Dresden / Osnabrück. In den fünf ostdeutschen Bundesländern und Berlin wird es vom kommenden Jahr an insgesamt 120 junge Menschen geben, die ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr unter neuen, inhaltlich erweiterten Aspekten ableisten werden. Nicht mehr isoliert die Umwelt soll für sie im Blickpunkt ihres Engagements stehen, sie sollen auch verstärkt mit ökonomischen und sozialen Fragestellungen konfrontiert und damit zu echten "Botschaftern der Agenda 21" werden, die nach der Umwelt-Konferenz von Rio 1992 eine solche "nachhaltige Entwicklung" fordert. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) stellt der Zentralstelle für Freiwillige soziale Dienste im Jugendaufbauwerk Berlin jetzt erneut knapp 1,8 Millionen Mark zur Verfügung, um in Pilotprojekten Erfahrungen zu sammeln, die dann in die weitere Entwicklung des Freiwilligen Ökologischen Jahres einmünden sollen. Das gab der Generalsekretär der Stiftung, Fritz Brickwedde, heute in Dresden bekannt.
Das neue Projekt stelle das FÖJ in ein breiteres gesellschaftliches Umfeld und entwickele es weiter. Das FÖJ solle zehn ausländische Jugendliche in Berlin für kreative und produktive Handarbeit in umweltrelevanten Einrichtungen qualifizieren, 25 Teilnehmer in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen sensibilisieren, sich systematisch mit Themenstellungen wie der ökologischen Produktion von Gütern und Leistungen, der Verringerung des Einsatzes von Energie, der Kreislaufwirtschaft und einer stärkeren Eigenverantwortlichkeit im Umgang mit knappen Rohstoffen auseinanderzusetzen.
Für 20 Teilnehmer in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen sollten im Rahmen eines grenzüberschreitenden Austauschs die wirtschaftliche, politische und kulturelle Annäherung von Jugendlichen aus verschiedenen Ländern konkret im Blickpunkt stehen. Dabei solle es um Fragen alternativer Verkehrssysteme, des Flächenverbrauchs von Betrieben und Verkehr oder des Tourismus gehen.
45 Jugendliche in Berlin, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen sollten in kleinen und mittelständischen Betrieben mit Instrumenten des Umweltschutzes im Betrieb wie Abfallvermeidung oder Energieeinsparung vertraut gemacht werden und am Ende ihrer Tätigkeit eine Ökobilanz erstellen. 20 Plätze in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt sollten FÖJ-Bewerbern für ihren berufs- bzw. studienvorbereitenden Einsatz vorbehalten bleiben. In National- oder Naturparks, Museen oder Umweltbildungsstätten solle ihnen die Gesamtvernetzung von Umwelt und Kultur nähergebracht und zu einem eigenverantwortlichen Mitwirken angeregt werden. Brickwedde: "Der Grundgedanke, diese elementaren Aspekte mit dem Ansatz des FÖJ zu verknüpfen und es zu einem Freiwilligen Nachhaltigen Jahr auszuweiten, ist außerordentlich positiv. Er eröffnet dem FÖJ neue Perspektiven und wird dazu beitragen, dessen Attraktivität noch weiter zu steigern."
Brickwedde verwies darauf, daß die größte Umweltstiftung Europas für die Förderung des FÖJ in den ostdeutschen Bundesländern und Berlin bisher 8,6 Millionen Mark investiert habe. Für die sechs Länder waren 600 Plätze (20 je Land über fünf Jahre) gefördert worden. Auflage war, daß jedes Land spätestens nach zwei Jahren ebenfalls 20 Plätze selbst oder durch Dritte finanziert. Insgesamt seien so allein in Sachsen 835 FÖJ-Plätze entstanden.
Die Durchführung des Vorhabens insgesamt sei als "außerordentlich erfolgreich" einzustufen, so Brickwedde. Hätten 1991 bundesweit nur drei Träger in zwei Bundesländern zur Verfügung gestanden, so habe sich diese Zahl auf 33 Träger in allen Bundesländern erhöht. Eine Tendenz, die sich auch am Freistaat Sachsen festmachen lasse, in dem die Zahl der Träger von acht (1993) auf elf (1998) angestiegen sei. Und wenn die zur Verfügung stehenden Plätze in Sachsen 1993/1994 nur zu 78 Prozent ausgelastet gewesen seien, werde heute mit 94 Prozent nahezu jeder Platz vergeben. Brickwedde: "Mit dem steigenden Bekanntheitsgrad und der wachsenden gesellschaftlichen Anerkennung des
FÖJ haben sich die Nachfragen und Bewerbungszahlen wesentlich erhöht." Mit dem Programm werde auch ein Beitrag zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit sowie zur Berufsorientierung geleistet.