28.09.1994 | "Beim Aufbau eines ökologischen Fitneßprogramms für die kleinen Handwerksbetriebe mithelfen"

Drei Millionen Mark Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt für Umweltzentrum des Handwerks der Handwerkskammer Ostthüringen

Gera/Erfurt. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) setzt ihren Weg, dem Handwerk bei der Suche nach maßgeschneiderten Lösungen für die Bewältigung spezifischer Umweltprobleme behilflich zu sein, konsequent fort. Mit einer Anschubfinanzierung von drei Millionen Mark unterstützt die Stiftung nun auch in Gera den Aufbau eines "Umweltzentrums des Handwerks" durch die Handwerkskammer, das nach Ablauf der Förderung von der Kammer eigenständig fortgeführt wird. Besonderheit in Gera: Nach Hannover, Saar-Lor-Lux und Münster ist dies im Rahmen einer bundesweiten Gesamtkonzeption das erste Zentrum dieser Art in Ostdeutschland, in das die drei Jahre junge Stiftung investiert. Ihr Generalsekretär, Fritz Brickwedde, erläuterte heute vor Medienvertretern die Beweggründe: "Wir wollen mithelfen am Aufbau eines ökologischen Fitneßprogramms für die kleinen Handwerksbetriebe. Gerade diese Unternehmen fühlen sich oft alleingelassen, weil sich Umweltschutztechniken für Großanlagen häufig nur schwer auf kleinere Betriebe übertragen lassen."

Die Umweltzentren, so Brickwedde weiter, verbänden die klassischen Angebote der Gewerbeförderung - wie etwa einzelbetriebliche Beratung und Weiterbildung - mit einer breiten Palette weiterer Dienstleistungen. Kurse, Seminare und Lehrgänge sollten Weiterqualifizierungen ermöglichen, Demonstrationsvorhaben angeregt, Kooperationspartner vermittelt werden. Informationen zum Beispiel über umweltfreundliche Produkte und Produktionsverfahren oder Energiesparmaßnahmen sollten ausgetauscht, die Eigenverantwortlichkeit der Handwerker erhöht werden. Die Zentren sollten aber auch Nahtstellen zu Kommunen und regionalen Umweltbehörden sein, zu Wissenschaft, Gewerbeaufsichtsämtern und Regierungspräsidien. Brickwedde: "Wir sehen die Zentren als Plattform für Informations- und Wissensaustausch, aber auch als konkrete Anlaufstelle bei praktischen Problemen des einzelnen Handwerkers in Sachen Umweltschutz."

Deshalb sei auch in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ein Grundkonzept erarbeitet worden, das - über Deutschland verteilt - die Errichtung von acht zusätzlichen Umweltzentren mit einem Volumen von insgesamt 20 Millionen Mark vorsehe. Neben den vier im Rahmen der Gesamtkonzeption des ZDH bewilligten Umweltzentren in Hannover, Saar-Lor-Lux, Münster und Gera bestünden Umweltzentren des Handwerks in Hamburg (Zentrum für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik, ZEWU) und in Oberhausen (Zentrum für Umweltschutz, Energietechnik der Handwerkskammer Düsseldorf, UZH).

Das Zentrum in Gera werde als Kopfstelle für den Datentransfer ausgewählter Informationen für die neuen und alten Umweltzentren des Handwerks fungieren. Damit solle die begonnene Kooperation weiter verfestigt und institutionalisiert werden. Es solle im wesentlichen die Vereinfachung des Informationsaustausches in Form einer Vereinheitlichung der Hard- und Softwarestrukturen in allen Umweltzentren, der Einrichtung und Pflege von Mailboxen sowie der Recherche in Datenbanken externer Anbieter erfolgen.

Besondere Bedeutung werde der regionalen Arbeit des Zentrums zukommen. Hierbei gehe es neben den allgemeinen Aufgaben speziell um die osteuropäischen Länder, denen bei der Umstellung von der Planwirtschaft auf die Marktwirtschaft Hilfestellung geleistet werden solle. Hier sei auch an den Aufbau eines Beratungswesens im Umweltschutz mit ostdeutscher Hilfe gedacht. Daneben werde es sich das Umweltzentrum Gera aber auch zur Aufgabe machen, Projekte traditioneller, vom Aussterben bedrohter Handwerksberufe wie traditionelle Färberei, Weberei, Blaudruck, Kunsttischlerei, Glasbläserei, Töpferei und Korbflechterei unter Umweltgesichtspunkten zu unterstützen.

Schließlich werde ein weiterer Arbeitsschwerpunkt im Bereich betriebswirtschaftlicher Umweltschutzanalysen liegen. Hier sei beispielsweise an Untersuchungen zur Ökonomieverträglichkeit ausgewählter Umweltschutzmaßnahmen für Handwerksbetriebe oder zu den marktwirtschaftlichen Chancen von Umweltschutzdienstleistungen gedacht. Brickwedde: "Aufgrund der guten Voraussetzungen und des hohen Engagements der Handwerkskammer Gera sehen wir dieses Projekt als besonders förderungswürdig an. Wir versprechen uns von unserer Unterstützung, daß ein positiver Impuls für die Region ausgeht, aber auch weitere Gründungen von Umweltzentren des Handwerks folgen werden."

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert nach den Worten ihres Generalsekretärs die Kreativität kleiner und mittlerer Unternehmen bei der praktischen Lösung von Umweltproblemen und gibt Anreiz für ökologische Innovationen in diesen Betrieben. Brickwedde: "Die Umweltstiftung setzt durch die Förderung umwelt- und gesundheitsfreundlicher Produkte und Produktionsverfahren auf einen vorbeugenden und integrierten Umweltschutz. Sie mindert das Einstiegsrisiko für Unternehmen in umweltschonendere Produktionstechniken und fördert, was die Umwelt direkt und praktisch schützt." Gleichzeitig unterstütze sie Kooperationsprojekte in der Anwendung von Umwelttechnik und den Austausch von Wissen über die Umwelt zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und anderen öffentlichen oder privaten Stellen. Modellhaft werden auch, so Brickwedde, national wertvolle Kulturgüter im Hinblick auf schädliche Umwelteinflüsse bewahrt und gesichert. Seit Gründung der Stiftung 1990 wurden über 950 Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 550 Millionen Mark gefördert.