25.08.1994 | Mit Minichip bald "auf Sender gehen": Fischen das Treppensteigen erleichtern

Automatische Funktionsüberprüfung per Transpondertechnik soll Hindernisse passierbar machen - Deutsche Bundesstiftung Umwelt hilft

Bonn. Ein zehn Millimeter langer, Fischen unter die Haut eingepflanzter elektronischer Baustein soll in einem in Deutschland bisher einmaligen Versuch zeigen, ob und wie Fische sogenannte Fischtreppen an Wasserwerken oder ähnlichen Hindernissen benutzen und damit wichtige Informationen zur Durchgängigkeit der Fließgewässer für Fische liefern. Das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Dr. Hans Tietmeyer beschloß in Bonn, dem Deutschen Verband für Wasserwirtschaft und Kulturbau (DVWK) in Bonn für dieses Projekt knapp 450.000 Mark zur Verfügung zu stellen. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der größten Umweltstiftung Europas: "Der optimalen Gestaltung solcher Fischtreppen kommt sowohl aus ökologischer als auch ökonomischer Sicht hohe Bedeutung zu. Viele der bisher konstruierten Hilfen sind nicht funktionsfähig. Hier ist jetzt ein erfolgversprechender neuer Ansatz gefunden, neue Standards zu schaffen."

Ziel des Projektes ist es, so Brickwedde, am Beispiel der Funktionsüberprüfung von Fischwegen den Einsatz eines elektronischen Markierungssystems zu entwickeln. Dazu werde der Transponder, eine nachrichtentechnische Minianlage, die Funksignale aufnimmt, verstärkt und wieder abstrahlt, den Fischen unter die Haut injiziert. Er enthalte einen numerischen Code, der von einem Meßgerät gespeichert werde, sobald der Fisch das Antennensystem passiere. Entwickelt sei dieses System zwar für die Überwachung von Viehherden, eigne sich jedoch prinzipiell auch für den nun geplanten Einsatz wie Versuche zeigten. Allerdings müsse das System den spezifischen Anforderungen in Fließgewässern angepaßt werden.

Erstmals sei so eine automatische Funktionsüberprüfung von Fischtreppen unter Freilandbedingungen zu verwirklichen. Das sei besonders wichtig, weil die in der Vergangenheit konstruierten Fischtreppen vielfach nicht funktionsfähig und verläßliche Informationen über wasserbautechnische und biologische Anforderungen nicht verfügbar seien. Es gelte, erhebliche methodische Probleme bei entsprechenden Untersuchungen zu überwinden. Insofern liege, so Brickwedde, "ein immenser Handlungsbedarf in der Entwicklung verläßlicher Methoden zur Überprüfung von Fischwegen vor".

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert nach den Worten ihres Generalsekretärs Fritz Brickwedde die Kreativität kleiner und mittlerer Unternehmen bei der praktischen Lösung von Umweltproblemen und gibt Anreiz für ökologische Innovationen in diesen Betrieben. Brickwedde: "Die Umweltstiftung setzt durch die Förderung umwelt- und gesundheitsfreundlicher Produktionsverfahren auf einen vorbeugenden und integrierten Umweltschutz. Sie mindert das Einstiegsrisiko für Unternehmen in umweltschonendere Produktionstechniken und fördert, was die Umwelt direkt und praktisch schützt." Gleichzeitig unterstütze sie Kooperationsprojekte in der Anwendung von Umwelttechnik und den Austausch von Wissen über die Umwelt zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und anderen öffentlichen oder privaten Stellen. Modellhaft werden auch, so Brickwedde, national wertvolle Kulturgüter im Hinblick auf schädliche Umwelteinflüsse bewahrt und gesichert. Seit Gründung der Stiftung 1990 wurden insgesamt über 950 Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 550 Millionen Mark gefördert.