Osnabrück. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) will ihren Beitrag dazu leisten, daß archäologische Bodendenkmäler als national wertvolle Zeugnisse deutscher Kultur nicht länger Schadstoffen in Luft und Boden hilflos ausgesetzt und damit dem schleichenden Verfall ausgeliefert sind. Das Kuratorium der größten Umweltstiftung Europas beschloß unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Dr. Hans Tietmeyer, dem Verband der Landesarchäologen in Deutschland und dem Osnabrücker Landschaftsverband für ein Modellvorhaben zum Schutz archäologischer Bodenfunde aus Metall vor immissionsbedingter Schädigung knapp 2,2 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen. An insgesamt acht Ausgrabungsstätten, zu denen auch Kalkriese, der Ort der Varusschlacht bei Osnabrück gehört, sollen aus Deutschland Wissenschaftstruppen gesammelt werden, um gegen den Verfall die entscheidende Schlacht zu schlagen.
Sowohl Immissionen aus der Industrie als auch Dünger und Gülle der Landwirtschaft gehörten zu den Schadensursachen, saurer Regen trage zu einer Versauerung des Bodens bei, erläuterten der Leiter des Projektes Kalkriese, Professor Dr. Wolfgang Schlüter, und der Generalsekretär der Stiftung, Fritz Brickwedde, vor Medienvertretern. Die Schadstoffe lagerten sich in den porösen Fundstücken ab, auch nach der Bergung dauere der Korrosionsprozeß an. Das bedeute nicht nur die Gefährdung der Existenz national wertvoller Kulturgüter, auch die Kosten stiegen extrem an für sich häufig wiederholende Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen.
Um detailliert und umfassend Kenntnisse über die Wechselwirkung zwischen Metallfunden, Bodenmilieu und Schadstoffbelastungen zu bekommen, würden an vielen herausragenden archäologischen Fundstellen Proben für Analysen genommen. Aufgrund der nationalen Bedeutung der Funde und der Bodengegebenheiten werde Kalkriese einen Schwerpunkt der Untersuchungen bilden. Generalsekretär Fritz Brickwedde: "Allein für diesen Projektteil des Osnabrücker Landschaftsverbandes stehen rund 560.000 Mark an Fördermitteln bereit." Sieben weitere Grabungsstätten in den Kreisen Heidelberg, Traunstein, Paderborn, Torgau, Nordhausen, Liebersee und Wesel seien zudem nach unterschiedlichen Anforderungskriterien ausgesucht worden.
Um den Korrosionsvorgang nach der Fundbergung zu stoppen, würden verschiedene umweltfreundliche und lösungsmittelfreie Festigungs- und Konservierungssubstanzen vergleichend angewendet. Erstmalig werde auch ein neues Spezialverfahren eingesetzt, das als Voraussetzung für Konservierungsmaßnahmen die Entsalzung entscheidend beschleunige. Vorgesehen sei auch, die Lagerbedingungen zu überprüfen und zu verbessern und in Magazinen und Museen eine Nachkontrolle durchzuführen.
Wie für die ausgegrabenen müßten auch für die wertvollen im Boden verbliebenen historischen Zeugnisse Schutzmaßnahmen getroffen werden. Hierzu gehöre es, Schadsubstanzen zu neutralisieren und Grenzwerte der Belastbarkeit archäologischer Fundstellen zu definieren, die in gesetzliche Bestimmungen Eingang finden könnten.
Die metallkundlichen, mineralogischen und chemischen Analysen würden vom Institut für Metallkunde der Technischen Universität Berg-Akademie Freiberg/Sachsen und dem Forschungsinstitut für Edelmetalle und Metallchemie in Schwäbisch-Gmünd durchgeführt. Parallel hierzu analysiere die Abteilung physische Geographie der Universität Trier in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Bodenkunde, Landschaftsökologie und angewandte Botanik (Oldenburg) die Bodenproben auf Bodenbeschaffenheit und Schadstoffbelastung.
Brickwedde: "Von der Bewahrung im Boden über die Ausgrabung selbst bis hin zur späteren Aufbewahrung und Lagerung wirken Schadstoffe in Verbindung mit Luft oder Feuchtigkeit zerstörend auf die Jahrhunderte alten, zerbrechlichen Fundstücke, die einfach nicht unwiederbringlich verlorengehen dürfen."