem erfolgversprechenden, sehr umweltschonenden und ökonomisch sinnvollen neuen Verfahren wollen wir einen wertvollen Impuls für eine Wiederbelebung der Seen in den neuen Bundesländern geben." - Mit diesen Worten kommentiert Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück), den Beschluß zur Durchführung eines dreijährigen Großversuchs, der wichtige Aufschlüsse über die Möglichkeiten zur Revitalisierung stehender Kleingewässer liefern soll. "Pelicon" ist der Name jener Phosphat-Eliminierungsanlage, mit der die Stadt Neustadt-Glewe (Mecklenburg-Vorpommern) und die Umwelt- und Industrielle Technik (Hamburg) den Neustädter See zu neuem Leben erwecken wollen. Knapp 820.000 Mark stellt die größte Umweltstiftung Europas für diesen Zweck zur Verfügung.
Das Prinzip der von der Firma UIT entwickelten Anlage bestehe darin, das Tiefenwasser direkt über dem Gewässerboden abzusaugen und danach das Phosphat zu entziehen, das die Gewässer belaste, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung weiter. Zwar seien im konkreten Fall des Neustädter Sees frühzeitig Maßnahmen ergriffen worden, speziell die Einträge aus der Landwirtschaft zu stoppen. Doch im Sediment des Sees seien weiterhin große Mengen an Phosphat gespeichert. Jahreszeitlich bedingt würden diese Stoffe freigesetzt und führten damit zu einer quasi permanenten Überdüngung des Sees. Mit der im Gegensatz zu konventionellen Anlagen transportablen und leicht zu installierenden Anlage solle jetzt der Phosphatgehalt des Gewässers auf ein naturnahes Niveau gebracht werden. Dabei anfallende Schlämme könnten wie ein Volldünger landwirtschaftlich verwertet werden.
Der Neustädter See sei für das geplante Vorhaben hervorragend geeignet, da bereits umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen vorlägen. Am Ende des Projektes solle dann ein kostengünstiges Gesamtkonzept zur Revitalisierung stehender Kleingewässer bis hin zur Entsorgung des eleminierten Phosphats zur Verfügung stehen.
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert nach den Worten ihres Generalsekretärs die Kreativität kleiner und mittlerer Unternehmen bei der praktischen Lösung von Umweltproblemen und gibt Anreiz für ökologische Innovationen in diesen Betrieben. Brickwedde: "Die Umweltstiftung setzt durch die Förderung umwelt- und gesundheitsfreundlicher Produktionsverfahren auf einen vorbeugenden und integrierten Umweltschutz. Sie mindert das Einstiegsrisiko für Unternehmen in umweltschonendere Produktionstechniken und fördert, was die Umwelt direkt und praktisch schützt." Gleichzeitig unterstütze sie Kooperationsprojekte in der Anwendung von Umwelttechnik und den Austausch von Wissen über die Umwelt zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und anderen öffentlichen oder privaten Stellen. Modellhaft werden auch, so Brickwedde, national wertvolle Kulturgüter im Hinblick auf schädliche Umwelteinflüsse bewahrt und gesichert. Seit Gründung der Stiftung 1990 wurden insgesamt rund 1.000 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 600 Millionen Mark gefördert.