Duisburg / Osnabrück. Auf einer 2.300 Quadratmeter großen Aktionsfläche im Duisburger Innenhafen wird ein bundesweit einmaliges Kinder- und Jugendumweltmuseum entstehen, das jährlich bis zu 250.000 Besucher spielerisch, spannend und unterhaltsam für den Schutz der Umwelt begeistern, aber auch für soziale und ökonomische Wechselwirkungen sensibilisieren will. Mit seinem Beschluß, dem Verein "Kindermuseum Innenhafen Duisburg" für das Projekt "Atlantis" rund 3,2 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen, machte das Kuratorium der Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) gestern abend endgültig den Weg frei, um nach amerikanischem Vorbild eine begehbare Aktionsfläche zu schaffen, in der Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern, Erzieher und Lehrer in das Thema Umwelt mit all ihren Sinnen abtauchen können.
Grundlage für das Projekt ist ein 1996 im größten soziokulturellen Zentrum Deutschlands, der Zeche Carl in Essen, durchgeführter Modellversuch, an dem elf Schulen mit über 300 Kindern teilgenommen hatten, heißt es in einer Pressemitteilung der größten Umweltstiftung Europas. Durch interaktive Ausstellungen, Arbeitskreise und Aktionsangebote, Spiele und Experimente, künstlerische Projekte, Musik- und Theaterinszenierungen sollten die Besucher in "Atlantis" mit Problemen ihres Lebensalltags konfrontiert und an Lösungsansätze herangeführt werden. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Umweltstiftung: "Kinder und Jugendliche werden unter pädagogischer Betreuung und Anleitung zu Entdeckern und Forschern oder Künstlern und Wissenschaftlern und lernen dabei auf unterschiedliche Weise, ökologische Zusammenhänge zu begreifen und den eigenen Lebensraum entsprechend aktiv zu gestalten."
Als Standort seien ein alter Getreidespeicher und ein ehemaliger Mehlsilo im Duisburger Innenhafen vorgesehen, in den das Hafenumfeld mit seinen neu genutzten alten Speicher- und Kontorgebäuden direkt am Wasser, das Hafenbecken und die neu angelegten Grachten einbezogen würden. Dementsprechend sollten die Besucher auch nicht passive Betrachter sein, sondern mit allen Sinnen in eine inszenierte, spür- und greifbare Wirklichkeit eintauchen. Die verschiedenen Ausstellungsbereiche sollten nach dem pädagogischen Konzept nicht isoliert voneinander gestaltet, sondern miteinander verschmolzen werden. Eine labyrinthähnliche Anordnung der Räume solle die Neugierde, den Spaß am Forschen und Entdecken von Kindern und Jugendlichen wecken. Neben verschiedenen Wechselausstellungen seien ein kleines TV- und Hörfunkstudio, ein Atelier, eine Umwelt- und Forschungsgalerie, eine Leseraum, ein kleines Bistro, eine Werkstatt, ein Labor und ein Museumsshop vorgesehen.
In einer Dauerausstellung werde es vorrangig um die sozialen, ökologischen und ökonomischen Dimensionen des Stadtlebens gehen, könnten Kinder unter Anleitung von Architekten oder Planern "ihre" Stadt entwerfen, umgestalten und Akzente setzen. Weitere inhaltliche Schwerpunkte lägen im Bereich der Planung von naturnahen Schul-, Wohn- und Spielräumen, in der Darstellung des Wasserkreislaufs sowie in den Themen Abfallvermeidung, Klima, Wetter, Naturschutz und erneuerbare Energien. Dieses Konzept besteche dadurch, so Brickwedde, daß es künstlerisch-kreative und umweltbezogene Aspekte und Angebote mit aktivem und praxisbezogenem Lehren und Lernen vernetze. Brickwedde: "Hier entsteht ein eigener Kulturort für Kinder und Jugendliche, der große Chancen bietet, gezielt Umweltbewußtsein zu schaffen und Kinder im schon frühen Alter für diese Ideen und Fragen gewinnen kann. Denn Kinder sind als Verbraucher und Akteure von morgen diejenigen, die über die Zukunft entscheiden werden."
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, zu deren stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden der Duisburger Helmut Wieczorek MdB von 1995 bis 1998 gehörte, hat seit 1991 über 3.000 Projekte mit einem Volumen von über 1,3 Milliarden Mark in den Bereichen Umwelttechnik, -forschung und -bildung "angestiftet". Das sind die drei fachlichen Säulen, auf denen die Arbeit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ruht. Sie fördert die Kreativität kleiner und mittlerer Unternehmen bei der praktischen Lösung von Umweltproblemen und gibt Anreiz für ökologische Innovationen in den Betrieben. Sie setzt durch die Förderung umwelt- und gesundheitsfreundlicher Produkte und Produktionsverfahren auf einen vorbeugenden und integrierten Umweltschutz. Sie mindert das Einstiegsrisiko für Unternehmen in umweltschonendere Produktionstechniken und fördert, was die Umwelt direkt und praktisch schützt. Gleichzeitig ist sie "Keilriemen" für Kooperationsprojekte in der Anwendung von Umwelttechnik und den Austausch von Wissen über die Umwelt zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und anderen öffentlichen oder privaten Stellen.