Hannover/München. Wird eine Ausweitung des Anbaus nachwachsender Rohstoffe wie Stärkekartoffel, Raps und Pappel doch zu einer Belastung der Atmosphäre und somit zu einer Gefährdung des Klimas führen? Wird die durch den Anbau anvisierte Verringerung der Kohlendioxid-Emmissionen durch eine unerwünschte Freisetzung von Lachgas und Methan vielmehr sogar zunichte gemacht? - Antworten auf diese Fragen sollen Untersuchungen geben, die in den nächsten drei Jahren von der Universität Göttingen und dem GSF-Forschungszentrum München über umfangreiche Feldversuche in Göttingen und München betrieben werden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) stellt dafür nach einem Beschluß des Kuratoriums unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Dr. Hans Tietmeyer jetzt knapp 960.000 Mark zur Verfügung. Generalsekretär Fritz Brickwedde: "Diese Untersuchungen können einen wichtigen Beitrag für eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Wirtschaft zur Produktion nachwachsender Rohstoffe in der Land- und Forstwirtschaft leisten und für eine richtige Weichenstellung im Bereich Umwelt und Klima sorgen."
Forschungsansatz ist die These, daß beim Anbau nachwachsender Rohstoffe das Klima durch Freisetzen schädlicher Spurengase beeinträchtigt werden kann, heißt es in einer Pressemitteilung der größten Umweltstiftung Europas weiter. Es solle daher untersucht werden, wieviel im Boden an Lachgas freigesetzt und an Methan fixiert werde. Wenn genügend Daten aus Feldversuchen vorlägen, solle ferner erforscht werden, inwieweit sich durch eine Senkung der Produktionsintensität auch die Spurengasfreisetzung verändern lasse. Außerdem seien die Feldversuche so angelegt, daß sie am Ende Auskunft darüber geben sollten, wie die Produktionsverfahren gestaltet werden müßten, damit die Schadgasfreisetzung minimiert werde. Brickwedde: "Dann werden wir wissen, ob durch den Anbau nachwachsender Rohstoffe unter dem Strich eine Umweltentlastung eintritt oder nicht."
Die Versuche würden beim Anbau von Kartoffeln zur Stärkeerzeugung, schnellwachsender Pappeln zur Energieerzeugung und Rohstoffgewinnung sowie von Raps auf Flächen in Niedersachsen und Bayern durchgeführt. Lachgasfreisetzung und Methanumsatz würden nach einem einheitlichen Verfahren gemessen, das auf einem gemeinsam erarbeiteten Meßprogramm fuße und Vergleichbarkeit der Ergebnisse gewährleiste.
Nur durch detaillierte Untersuchungen könne Klarheit geschaffen werden mit Blick auf die zentrale Frage nach einer echten Ökobilanz beim Anbau nachwachsender Rohstoffe. Brickwedde: "Dieses Thema ist in den letzten Jahren zu kurz gekommen. In jedem Fall werden die Untersuchungen zum Verbrauch und zur Freisetzung von Lachgas beziehungsweise Methan bei verschiedenen nachwachsenden Rohstoffen die Basis für eine Optimierung des Anbauverfahrens schaffen."