19.08.1994 | Museum als attraktiver Erlebnisraum: Ausstellung "Stadtökologie" wirbt für neues Naturverständnis

Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert Projekt im Museum am Schölerberg in Osnabrück - Europaweit einmalig

Osnabrück. "Das Ziel von Stadt, Museum und Stiftung ist es, die Wahrnehmung speziell auch junger Betrachter für Natur in der Stadt zu schärfen. Wir wollen sie auffordern, das eigene Naturverständnis zu hinterfragen und das Bewußtsein für konkret notwendige Verhaltensänderungen zu schaffen. Über ökologisches Lernen im Museum soll damit ein Beitrag zur Umweltpädagogik auf der Grundlage eines Wandels im Naturverständnis geleistet werden." - Mit diesen Worten begründete am heutigen Freitag vor Medienvertretern Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück, das Engagement der Stiftung für die Entwicklung und Umsetzung einer Dauerausstellung zum Thema Stadtökologie im Museum am Schölerberg. Mit knapp 170.000 Mark fördert die größte Umweltstiftung Europas die Ausstellung, die ab Herbst '95 in Osnabrück zu sehen sein wird. Brickwedde: "Europaweit existiert derzeit keine derartige Dauerausstellung in einem naturkundlichen Museum."

Drei Themenkomplexe umfasse die Konzeption zur geplanten Dauerausstellung, erläuterte Brickwedde gemeinsam mit Stadt-Kultusdezernent Reinhard Sliwka und Dr. Dietmar Grote vom Museum am Schölerberg weiter: Stadtökologie am Beispiel von Osnabrück, Fließgewässer - Ökologie am Beispiel der Hase und Umsetzung eines schulpädagogischen Teichprojektes. Das Thema Stadtökologie solle am regionalen Beispiel von Osnabrück bearbeitet werden. Der Besucher solle auf einem Rundweg durch eine nachgebaute Stadtkulisse über verschiedene Etappen vom Stadtrandbereich bis in die Innenstadt und wieder hinaus ins Umland geleitet werden. Hierbei sollen, so Brickwedde, insbesondere die grundlegenden Unterschiede der Stadt als urban-industrielles Ökosystem gegenüber der Kulturlandschaft als Agrarökosystem herausgearbeitet werden. Die verschiedenen Stadtbiotope würden unter zoologischen und botanischen Gesichtspunkten behandelt und in Beziehung zur Stadtkultur gesetzt.

Ein weiterer Schwerpunkt werde die Darstellung von Umweltproblemen anhand von geschichtlichen und sozialgeschichtlichen Aspekten des Lebens in der Stadt sein. Um diesem breiten Spannungsbogen von der biologisch-orientierten Ökosystemforschung bis hin zur Humanökologie gerecht zu werden, sei eine intensive Zusammenarbeit mit Natur- und Umweltschutzverbänden, Einrichtungen der Erwachsenenbildung sowie der Universität Osnabrück vorgesehen. Der museumseigene Biogarten solle im übrigen in den stadtökologischen Rundweg eingebunden werden.

In einem zweiten Ausstellungsbereich sollten die ökologisch wichtigsten Abschnitte der Hase - Quellbereich, Stadt Osnabrück, Binnendelta im Artland - modellhaft vorgestellt sowie der regionale Wasserkreislauf anhand eines Fließwasseraquariums dokumentiert werden. Hierbei würden Informationen zur Struktur und Funktion von Gewässern in der Landschaft sowohl im Einflußbereich ländlicher Siedlungen und Nutzungen als auch im urban-industriellen Komplex der Großstadt thematisiert.

Die Dauerausstellung solle, so Brickwedde weiter, durch pädagogische Materialien weitere Sonderausstellungen und umweltpädagogische Einzelaktion ergänzen. In diesem Zusammenhang solle in einem dritten Schritt modellhaft ein schulpädagogisches Teichprojekt mit der Angelaschule in Osnabrück durchgeführt werden, das aufzeigen solle, wie auf der Grundlage der Dauerausstellung thematische Einzelaspekte mit Hilfe pädagogischer Betreuung im Museum in die Praxis umgesetzt werden können. Zielsetzung sei es dabei, die Ausstellung sowie das Gesamtmuseum mittelfristig zu einer "umweltpädagogischen Werkstatt" auszubauen.

Brickwedde: "Mit der Konzeption und Umsetzung der Ausstellung betritt das Natur- und Umweltmuseum in Osnabrück inhaltlich wie methodisch-didaktisch Neuland. Insbesondere die Erarbeitung ausstellungsbegleitender Arbeitsbögen für Schulklassen, die Vorbereitung eines Spiels 'Ökosystem Stadt' sowie die Mithilfe bei der unterrichtlichen Umsetzung von Stadtökologieprojekten prägen dieses Projekt. Über die Vermittlung spezieller Sachinformationen hinaus finden sich spielerische Elemente für Kinder und Jugendliche in der Ausstellung wieder, die den Besuch des Museums zu einem attraktiven Erlebnis werden lassen."