28.09.1994 | "Ökologisch orientierte Infrastruktur für gesamte Region Nordthüringen schaffen"

Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) schiebt Aufbau einer Umweltakademie in Nordhausen mit über 2,2 Millionen Mark an

Nordhausen/Erfurt. "Der Aufbau der Umweltakademie Nordthüringen kann für den strukturschwachen Landkreis, aber auch für die gesamte Region Nordthüringen wichtige Impulse zur Schaffung einer ökologisch orientierten Infrastruktur in Wirtschaft und Verwaltung geben und zur Verbesserung des Umweltbewußtseins der Bürger, der Unternehmen und der Verwaltung beitragen." - Mit diesen Worten kommentierte Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück), heute vor Medienvertretern in Erfurt die Entscheidung des Kuratoriums der größten Umweltstiftung Europas, als Anschubfinanzierung für den Aufbau der Umweltakademie Nordthüringen im Landkreis Nordhausen über 2,2 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen.

Brickwedde erinnerte in Anwesenheit des Dezernenten des Amtes für Umweltschutz des Kreises Nordhausen, Günter Uebner, und der Leiterin des Amtes für Umweltschutz des Kreises Nordhausen, Gisela Hartmann, daran, daß Landkreis und Stadt Nordhausen seit Herbst 1991 bemüht seien, unterstützt von der Stiftung umweltbezogene Erneuerungs- und Entwicklungsaufgaben zu gestalten und zu bündeln. Dadurch sollten im Rahmen der siedlungsstrukturellen, wirtschaftlichen, verkehrlichen und touristischen Entwicklung des strukturschwachen nordthüringischen Landkreises Nordhausen Ziele und Maßnahmen zum Umweltschutz und zur Umweltvorsorge rechtzeitig und mit hohem Stellenwert eingebracht werden.

Die Region Nordthüringen mit ihrer zentralen Lage in Deutschland besitze klimatische, biologische und geologische Besonderheiten, die geschützt und erhalten werden müßten. Durch die gegenwärtig hohe Arbeitslosigkeit und die bestehenden sozialen Spannungen bestehe aber die Gefahr, "daß wirtschaftspolitische Entscheidungen zu Lasten der Umwelterhaltung und -vorsorge getroffen beziehungsweise toleriert werden", so Brickwedde.

Um eine ökologische Wirtschaftsregion mit modellhaftem Charakter erfolgreich entwickeln zu können, bedürfe es der Sensibilisierung der Bürger, der produzierenden Unternehmen und Verwaltungseinrichtungen für die ökologische Ausrichtung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Notwendig sei die Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten für die Gestaltung von ökologisch orientierten Entscheidungsprozessen in Wirtschaft und Verwaltung und breiter umwelterzieherischer Aktivitäten in der Öffentlichkeit und allen Bereichen des Bildungswesens. Diese Aufgabe solle durch die Umweltakademie verwirklicht werden.

Das Projekt sehe nicht nur die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Bildungsträgern in der Region vor, sondern kooperiere auch mit überregionalen Umwelteinrichtungen in den neuen Bundesländern. Aufgabenschwerpunkte der Umweltakademie lägen in den Bereichen Weiterbildung, Beratung und Information. Dazu gehöre es, Tagungen und Kongresse vorzubereiten und durchzuführen, Konzepte für Umweltprojekte zu erstellen, Umwelt- und Energieberatung zu organisieren. Auch die Förderung von erfahrungsbezogenen nationalen und internationalen Begegnungen zwischen Vertretern von Wirtschaft, Verwaltung und Verbänden passe dazu.

Die Weiterbildungs- und Beratungsinhalte wendeten sich insbesondere an die Zielgruppen Fach- und Führungskräfte der Wirtschaft, Mitarbeiter von Behörden, Institutionen und Verbänden, Lehrer, Sozialarbeiter, Kindergärtner, Erzieher sowie andere Multiplikatoren aus Gesellschaft und Politik. Brickwedde: "Besonders die Absicht, Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik der Region Nordthüringen und darüber hinaus über die Möglichkeiten einer ökologischen Wirtschafts- und Regionalentwicklung aufzuklären, wird von uns begrüßt." So könne umfassend Einfluß auf die regionale Entwicklung der Umwelt genommen werden.

Neben dieser gewollten Einflußnahme bestehe ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu vielen Umweltbildungseinrichtungen klassischer Ausprägung darin, daß eine deutliche Orientierung auf wirtschaftliche Belange und damit auch auf kleine und mittlere Unternehmen bestehe. Brickwedde: "So liefert die Umweltakademie Nordthüringen ein Modell für strukturschwache Regionen, das zeigt, wie durch die Herstellung von Kooperationen und die Vernetzung vorhandener Kompetenzen die Bereitstellung und der Austausch von Umweltwissen erfolgen kann. Mehr noch: dieses Wissen kann in den unterschiedlichen Bereichen aus Gesellschaft und Politik bis zur Planung und Umsetzung konkreter Umweltprojekte greifen."

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hatte bereits das Erstellen des Konzeptes der Umweltakademie mit einem Betrag von knapp 120.000 Mark gefördert. Darüber hinaus beteiligte sich die Stiftung mit einem Fördervolumen von knapp 240.000 Mark an der Entwicklungsplanung für das Projekt "Ökologischer Landkreis Nordhausen" mit dem Ziel, sowohl ökologischen als auch wirtschaftlichen Zielen gerecht zu werden. Dabei wurden unter anderem die Bereiche Natur- und Landschaftsschutz sowie Wasserhaushalt berücksichtigt. Ausgehend von einer Zusammenstellung der vorhandenen Unterlagen und Daten zur Umweltsituation im Landkreis Nordhausen und einer Übersicht über umweltrelevante Planungs- und Entwicklungsprojekte wurde hier ein Konzept zur umweltgerechten Raumnutzung entwickelt.