Osnabrück. "Wer ökologisch baut, ist kein Sektierer, den man mitleidig belächeln müßte. Wer ökologisch baut, investiert in die Zukunft. Und wer in die Zukunft investiert, trägt Mitverantwortung für sich und nachfolgende Generationen." - Mit diesen Worten präsentierte heute in Osnabrück Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück), eine neue Broschüre der Stiftung. In ihr werden - erstmalig zu diesem Themenkomplex - 21 innovative Förderbeispiele vorgestellt, die die größte Umweltstiftung Europas in jüngster Vergangenheit bundesweit finanziell unterstützt hat. Insgesamt hat die Stiftung seit Aufnahme ihrer Fördertätigkeit am 1. März 1991 über 100 Projekte mit einem Fördervolumen von knapp 28 Millionen Mark zum Thema "Ökologisches Bauen" gefördert.
Die Stiftung wolle mit dieser Broschüre Planern, Bauunternehmern und Bauherren eine Übersicht über innovative ökologische Bauprojekte geben, stellt Brickwedde in einer Pressemitteilung der Stiftung heraus. Gehöre doch der Bausektor zu den Schlüsselindustrien der Republik mit einer hohen Umweltbedeutung. Die Branche sei mit 15 Prozent am Bruttosozialprodukt Deutschlands beteiligt, aber mit 60 Prozent am gesamten Abfall- und Reststoffaufkommen. Mehr als ein Drittel des gesamten Energiebedarfs werde in unserem Lande für das Heizen von Gebäuden benötigt. Brickwedde: "Wer baut, ist in ganz besonderem Maße gefordert, an die Umwelt zu denken und danach zu handeln. Wir wollen anregen, informieren und Denkanstöße geben. Wenn es uns gelingt, zum Umsetzen neuer Lösungen anzustiften, haben wir unser Ziel erreicht."
Ökologisches Bauen sei den Turnschuhen schon lange entwachsen. Viele gute und ausgereifte Entwicklungen versetzten uns heute in die Lage, wesentlich umweltverträglicher als bisher zu bauen, ohne daß Wirtschaftlichkeit und Architektur darunter litten. Das Niedrigenergiehaus, das Nutzen der Sonne als Strom- oder Wärmequelle seien heute "Stand der Technik", so Brickwedde weiter. Doch das alleine reiche nicht. Ökologisches Bauen beginne bei der Planung. Der schonende Umgang mit dem Boden und der Vegetation müsse ebenso selbstverständlich werden wie ein niedriger Energiebedarf, eine natürliche Quellen schonende Baustoffauswahl und eine recyclinggerechte Konstruktion. Brickwedde: "Es ist eine ganzheitliche Betrachtung notwendig."
Auch umweltverträglichen Lösungen aufgeschlossene Bauherren stünden allerdings vor dem Problem, selbst kaum in der Lage zu sein, aus der Fülle vorhandener Informationen die ökologisch und ökonomisch geeigneten Lösungen herauszufiltern. Hier sei die Beratungsleistung der Planer gefragt. Architekten und Ingenieure seien gefordert, Bauherren die heutigen Möglichkeiten aufzuzeigen und sie zu motivieren, mit gutem Beispiel voranzugehen.
Die Stiftung selbst habe mit ihrem 1995 bezogenen Verwaltungsgebäude in Osnabrück ein solches Beispiel gegeben. Der Schutz eines wertvollen, alten Baumbestandes, die Minimierung des Energiebedarfs, eine optimale Tageslichtnutzung, eine ökologisch ausgerichtete Baustoffauswahl und eine recyclinggerechte Konstruktion - dies alles seien Faktoren, die konsequent berücksichtigt worden seien, ohne an Architektur oder Nutzungskomfort für die Mitarbeiter irgendwelche Abstriche machen zu müssen. Nicht zuletzt die hier gesammelten Erfahrungen hätten die Umweltstiftung veranlaßt, noch mehr Geld in die Hand zu nehmen, um innovative, umweltentlastende Modellvorhaben zum Beispiel im Bereich interdisziplinärer, ganzheitlicher Planungen oder zur Entwicklung Rohstoffe schonender Bauteile und Bauprodukte, aber auch ökologisch und ökonomisch ausgewogene Demonstrationsobjekte mit gleichzeitig hohem architektonischen Anspruch zu fördern.
Die neue Broschüre mit Projektbeispielen aus Karlsruhe, Dachau, Tholay, Hameln, Ehingen, Dillenburg, Weimar, Dresden, Merseburg, Vaterstetten, Emmerich, Lohfelden, Beelen, Marktheidenfeld, Köln, München, Lauenförde, Lörrach, Gronau, Wedel, Gleichen, Ochtrup, Leinefelde und Osnabrück zeige, in welche Richtung es gehe. Brickwedde: "Ökologisches Bauen und ansprechende Architektur - der Beweis ist geführt, daß dies keine Gegensätze mehr sein müssen." Die Broschüre kann bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, An der Bornau 2, 49090 Osnabrück, Telefon 0541/9633-411, Fax 0541/9633-194, kostenlos angefordert werden.