Osnabrück. Das Kuratorium derDeutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, hat in seiner letzten Sitzung aus 63 Vorschlägen sechs neue Stiftungslehrstühle zum integrierten Umweltschutz mit einer Fördersumme von bis zu 13,5 Millionen Mark bewilligt."In einer Zeit knapper öffentlicher Kassen gibt die Stiftung mit den neuen Stiftungsprofessuren einen wichtigen Anschub für innovative und zukunftsträchtige Fachgebiete des integrierten Umweltschutzes", erklärte der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Fritz Brickwedde, heute vor Journalisten. Gefördert werden Stiftungsprofessuren an der Universität Göttingen zum Thema "Molekulare Holzbiotechnologie", an der Technischen Universität Ilmenau ("Physikalische Chemie/Mikroreaktionstechnik"), an der Fachhochschule Nürtingen ("Umweltinformation und Umweltethik"), an der Universität Würzburg ("Molekulare Onkoimmunologie"), an der Universität Leipzig ("Umwelttechnik in der Wasserwirtschaft/Umweltmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen") sowie an der Universität Osnabrück das Thema "Stoffstrommanagement".
Neben der inhaltlichen Ausrichtung am Prinzip des integrierten d. h. vorsorgenden Umweltschutzes in einem innovativen Fachgebiet waren weitere Auswahlkriterien das erwartete Ausmaß an Umweltentlastungen, ein interdisziplinärer Ansatz in Forschung und Lehre, ein klarer Praxisbezug sowie Multiplikationswirkung in der Lehre. Die eingereichten Anträge waren von einem unabhängigen Gutachtergremium bewertet worden.
Die Entscheidungen im Einzelnen:
Stiftungsprofessur Molekulare Holzbiotechnologie, Georg-August-Universität Göttingen;
Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der in umweltverträglicher Weise nachhaltig produziert und genutzt werden kann. Obwohl die große potenzielle Bedeutung von Holz als umweltverträglicher Rohstoff erkannt ist, werden die Einsatzmöglichkeiten bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Durch die Stiftungsprofessur sollen Verfahren für die Verwertung von Holz erforscht und die Grundlagen für neue Produkte aus Holz entwickelt werden, die sich am Leitbild einer nachhaltigen multifunktionalen Waldbewirtschaftung orientieren.
Stiftungsprofessur Umweltinformation und Umweltethik, Fachhochschule Nürtingen;
Informationen sind im Gegensatz zu Daten immer wertbehaftet und haben dadurch auch eine ethische Funktion, insbesondere wenn die Informationen zur Handlung dienen sollen. Die Stiftungsprofessur soll die konkrete Verknüpfung und fachübergreifende Bearbeitung von Umweltinformationen und Umweltethik in den planenden und wirtschaftenden Disziplinen im Umweltbereich, wie z.B. in der Betriebswirtschaft oder der Landschaftsplanung leisten. Von der anwendungsorientierten Forschung werden neue Impulse für die Nachhaltigkeitsdebatte erwartet, insbesondere für die Ausgestaltung von Umweltinformationssystemen.
Stiftungsprofessur Physikalische Chemie/Mikroreaktionstechnik, Technische Universität Ilmenau;
In der weltweiten Technologieentwicklung gewinnen Mikrotechniken in den verschiedensten Anwendungsbereichen immer mehr an Bedeutung. Die Mikroreaktionstechnik stellt dabei eine neue Entwicklung dar. Sie ermöglicht chemische Reaktionen mit kleinsten Stoffmengen bei schnellem Stoff- und Energietransport unter exakt kontrollierten Reaktionsbedingungen. Durch Parallelschaltung vieler Mikroreaktoren sind erhebliche Durchsätze möglich, so dass die Mikroreaktionstechniken zunehmend auch für Produktionsverfahren interessant werden. Damit eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten für einen integrierten Umweltschutz bei chemischen Arbeiten. Aufgabe der Stiftungsprofessur wird es sein, Mikroreaktoren mit Volumina im Bereich von Nano- bis Mikrolitern für unterschiedliche Anwendungszwecke zu entwickeln und systematisch zu untersuchen. Langfristiges Ziel ist es, Chemikalien mit geringem Material- und Energieaufwand und ohne unerwünschte Abfallprodukte herzustellen.
Stiftungsprofessur Umwelttechnik in der Wasserwirtschaft, Umweltmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen, Universität Leipzig;
Die Erfahrungen bei der Neustrukturierung der Wasserversorgung und der Abwasserbeseitigung in den neuen Ländern haben erheblichen Forschungsbedarf aufgezeigt. Aufgabe der Stiftungsprofessur soll es sein, innovative technische Entwicklungen und betriebswirtschaftliche Fragestellungen der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung zu bearbeiten. Daneben geht es um die Einführung von Umweltmanagementsystemen in kleinen und mittleren Unternehmen der Wasserbranche.
Stiftungsprofessur Molekulare Onkoimmunologie, Universität Würzburg;
Klassische chemotherapeutische Verfahren bei der Bekämpfung von Krebs sind mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden. Die Professur soll sich mit der Entwicklung umweltentlastender biotechnologisch erzeugter Mittel befassen, die körpereigene Antikörper zur Tumorbehandlung und zur Bekämpfung von Infektionen aktivieren. Darüber hinaus sollen in der Lehre die Prinzipien eines integierten Umweltschutzes im medizinischen Bereich vertreten werden.
Stiftungsprofessur Stoffstrommanagement, Universität Osnabrück;
Die Betrachtung von Stoffströmen z. B. von verschiedenen Rohstoffen auf ihrem Weg zum fertigen Produkt ist bei der Bewältigung von Umweltproblemen von großer Bedeutung. Die Stiftungsprofessur soll die gegenseitige Durchdringung der Stoffströme zwischen vom Menschen gestalteten Systemen und natürlichen ökologischen Prozessen untersuchen. Der Stoffhaushalt von städtisch-industriellen Systemen in ihrer Vernetzung mit ökologischen Systemen bezieht dabei die betriebliche, kommunale, regionale und überregionale Ebene in unterschiedlicher Komplexität mit ein. Entwickelt werden Instrumente des Stoffstrommanagements und deren Umsetzung in die Praxis.
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt finanziert nicht nur die neuen Professuren, sondern stellt den Lehrstühlen auch Geld für weitere Stellen und Sachmittel zur Verfügung. Voraussetzung für die Bewilligung ist die Zusage der jeweiligen Hochschulen, nach dem Auslaufen der Anschubfinanzierung von fünf Jahren durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die dauerhafte finanzielle Absicherung des Stiftungslehrstuhles zu übernehmen. Mit der Bewilligung ist zudem die Auflage verbunden, die Berufungsverfahren zügig durchzuführen und spätestens 12 Monate nach Veröffentlichung der Ausschreibung einen Ruf zu erteilen. "Dies dient", so Brickwedde, "der schnellen Umsetzung der Vorhaben und sichert eine baldige Arbeitsaufnahme der neuen Lehrstühle".
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert damit bundesweit insgesamt 11 Stiftungslehrstühle im Bereich des innovativen Umweltschutzes.