23.11.1998 | Stipendiatin der Umweltstiftung mit Schweizer Wissenschaftspreis geehrt

Susanne Stoll (29) erhielt Auszeichnung der Chorafas-Stiftung für Doktorarbeit zur Akzeptanz von Naturschutzplanungen in der Bevölkerung

Zürich / Osnabrück. Mit dem mit 4.000 Dollar dotierten Wissenschaftspreis der Schweizer Chorafas Stiftung für den Bereich Umwelt ist jetzt die 29jährige Wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Mensch-Umwelt-Beziehungen der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, Susanne Stoll, ausgezeichnet worden. Sie erhielt den Preis vor allem für die hohe Praxisrelevanz ihrer Doktorarbeit, in der die Erhöhung der Akzeptanz von Naturschutzplanungen in der Bevölkerung im Mittelpunkt stand. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) unterstützte diese Forschungsarbeit durch die Vergabe eines Promotionsstipendiums.

Der Umsetzung von Naturschutzplanungen in einem dichtbesiedelten Land wie Deutschland stehen häufig vielfältige Interessen entgegen, heißt es in einer Pressemitteilung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Gerade geplante Schutzgebietsausweisungen werden oft durch heftige Konflikte zwischen der jeweils "betroffenen" Bevölkerung und den Naturschützern erschwert, zum Teil sogar verhindert. Die Ursachen dieser Problematik und mögliche Lösungsansätze standen daher im Blickpunkt der Forschungsarbeiten der in Weinheim an der Bergstraße geborenen Geographin Susanne Stoll.

Als eine der Hauptursachen machte sie dabei die unvermittelte Konfrontation der ansässigen Bevölkerung mit zahlreichen Ge- und Verboten aus, die deren bisherige Gewohnheiten beeinträchtigen. Meist, so Susanne Stoll, würden die Bürger zu spät in Planungen und Vorplanungen einbezogen. Dementsprechend fühlten sich die Betroffenen bevormundet und nicht ernstgenommen. Häufig führe schon allein das Gefühl, nicht gefragt zu werden, zu einer unnötigen Verschärfung der Gegensätze zwischen den beiden Konfliktgruppen. Planungsrechtlich korrekte Verfahren prallten dann auf emotionale Befindlichkeiten der Bewohner. Durch den Einsatz von Kommunikationsberatern, die die Aufgabe hätten, die fachliche Qualifikation der Naturschutzvertreter um soziale und kommunikative Kompetenzen zu ergänzen, solle dieses Dilemma gelöst werden.

In Ergänzung zu ihrer Projektförderung unterhält die Deutsche Bundesstiftung Umwelt seit 1992 ein Stipendienprogramm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Umweltschutzbereich. In diesem Programm können jährlich bis zu 50 Stipendien an hochqualifizierte junge Nachwuchswissenschaftler im Bereich der angewandten Umweltforschung vergeben werden. Anfangs war das Programm auf die ostdeutschen Bundesländer begrenzt, seit 1996 steht es Wissenschaftlern aus dem gesamten Bundesgebiet offen. Insgesamt hat die Stiftung für das Gesamtprogramm 25 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Die Umweltstiftung fördert zur Zeit 166 Stipendiaten.

Das Engagement der Stiftung sei als Anstoß zu werten, nachhaltige Umweltentlastungen zu erreichen, so Fritz Brickwedde, Generalsekretär der größten Umweltstiftung Europas. Mit diesem Programm würden weiterführende Forschungsarbeiten auf dem Gebiet des angewandten Umweltschutzes ermöglicht. Ziel sei es, Arbeiten im Bereich der angewandten Forschung zu fördern, die in einem direkten Bezug zu akuten Umweltproblemen sowie zu den Förderschwerpunkten der Stiftung stünden und zur Lösung dieser drängenden Probleme beitrügen. Mit der Förderung von qualifiziertem Nachwuchs, der im Bereich des Umweltschutzes forsche, solle der Aufbau und die Entwicklung einer "leistungsfähigen und kompetenten Wissenschaftlergeneration unterstützt werden", so Brickwedde.