06.09.1994 | Zeugnis für eine wichtige Epoche der Anerkennung jüdischer Mitbürger erhalten

Jüdischer Friedhof An der Strangriede in Hannover wird mit knapp 2,4 Millionen Mark der Deutschen Bundesstiftung Umwelt restauriert

Hannover. Der Jüdische Friedhof An der Strangriede in Hannover soll mit seinen künstlerisch besonders wertvollen Grabsteinen und Großgräbern künftigen Generationen erhalten bleiben und für eine wichtige Epoche der sozialen Einbindung und der Anerkennung der Leistungen Deutscher mosaischen Glaubens Zeugnis ablegen. Das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Dr. Hans Tietmeyer beschloß jetzt in Bonn, dem Landesverband der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen für ein Modellvorhaben zum Erhalt umweltgeschädigter Natursteingrabmale knapp 2,4 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen. Um eine Weitergabe der gewonnen Erfahrungen sicherzustellen, werden in das Projekt angehende Diplom-Restauratoren der Fachhochschule Hildesheim einbezogen. Generalsekretär Fritz Brickwedde: "Der Erhalt der wenigen unzerstörten jüdischen Friedhöfe ist eine nationale Aufgabe. Die anwendungsorientierten Untersuchungen und Messungen im Vorfeld der sich anschließenden Restaurierungsmaßnahmen werden wichtige Aufschlüsse geben, die für die weiteren Arbeiten an 65 Einzelgräbern sinnvoll genutzt werden können."

Bei Grabsteinen und Großgräbern des Friedhofs an der Strangriede, der von 1864 bis 1922 belegt worden war, sind an Sandstein, porösem Kalk, Marmor und Granit Salzablagerungen und schwarze Krusten festzustellen, die auf die Einwirkung von Luftschadstoffen hinweisen, heißt es in einer Pressemitteilung der größten Umweltstiftung Europas weiter. Ungewöhnlich verfärbte Gesteinsoberflächen wiesen im übrigen auf Jahrzehnte lange Immissionen von Metallstäuben einer in unmittelbarer Nachbarschaft bis 1994 betriebenen Buntmetallgießerei hin.

Die Maßnahme gliedere sich in eine genaue Dokumentation der Objekte und ihrer Zerstörung und Einarbeitung in eine Übersichtskartierung, eine vertiefte Diagnose zur Ursachenforschung für die Zerstörungen, Untersuchungen an Materialproben, Durchführung von Sicherungsmaßnahmen, Abbau und Transport in Werkstatt und Labor, umfassende Reinigungs-, Entsalzung-, Festigungs- und Steinergänzungsmaßnahmen sowie Rücktransport und Wiederaufbau. Die hier vorgesehene wissenschaftliche Methodik sei als modellhaft zu bewerten. Einen ebensolchen Modellcharakter habe die Einbeziehung der Ergebnisse in die praktische Restauratorenausbildung, die wiederum wichtig sei, um die Maßnahme in größerem Maßstab auf dem Jüdischen Friedhof An der Strangriede fortsetzen zu können.