Dresden. Sachsen nimmt in der Förderstatistik der Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) auch 1998 einen vorderen Platz ein, ist im Vergleich der ostdeutschen Bundesländer sogar absolute "Spitze". Mit den jüngsten Förderentscheidungen hat die größte Umweltstiftung Europas 1998 in Sachsen 52 Projekte mit einem Volumen von rund 18,2 Millionen Mark bewilligt. Damit floß seit Aufnahme der Fördertätigkeit der Stiftung 1991 rund 194 Millionen Mark in 382 Projekte im Freistaat. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Stiftung, informierte heute in Dresden Ministerpräsident Prof. Dr. Kurt Biedenkopf über neueste Projekte. Insgesamt landeten in den knapp 1.200 Projekten Ostdeutschlands aus Stiftungsmitteln bisher über 635 Millionen Mark.
Brickwedde zog vor Journalisten ein Fazit der Stiftungstätigkeit des Jahres 1998. Die Stiftung habe ein Stipendienprogramm aufgelegt, um Nachwuchswissenschaftler in der Umweltforschung bei Promotion oder Habilitation aktiv zu unterstützen. 46 Stipendien seien bisher nach Sachsen vergeben worden (16 TU Dresden, zehn TU Freiberg, 18 Universität Leipzig, zwei TU Chemnitz), 27 Arbeiten jetzt abgeschlossen. Mit Prof. Dr. Eckhard Worch sei der bundesweit erste Vertrauensdozent der Umweltstiftung an der TU Dresden eingesetzt worden.
Auch die Einrichtung von Stiftungsprofessuren an wissenschaftlichen Hochschulen in den neuen Bundesländern werde gefördert, so an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg (Umweltmikrobiologie). Hier sei zur fachlichen Erneuerung der Bergakademie das Interdisziplinäre Ökologische Zentrum (IÖZ) begründet worden mit dem Ziel, Ingenieure auszubilden, die auch die Folgen ihres Handelns für die Umwelt mitbedenken. Dazu seien biowissenschaftliche und wirtschaftswissenschaftliche Aspekte in das praxisorientierte Studium eingegliedert worden, was die neuen Studiengänge Geoökologie, Umwelt-Engineering und angewandte Naturwissenschaften modellhaft umsetzten.
Innerhalb des IÖZ sei die Stiftungsprofessur Umweltmikrobiologie angesiedelt. Sie soll die Lehr- und Forschungsgebiete, in denen mikrobiologische Abläufe unter dem Aspekt der Umweltvor- und -nachsorge eine Rolle spielen, verbinden und neue Impulse zur Entwicklung und Nutzung mikrobieller Verfahren zur Schadstoffvermeidung und -entfernung geben. Finanziert würden von der Stiftung mit 2,56 Millionen Mark der jetzt berufene Prof. Dr. Michael Schlömann sowie weitere dreieinhalb Mitarbeiter und Sachkosten für fünf Jahre, anschließend finanziere der Freistaat den Lehrstuhl.
Auch das Projekt zur umweltgerechten Berufsbildung in den neuen Bundesländern, mit dem Ausbilder, Lehrer und Auszubildenden praxis- und handlungsorientiert die Eingliederung des Umweltschutzes in eine Reihe handwerklicher und kaufmännischer Berufe lernen sollen, sei 1998 einen wichtigen Schritt vorangekommen. 95 Auszubildende aus der Region um Dresden seien in die Praxiserprobung von Umweltschutz-Handreichungen im Berufsfeld Lacklaborant einbezogen worden, für die die Technische Universität Dresden die didaktische Konzeption entwickelt habe. Insgesamt 450.000 Mark seien bisher dafür nach Sachsen geflossen.
Brickwedde wies darauf hin, daß sich das ostsächsische Ostritz in diesem Jahr endgültig zu einer energieökologischen Modellstadt entwickelt habe, nachdem das Biomasseheizkraftwerk mit Fernwärmenetz eingeweiht worden sei, das die Stadt auf der Basis von Holz und Rapsöl mit Strom und Wärme versorgt. Impulsgeber für die Entwicklung in Ostritz seien die Stadtverwaltung und das Internationale Begegnungszentrum St. Marienthal (IBZ) gleichermaßen.
Ostritz sei 1998 im Rahmen des "TAT-Orte"-Wettbewerbs, mit dem alljährlich vorbildliche ökologische Ideen und Taten kleinerer Gemeinden und Initiativen ausgezeichnet werden, Preisträger geworden. Bisher wurden hier aus Sachsen die Gemeinden Schwarzkollm (1995) und Mölbis (1996) sowie die Städte Grünhain und Oederan (1997) ausgezeichnet.