25.08.1994 | Bauern und Beratern im Dschungel der Theorie für praktischen Gewässerschutz Orientierung bewahren

Deutsche Bundesstiftung Umwelt unterstützt Verband für Wasserwirtschaft und Kulturbau bei Handbuchherausgabe mit 340.000 Mark

Bonn. Verwaltungen, Fachberater und Landwirte können sich darauf einstellen, in ihrem Bemühen um einen möglichst flächendeckenden Gewässerschutz bald ein griffiges Instrument an die Hand zu bekommen - und nicht im Dschungel sehr umfangreicher Erkenntnisse über naturwissenschaftliche Zusammenhänge der Belastungen von Gewässern bei der praktischen Umsetzung die Orientierung zu verlieren. Das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt beschloß in Bonn unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Dr. Hans Tietmeyer, mit einem Finanzvolumen von knapp 340.000 Mark den Deutschen Verband für Wasserwirtschaft und Kulturbau (DVWK) in Bonn bei der Herausgabe eines entsprechenden Handbuches zu unterstützen. Ein Novum, wie Fritz Brickwedde erläuterte. Der Generalsekretär der größten Umweltstiftung Europas: "Eine Zusammenstellung und Wertung wissenschaftlicher Erkenntnisse und möglicher Verfahrensweisen zur Umsetzung in der landwirtschaftlichen Praxis, die einer Verbesserung des Gewässerschutzes dient, gibt es in Deutschland bisher nicht."

Brickwedde erinnerte daran, daß im März 1993 zum Thema "Belastungen der Oberflächengewässer aus der Landwirtschaft - gemeinsame Lösungsansätze zum Gewässerschutz" eine wissenschaftliche Arbeitstagung stattgefunden habe, bei der eine Bestandsaufnahme der Gewässerbelastung aus wasserwirtschaftlicher und landwirtschaftlicher Sicht vorgenommen worden sei. Auch die Darstellung und Bewertung der Auswirkungen möglicher Maßnahmen zur Verminderung der Belastungen habe dazu gehört. Als Ergebnis seien in einem Informationspapier Thesen, Forderungen und Lösungsansätze formuliert worden, die zu einer Verringerung stofflicher Einträge aus der Landwirtschaft führen sollten.

Ziel des neuen Handbuches sei es nun, alle relevanten und praktikablen Schutzmaßnahmen für einen wirksamen, flächendeckenden Gewässerschutz zusammenzufassen. So würden beispielsweise bekannte Schutzmaßnahmen kritisch überprüft und bewertet, für Wasserschutzgebiete entwickelte Maßnahmen auf ihre Übertragbarkeit für den großflächigen Gewässerschutz überprüft. Auch Schutzprogramme einzelner Länder sollten mit dem Ziel einer Optimierung zusammengefaßt werden. Die Probleme lägen nämlich nicht im Mangel an naturwissenschaftlich-theoretischen Erkenntnissen über die Zusammenhänge der Gewässerbelastungen.

Die Defizite lägen in der praktischen Umsetzung der sehr umfangreichen Theorie. Das Handbuch werde einen Überblick über problemorientierte Lösungsmöglichkeiten der Nährstoff- und Pestizidbelastung der Gewässer liefern und durch die Entwicklung geeigneter Strategien und Handlungsanweisungen zeigen, wie Schutzmaßnahmen in die Praxis umgesetzt werden könnten. Trotz Düngemittelgesetz und Düngeverordnung würden, so Brickwedde, auch "zukünftig erhebliche Nährstoffbelastungen aus der Landwirtschaft zu beobachten sein, deren Potential auch bei rückläufigen landwirtschaftlichen Emissionen weiterhin die duldbare Belastbarkeit der Umwelt überschreitet". Daraus werde die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen deutlich, wozu eine Verbesserung der Informationsmöglichkeiten der Landwirte und Beratungsdienste zähle. Jetzt würden alle effizienten und praktikablen Schutzmaßnahmen zusammengestellt, die außer der Düngung auch Bodenbearbeitung, Pflanzenbau und -schutz sowie Tierhaltung und Fütterung beinhalteten.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert nach den Worten ihres Generalsekretärs die Kreativität kleiner und mittlerer Unternehmen bei der praktischen Lösung von Umweltproblemen und gibt Anreiz für ökologische Innovationen in diesen Betrieben. Brickwedde: "Die Umweltstiftung setzt durch die Förderung umwelt- und gesundheitsfreundlicher Produktionsverfahren auf einen vorbeugenden und integrierten Umweltschutz. Sie mindert das Einstiegsrisiko für Unternehmen in umweltschonendere Produktionstechniken und fördert, was die Umwelt direkt und praktisch schützt." Gleichzeitig unterstütze sie Kooperationsprojekte in der Anwendung von Umwelttechnik und den Austausch von Wissen über die Umwelt zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und anderen öffentlichen oder privaten Stellen. Modellhaft werden auch, so Brickwedde, national wertvolle Kulturgüter im Hinblick auf schädliche Umwelteinflüsse bewahrt und gesichert. Seit Gründung der Stiftung 1990 wurden insgesamt über 950 Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 550 Millionen Mark gefördert.