06.09.1994 | Ölverseuchte Böden schneller, genauer, billiger und umweltschonender analysieren

Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) fördert Foschungsprojekte in Leipzig, Braunschweig und Hamburg mit insgesamt 640.000 Mark

Leipzig. Angesichts der immensen Altlasten in den neuen Bundesländern will die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) dazu beitragen, die bislang umständliche, teilweise sehr ungenaue und darüber hinaus umweltbelastende Analytik im Zusammenhang mit Mineralölkontaminationen von Böden zu verbessern und neue Methoden zu erarbeiten und praxisreif auszutesten, die zu einer deutlichen Umweltentlastung führen. Das Kuratorium beschloß unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Dr. Hans Tietmeyer, für die Verbesserung von Verfahren zur umweltverträglichen Analytik von Mineralölkohlenwasserstoffen im Boden insgesamt rund 640.000 Mark zur Verfügung zu stellen. Neben der Technischen Universität Carolo-Wilhelmina (Braunschweig) und der Firma Mobilab Umweltanalytik (Hamburg) wird auch das Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle in Leipzig mit knapp 190.000 Mark für die praxisreife Entwicklung einer der Laboranalytik ebenbürtigen Feldanalytik bedacht. Sie soll auf umfangreiche, chemische Probenaufbereitung verzichten können, dafür aber schneller, kostengünstiger und empfindlicher sein.

Ziel des Leipziger Projektes sei es unter anderem zu prüfen, wie bei der Bodenentnahme zugunsten umweltfreundlicher Stoffe auf den Einsatz von FCKW-haltigen Substanzen verzichtet werden kann und das so gefundene neue Verfahren auch mobil, das heißt unter Feldbedingungen, angewendet werden kann. Brickwedde: "Mineralölkontaminationen des Bodens gehören mengen- und flächenmäßig zu den häufigsten in Deutschland. Deshalb sind als Ersatz für den ozonschädigenden Stoff Methoden gefragt, die eine verbesserte quantitative, vor allem aber qualitative Bestimmung der Mineralölkohlenwasserstoffe vor Ort ermöglichen."

Die Probleme im Zusammenhang mit der Vor-Ort-Analytik mineralölkontaminierter Böden sei in der täglichen Arbeit der Umweltlabors bekannt, heißt es in einer Pressemitteilung der größten Umweltstiftung Europas weiter. Umständlich seien die bisherigen Methoden, weil die zu analysierenden Bodenproben genommen, transportiert, gelagert, aufbereitet, gereinigt und erst dann analysiert würden. Teilweise ungenau seien sie, weil die Bestimmungsmethode nicht für den Boden erarbeitet, sondern aus dem Bereich des Wassers entlehnt und angepaßt worden sei.

Und umweltbelastend seien sie schließlich, weil die vorgeschriebene Meßmethode ein Lösemittel zwingend vorschreibe, in dem sich der "Ozonkiller" Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW) befinde. Generalsekretär Fritz Brickwedde: "Gründe genug also, eine dreifache Verbesserung der analytischen Methode mit deutlicher Umweltentlastung zu erarbeiten und praxisreif auszutesten."

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert nach den Worten ihres Generalsekretärs die Kreativität kleiner und mittlerer Unternehmen bei der praktischen Lösung von Umweltproblemen und gibt Anreiz für ökologische Innovationen in diesen Betrieben. Brickwedde: "Die Umweltstiftung setzt durch die Förderung umwelt- und gesundheitsfreundlicher Produkte und Produktionsverfahren auf einen vorbeugenden und integrierten Umweltschutz. Sie mindert das Einstiegsrisiko für Unternehmen in umweltschonendere Produktionstechniken und fördert, was die Umwelt direkt und praktisch schützt." Gleichzeitig unterstütze sie Kooperationsprojekte in der Anwendung von Umwelttechnik und den Austausch von Wissen über die Umwelt zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und anderen öffentlichen oder privaten Stellen. Modellhaft werden auch, so Brickwedde, national wertvolle Kulturgüter im Hinblick auf schädliche Umwelteinflüsse bewahrt und gesichert. Seit Gründung der Stiftung 1990 wurden rund 1.000 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 600 Millionen Mark gefördert.