08.11.1999 | Pilotprojekt: Krankenhaus heizt mit ungenutzter Industrie-Abwärme

Niedersächsisches Landeskrankenhaus Osnabrück und Firma KM Europa Metal AG auf neuen Wegen - Bundesstiftung Umwelt fördert

Osnabrück. Ungenutzte Abwärme aus der Industrie soll in Osnabrück bald ein Viertel des Wärmebedarfs eines Krankenhauses decken. Jährlich eingespart werden sollen rund 2,8 Millionen Kilowattstunden Primärenergie; der Kohlendioxidausstoß soll um rund 570 Tonnen verringert werden. Mit 440.000 Mark fördert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, das Demonstrationsvorhaben, in dem zwischen der Firma KM Europa Metal AG und dem Niedersächsischen Landeskrankenhaus ein betriebsübergreifender Wärmeverbund entstehen soll. Generalsekretär Fritz Brickwedde: "Die genutzte Abwärme entspricht dem Bedarf von 100 Einfamilienhäusern. Für eine vergleichbare Kohlendioxidminderung müssten für 13,5 Millionen Mark ca. 9.000 Quadratmeter Photovoltaikfläche errichtet werden - ein echter Beitrag zur Minderung von Umweltbelastungen, zum Klimaschutz und zur Schonung von Rohstoffen."

Vor Journalisten in Osnabrück gingen heute die am Projekt beteiligten Partner, zu denen als Koordinator und Planer auch das Staatshochbauamt Osnabrück zählt, auf Einzelheiten des Projektes ein. Stiftungsgeneralsekretär Brickwedde stellte dabei heraus, dass die verstärkte Nutzung industrieller Abwärme einen erheblichen Beitrag zum Schutz der Umwelt leisten könne. Allerdings gebe es noch immer ein Missverhältnis zwischen dem nutzbaren Potenzial und der tatsächlichen Ausschöpfung.

Zurückzuführen sei das darauf, dass gerade in kleinen und mittleren Unternehmen Fachleute fehlten, die sich mit energiewirtschaftlichen Fragen befassten. Außerdem sei für Industrieunternehmen die Abwärmenutzung keine unternehmerische Zielsetzung. Und finanzieller Gewinn lasse sich durch die Abgabe von Wärme an Dritte ebenfalls nicht nennenswert erzielen.

In dem Osnabrücker Demonstrationsprojekt solle, so Leitender Baudirektor Richard Wilhelm Bitter vom Staatshochbauamt, dem Abgasstrom eines Kupferschmelzofens der Firma KME eine Abwärmeleistung von 510 Kilowatt entzogen, über eine Nahwärmeleistung zum Landeskrankenhaus (LKH) transportiert und dort in das Versorgungsnetz eingekoppelt werden. Eine technische Herausforderung sei die mit 1.300 Grad hohe Temperatur der Abgase und ihre Staubbelastung. Hier solle das Vorhaben neue technische Lösungswege aufzeigen.

Die Abwärme stehe dem LKH an fünf Wochentagen 48 Wochen pro Jahr zur Verfügung. Da sich Unterbrechungen aus den arbeitsfreien Wochenenden und der jährlich erforderlichen Zeit zur Überprüfung und Instandhaltung des Kupferschmelzofens ergäben, die Wärmeversorgung des LKH aber jederzeit gewährleistet sein müsse, könnten vorhandene Wärmeerzeuger nicht ersetzt, wohl aber Primärenergie gespart werden.

Für das LKH betonte Verwaltungsdirektor Günter Laaken, dass sein Haus die Kosten des Vorhabens vollständig trage. Der Abwärmeliefervertrag mit KME sehe vor, dass die Abwärme kostenlos zur Verfügung gestellt werde. Das LKH übernehme auch die Kosten für den Betrieb, die Wartung und die Instandsetzung. KME, berichtete Klaus Pieper, Leiter Ver- und Entsorgung, stelle die zur Errichtung und Montage der Anlage erforderlichen Grundstücke umsonst zur Verfügung, übernehme allerdings keine Garantie für die Menge der Abwärme oder die Lieferdauer.

Durch diese Kooperation könne, so Generalsekretär Fritz Brickwedde, beispielhaft demonstriert werden, dass ein vertraglicher Rahmen für die Abwärmelieferung gefunden werden könne, der den Interessen aller Partner gerecht werde. Am Ende solle das Vorhaben zeigen, dass auch die industrielle Abwärmenutzung im kleinen Leistungsbereich machbar sei und einen erheblichen Beitrag zum Umweltschutz leisten könne. Brickwedde bezeichnete das Verhalten der Firma KM Europa Metal als "vorbildlich" und riefe andere Unternehmen auf, diesem positiven Beispiel zu folgen.