Frage:
Herr Salvamoser, Sie haben im Vorjahr mit den Klimaforschern des Max-Planck-Instituts den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt erhalten. Welche Auswirkungen hat das auf Sie als Unternehmer, auf die Akzeptanz regenerativer Energieformen in Deutschland gehabt? Sind Anzeichen erkennbar, dass die vom damaligen hessischen Staatsminister Starzacher herbeigesehnte "Brücke in das nach-fossile und nach-nukleare Zeitalter" geschlagen wird?
Salvamoser:
Die Verleihung des Deutschen Umweltpreises hat eine neue öffentliche Aufmerksamkeit für die Solarenergie allgemein und die von mir geführten Betriebe im Besonderen zur Folge gehabt. Im Gegensatz zu unseren bisherigen eigenen Aktivitäten wurde mit der Preisverleihung ein Personenkreis erreicht, der bis dahin eher nicht oder schlecht erreicht wurde.
Obwohl es schwer ist festzustellen, weiche Maßnahme im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit besonders erfolgreich war und welche nicht, kann hier ein eindeutiger Trend festgehalten werden: Über 200 Presseartikel, über 20 TV- und Rundfunkbeiträge haben bundesweit mich als Preisträger und "Muster-Unternehmer" und die Solar-Fabrik GmbH als ökologischen Solarmodulhersteller bekannt gemacht. Einer Umfrage bei 1.000 Messebesuchern der Solarmesse in Pforzheim zufolge hat die Solar-Fabrik einen Bekanntheitsgrad von 90 Prozent. Dieser hohe Bekanntheitsgrad führt dazu, dass das Thema "Solarenergie" besonders bei einer eher konservativen Kreisen zurechenbaren Klientel aufgegriffen wird. Solarenergie ist seither in besonderem Maße in Untemehmerkreisen diskutiert. Zahlreiche Veranstaltungen mit Untemehmerorganisationen seit der Preisverleihung belegen dies.
Der notwendige Umschwung zu regenerativen Energieträgern ist damit noch nicht erreicht, aber es ist eine Kurskorrektur erzielt worden. Die Solarenergie ist ein weiteres Stück der "Szene" entrückt und zur Branche geworden.
Frage:
Sie haben hohe, bis ins Persönliche reichende Risiken nicht gescheut, um der Photovoltaik, d.h. der Gewinnung von Strom aus Sonnenenergie, in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen. Durch das Aufbrechen des Strommonopols vor wenigen Wochen deutet sich nun ein gigantischer Verdrängungsprozess der Stromkonzerne im Kampf um den Kunden an - ähnlich wie auf dem Telefonmarkt. Haben die in der Regel ja nicht so kostengünstig zu gewinnenden erneuerbaren Energiequellen da noch eine Chance?
Salvamoser:
Der Verdrängungskampf im Strommarkt ist in der Tat enorm. Der Preiskampf ist voll im Gange. Ein Meteorologe würde bei Betrachtung des Geschehens im Energiemarkt von einem Dauer-Tornado sprechen.
Nach dem Zusammenbruch der Strommonopole ist in der ersten Phase das derzeitige "Chaos" nach meiner Ansicht eine zwangsläufige Erscheinung. Folgen wird die Phase der Neuorientierung, in der sich neue Koalitionen und Marktaufteilungen bilden werden. Aus dem bisherigen "Einheitsbrei" Strom wird die differenzierbare "Ware" Strom werden. Unterschiedliche Qualitäten in der Herstellung werden für das Marktgeschehen an Bedeutung gewinnen. Erste hoffnungsvolle Anzeichen deuten auf eine derartige Entwicklung hin.
Die Photovoltaik ist von dem "Preiskampf der Giganten" unberührt, da der Preis selbst und die Differenz zum herkömmlichen Energiepreis ohnehin nie eine Rolle spielten. Ethische Gründe, Emotionen und die Verantwortung für die kommenden Generationen sowie Marketingargumente waren und sind für die Entwicklung ausschlaggebend.
Die Turbulenzen im europäischen Energiemarkt beschleunigen den Prozess, der Solarenergie marktfähig macht.
Frage:
Prof. Dr. Zellner hat bei der Preisverleihung im Vorjahr in seiner Laudatio darauf hingewiesen, dass auch Ihr vorbildliches Engagement den Staat nicht aus der Verantwortung entlasse, ein positives Umfeld zur Umsetzung solarer Energieformen zu schaffen. Laufen wir Gefahr, dass Klimaschutz und Nachhaltigkeitsziele am Ende nun doch nur die zweite Rolle spielen werden?
Salvamoser:
Der Staat hat die Aufgabe, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Betriebe und Konzerne neben den betriebswirtschaftlichen auch die gesellschaftlichen Belange berücksichtigen müssen. Die Globalisierung unseres Wirtschaftens macht dies immer schwieriger. Ich bin aber überzeugt, dass uns unser Selbsterhaltungstrieb - und der ist hier gefordert - Lösungen finden lässt.
Zur regenerativen Energie gibt es keine Alternativen. Es ist nun mal keine Frage des Ob oder Ob nicht, sondem es ist nur die Frage, wann die Umstellung auf eine regenerative Energieversorgung erfolgen muss. Je früher wir das erkennen und umsetzen, desto sanfter wird der Übergang. Je später wir umstellen, desto härter wird er.
Frage:
Glauben Sie, dass das Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahre 2005 fünfundzwanzig Prozent weniger Treibhausgase zu produzieren als 1990, zu verwirklichen ist? Und wenn: wie?
Salvamoser:
Ich glaube es nicht. Kein einziges Gesetz oder kein einziger Gesetzesentwurf trägt diesem Ziel konsequent Rechnung. Maßnahmen, dieses Ziel zu erreichen, haben zu geringe Prioritäten. Auch die rot-grüne Regierung hat hier bisher ihre theoretischen, wort reichen.Ankündigungen nicht mit konkretem Handeln unterlegt. Es fehlt nicht an Plänen oder Absichtserklärungen. Es fehlt, sich von der üblichen Lobbypolitik zu verabschieden.
Frage:
Wenn Sie für einen Tag Umweltminister in Deutschland wären und uneingeschränkt handeln könnten: was würden Sie tun?
Salvamoser:
Umweltpolitik kann nicht losgelöst von Wirtschafts-, Beschäftigungs- und Sozialpolitik betrieben werden. Folglich könnte man an diesem einen Tag nur seine Kabinettkolleginnen und -kollegen zu einem Ministertreffen/Betriebsausflug einladen, um so zu versuchen, ein kollegiales, verantwortungsbewusstes und vernünftiges Zusammenarbeiten in Zukunft zu erreichen.
Frage:
Wie haben Sie das Preisgeld aus dem Deutschen Umweltpreis verwendet?
Salvamoser:
Es sind eine Reihe von Maßnahmen, die durch das Preisgeld auf den Weg gebracht wurden:
* Verbesserung der Kommunikationsmöglichkeiten in unserem Gebäude der Solar-Fabrik durch den weiteren Ausbau für Veranstaltungen zum Thema regenerative Energien;
* Gründung einer Gesellschaft zur Entwicklung von solaren Anwendungen;
* Gründung einer Handelsgesellschaft für regenerative Energien;
* Unterstützung gemeinnütziger Einrichtungen, um deren Effizienz entscheidend zu verbessern oder überhaupt erst zu ermöglichen.