28.09.1994 | Saure Bergbauabwässer: Stiftung versüßt Sanierungsuntersuchungen mit 880.000 Mark

Thüringische Schieferbauregionen als Modellgebiet - Ausstrahlung über Landesgrenzen hinaus

Schleiz/Freiberg. "Die Gewässer im Bereich von Schieferhalden sind biologisch verödet. Renaturierungsversuche für diese Gewässer müssen zum Ziel haben, die Entstehung saurer Sickerwässer und die damit verbundene Lösung von Aluminium zu verhindern. Genau das soll am Beispiel der Schieferhalden im Thüringer Schiefergebirge untersucht werden mit dem Ziel, eine Basis für Sanierungsmaßnahmen solcher Halden und der betroffenen Fließgewässer zu finden." - Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück), war es, der mit diesen Worten vor Medienvertretern in Erfurt auf ein vom Kuratorium der Stiftung unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Dr. Hans Tietmeyer gerade bewilligtes Projekt einging. Mit einer Fördersumme von knapp 880.000 Mark sollen das Landratsamt Lobenstein in Thüringen - heute Saale-Orla-Kreis, Schleiz - und die G.E.O.S. Freiberg Ingenieurgesellschaft (Sachsen) in die Lage versetzt werden, in den kommenden drei Jahren wichtige Aufschlüsse über die Sanierung saurer Bergbauabwässer aus Altablagerungen des Schieferbaus zu sammeln.

Brickwedde wies in der thüringischen Landeshauptstadt darauf hin, daß die Belastung von Oberflächen- und Grundwässern durch Sickerwasser aus Bergbauhalden in zahlreichen Halden des Erzbergbaus in Ostthüringen, im Vogtland und im Erzgebirge auftrete und daher von überregionaler Bedeutung sei. Auch in Abraummassen des Braunkohlenbergbaus führten Oxidationen zu sauren Grubenwässern, die nicht ohne Reinigung in die Vorflut abgeleitet werden dürften.

Für die Beseitigung und Verhinderung weiterer Umweltschäden in den thüringischen Schieferbauregionen sei dieses Projekt "von großer Bedeutung", so Brickwedde weiter. Der stark eisen- und schwefelhaltige Schieferabfall säuere bei seiner Verwitterung die Sickerwässer im Haldenbereich stark an, durch chemische Reaktionen entstünden grau-weiße Niederschläge, die das ganze Bachbett bedeckten und zu einer vollkommenen Verödung ganzer Gewässerabschnitte führten.

In Thüringen solle das Ausmaß der Gewässerbelastung untersucht, sollten Sanierungsvorschläge ausgearbeitet werden. Im einzelnen sollten im südlichen Thüringer Schiefergebirge als Grundlage für die Einschätzung des von Schieferhalden ausgehenden Gefährdungspotentials und der Gewässergüte in den betroffenen Fließgewässern geoökologische, hydrochemische und -geologische Standorterkundungen durchgeführt werden. Dann solle ein ökologisches, technisches Umweltschutzkonzept für die Verminderung von Schadstoffemissionen aus Altablagerungen des Schieferbergbaus erarbeitet werden. Auch die technisch, ökonomisch und rechtlich machbaren verschiedenen Sanierungsvarianten sollten untersucht werden, die den Sickerwasseranfall verminderten und die Beweglichkeit der Schadstoffe unterdrückten. Denkbar seien hier Haldenabdeckungen, eine Versiegelung von Sickerwegen oder geochemische Barrieren für Aluminium.

Umgesetzt werde das Projekt in zwei Phasen. Nach der Erfassung und Darstellung des Ist-Zustandes und ersten Untersuchungen der hydraulischen Bedingungen werde es bei positiver Begutachtung eines Zwischenberichtes in der zweiten Phase um die Untersuchung verschiedener Sanierungsverfahren und die Ausarbeitung von ökologisch fundierten und ökonomisch tragfähigen Sanierungsvorschlägen gehen.