15.06.2000 | Vom Regen nicht mehr in die Traufe: Vorbeugender Hochwasserschutz durch Regenwasserbewirtschaftung

Umweltstiftung unterstützt Workshop in Saarlouis - Beratung von Gemeinden und Planungsbüros vor Ort

Saarlouis. "Die Entwicklung extremen Hochwassers beginnt auf jedem einzelnen Grundstück im Einzugsgebiet eines Bachs oder Flusses. Dort muss es im Sinn einer nachhaltigen zukunftsverträglichen Bewirtschaftung in erster Linie auch bekämpft werden." - Mit diesen Worten begrüßte heute Dr. Stefanie Heiden, Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück), in Saarlouis die Teilnehmer eines zweitägigen Workshops zum Thema "Vorbeugender Hochwasserschutz". Wissenschaftlern, Planern, Ingenieuren sowie behördlichen und kommunalen Entscheidungsträgern wird ein Überblick über den aktuellen Stand innovativer Hochwasserschutzmaßnahmen in Forschung und Praxis gegeben und so breit in die Praxis übertragen. Um die Umsetzung der Maßnahmen zu intensivieren und ein möglichst nachhaltiges Bewusstsein zu schaffen, soll Gemeinden und Planungsbüros in einer Nachbereitungsphase zusätzlich eine kostenlose Beratung vor Ort angeboten werden.

"Das Zeitalter der strikten Regenwasserableitung geht zu Ende!", so die bewusst provokante These Prof. Siekers, Universität Hannover und "Vater der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung". Der "Ableitungsmentalität" müsse eine "Bewirtschaftungsmentalität" folgen. Auf diese Weise werde ein möglichst großer Anteil des Niederschlags an Ort und Stelle unschädlich versickert, während der übrige Teil zumindest verzögert und gedämpft abgeleitet werde. Daraus ergäben sich positive Auswirkungen sowohl auf den natürlichen Wasserhaushalt als auch auf die Hochwasserverringerung.

Neue Wege der Regenwasserbewirtschaftung seien nicht nur in punkto Hochwasserschutz, sondern auch ökonomisch sehr interessant, führte Dr. Heiden aus: "Der einzelne Grundstückseigentümer kann Regenwassergebühren sparen, die Gemeinde spart beim Ausbau und der Sanierung des gesamten Entwässerungsnetzes." Notwendige Aufwendungen beider Seiten könnten unter Inanspruchnahme staatlicher Förderung, wie sie in mehreren Bundesländern angeboten werde, zumindest gedeckt werden.

Durch Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt wurden in den Gemeinden Weiskirchen, Bous, Beckingen und Rehlingen-Siersburg dezentrale Maßnahmen zur innovativen Hochwasserverringerung ermöglicht, die nunmehr sowohl weiteren saarländischen Gemeinden als auch interessierten Planungsbüros bekannt gemacht werden sollen, so Dr. Heiden. Der praktischen Überführung der erarbeiteten Forschungsergebnisse komme zusätzlich zugute, ergänzte Prof. Sieker als Initiator des Kooperationsvorhabens, dass es derzeit im Saarland ein besonderes Förderungsprogramm gebe, mit dem dezentrale Maßnahmen der Regenwasserbewirtschaftung unterstützt würden.

Bereits in der Vergangenheit habe die Deutsche Bundesstiftung Umwelt zahlreiche Vorhaben gefördert, die sich mit vorbeugendem Hochwasserschutz durch dezentrale Maßnahmen befassten. Dabei sei es stets ein besonderes Anliegen, konkrete Modellvorhaben im Sinne eines nachhaltigen Wassermanagements in die Praxis umzusetzen, betonte Dr. Heiden. Dass die Ergebnisse geförderter Forschungsvorhaben nicht im wissenschaftlichen Elfenbeinturm verblieben, sei durch das Hand-in-Hand-Gehen von Ökologie und Ökonomie, das die Umweltstiftung immer im Blick habe, gewährleistet.