Hannover. Bei Kunsteisbahnen ist es schon lange üblich: Wenn Katharina Witt ihre Runden dreht, läuft sie auf Eis, das mit Hilfe von Ammoniak gekühlt worden ist. Eine umweltfreundliche Alternative zu den "Ozonkillern" Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW) und Fluorkohlenwasserstoff (FKW) allemal. Aber selbst im Vergleich zu den natürlichen Kohlenwasserstoffen Propan und Butan eine Wertungsnote vorn, weil die Gefahren hinsichtlich der Brennbarkeit des Stoffes geringer sind. Nun aber auch kleine und mittlere Kälteanlagenbauer für dieses Mittel zu erwärmen, ist Sinn einer Untersuchung des Instituts für Kältetechnik und angewandte Wärmetechnik der Universität Hannover. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) fördert dieses Anliegen mit knapp 200.000 Mark. Ziel: Es soll erstens ein Ammoniak-Kältekreislauf entwickelt werden, der keine kritischen Stoffe oder Bauteile in Kontakt mit dem Kältemittel kommen läßt. Und zweitens sollen Baugruppen und Verbindungstechnologien so entwickelt werden, daß sie mit bekannten, herkömmlichen Mitteln und Methoden verarbeitet und montiert werden können.
Genau hier liege das Problem, heißt es in einer Pressemitteilung der größten Umweltstiftung Europas weiter. Durch den Ammoniakeinsatz als Kältemittel werde die Auswahl möglicher Werkstoffe für die Kältemittelanlagen deutlich eingeschränkt. Da bleibe selbst Stahl nicht stabil. Und schon die geringste Menge Wasser im Ammoniak reiche aus, um die in der Kältetechnik vorwiegend eingesetzten Werkstoffe - allen voran Kupfer - zu zerstören.
Der umweltrelevante Vorteil des Kältemittels Ammoniak bestehe darin, daß es anders als die bislang üblichen weder zum Abbau der atmosphärischen Ozonschicht, noch zur globalen Erwärmung der Erdatmosphäre beitrage. Zur Erzeugung von Kälte benötige es nur einen geringen Energieaufwand. Mit diesem Plus gehe es nun eben darum, unter Berücksichtigung der speziellen Probleme des Ammoniaks einen hermetischen Kältekompressor zu entwickeln und auf der Basis von Aluminium die Verbindungstechnologie zu schaffen, die der branchenüblichen Verarbeitung von Kupfer weitestgehend entspreche. So sollten in den meist kleinen und mittelständischen Heizungs- und Kältetechnik-Betrieben Hemmnisse vermieden beziehungsweise abgebaut werden.
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert nach den Worten ihres Generalsekretärs Fritz Brickwedde die Kreativität kleiner und mittlerer Unternehmen bei der praktischen Lösung von Umweltproblemen und gibt Anreiz für ökologische Innovationen in diesen Betrieben. Brickwedde: "Die Umweltstiftung setzt durch die Förderung umwelt- und gesundheitsfreundlicher Produktionsverfahren auf einen vorbeugenden und integrierten Umweltschutz.
Sie mindert das Einstiegsrisiko für Unternehmen in umweltschonendere Produktionstechniken und fördert, was die Umwelt direkt und praktisch schützt." Gleichzeitig unterstütze sie Kooperationsprojekte in der Anwendung von Umwelttechnik und den Austausch von Wissen über die Umwelt zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und anderen öffentlichen oder privaten Stellen. Modellhaft werden auch, so Brickwedde, national wertvolle Kulturgüter im Hinblick auf schädliche Umwelteinflüsse bewahrt und gesichert. Seit Gründung der Stiftung 1990 wurden insgesamt über 950 Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 550 Millionen Mark gefördert.