14.10.1999 | Umweltstiftung: Über 130 Millionen Mark flossen bisher nach Thüringen

Über 200 Projekte bewilligt - Beispiele aus der Förderarbeit präsentiert - Appell zu weiterem Umwelt-Engagement

Volkenroda / Osnabrück. Thüringen steht in der Förderstatistik der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, gut dar. Seit Aufnahme ihrer Fördertätigkeit im März 1991 flossen über 130 Millionen Mark in mehr als 200 Projekte der Umwelttechnik, -forschung und -kommunikation nach Thüringen. Diese Zahlen nannte jetzt Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Umweltstiftung, bei der Vorstellung eines neuen Umweltkommunikationsprojektes im Kloster Volkenroda, das die Stiftung mit über drei Millionen Mark fördert. Im dortigen Europäischen Jugendbildungszentrum sollen Kinder, Jugendliche und Erwachsene an verschiedenen Orten des historischen Dorfes und Klosters Volkenroda durch praktisches Lernen Natur und Umwelt erleben und verstehen.

Als Beispiel für neue Förderprojekte der Stiftung in Thüringen nannte Brickwedde vor Journalisten in Volkenroda ein gemeinsames Projekt der Materialforschungs- und prüfanstalt an der Bauhaus-Universität in Weimar und der Firma Wasser- und Abwassertechnik Rastenberg. In ihm geht es um die Reinigung schwach belasteter Sickerwässer von Hausmülldeponien. Mit finanzieller Unterstützung der Stiftung von knapp 500.000 Mark soll bewiesen werden, dass diese Sickerwässer über eine Kombination aus Kompostbehältern und bewachsenen Bodenfiltern gereinigt werden können, ohne den mit hohen Kosten einhergehenden enormen technischen Aufwand betreiben zu müssen. Auf der Deponie Großlöbichau werde zur Zeit eine entsprechende Pilotanlage getestet.

Des weiteren unterstützt die Stiftung die Erprobung eines innovativen Konzeptes zur Reduzierung von Abwasserbelastungen der Leinefelder Textilwerke GmbH mit 550.000 Mark. Bestandteile des Konzeptes sind die Verminderung der Abwasserbelastung aus der Färberei durch ein biologisches Verfahren und die Aufbereitung von gering belasteten Spülwässern durch ein chemisch-oxidatives Verfahren. Dadurch soll die kommunale Kläranlage entlastet und der Frischwasserverbrauch vermindert werden. Die Rahmenbedingungen und die Abwasserzusammensetzung der Textilwerke Leinefelde seien typisch für mittelständische Textilveredelungsunternehmen und damit modellhaft für die gesamte Branche, so Brickwedde.

Mit 1,63 Millionen Mark fördert die Stiftung ein Modellprojekt des Thüringischen Instituts für Textil- und Kunststoff-Forschung in Rudolstadt mit Partnern aus Brandenburg und Niedersachsen. Mit ihm soll die Kulturpflanze Nessel in Deutschland bald neue Blüten treiben. Vom Anbau bis zum Herstellen von Kleidung sollen die einzelnen Produktionsphasen verbessert, soll dieser Naturstoff in Zukunft mehr und mehr zum "feinen Zwirn" verarbeitet werden - und das zu marktgerechten Bedingungen. Die Nesselfaser soll dabei so fein zerlegt werden, dass die aus ihr geschneiderte Kleidung ausgesprochen angenehm zu tragen ist - bisher der große Nachteil mancher Naturtextilien.

Unterstützt wird auch die Erziehungswissenschaftliche Fakultät der Pädagogischen Hochschule Erfurt mit knapp 190.000 Mark aus dem Stiftungs-Fördertopf. Sie will aktuell erarbeitete Grundkonzepte der Umweltbildung und -erziehung zeitnah in die Bildungspraxis vermitteln. Dazu sollen in einem zweistufigen Verfahren an der Hochschule erarbeitete Konzepte zunächst für die interne Weiterbildung der Mitarbeiter an der Landesanstalt für Umwelt in Jena genutzt werden. Nach einer Überarbeitung sollen die Inhalte dann in einem zweiten Schritt an Umwelt- und Landwirtschaftsverbände und-organisationen weitervermittelt werden, an Schulen und Kindergärten, aber auch an leitende Mitarbeiter in Unternehmen und Betrieben.

Beispiele wie diese zeigten, dass sich der Umweltschutz im Freistaat Thüringen zu einem wesentlichen Entwicklungsfaktor gemausert habe. Brickwedde appellierte daher vor allem an die Hauptklientel der Umweltstiftung, kleine und mittlere Unternehmen, sich mit innovativen Ideen an die Umweltstiftung zu wenden, um die erfolgreiche Entwicklung im Freistaat auch weiterhin engagiert voranzutreiben.