Frage:
Herr Prof. Dr. Hasselmann, Sie und Ihre Kollegen Prof. Dr. Graßl und Prof. Dr. Bengtsson haben im Vorjahr gemeinsam mit dem Solarunternehmer Georg Salvamoser den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt erhalten. Welche Auswirkungen hat das auf Sie als Klimaforscher, auf die Akzeptanz Ihres Klimamodells gehabt, das Klimaveränderungen auch als vom Menschen beeinflusst darstellt? Sind Anzeichen erkennbar, dass die vom damaligen hessischen Staatsminister Starzacher herbeigesehnte "Brücke in das nach-fossile und nach-nukleare Zeitalter" geschlagen wird?
Hasselmann:
Die Verleihung des Umweltpreises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt an die drei Direktoren des Max-Planck-Instituts hat in erster Linie zu einer breiteren Kenntnisnahme der Forschungen unseres Instituts in der Öffentlichkeit geführt.
In der Fachwelt sind unsere Ergebnisse weitgehend bekannt, und die Meinung der Kollegen zur Qualität unserer Forschung wird in erster Linie durch ihr eigenes Urteil, weniger durch Preisverleihungen bestimmt. Eine "Brücke in das nach-fossile und nach-nukleare Zeitalter" wollen wir natürlich alle schlagen, und da sind medienwirksame Unterstützungen wie durch den Deutschen Umweltpreis durchaus sehr hilfreich und dankenswert.
Frage:
Konnten Sie Ihr Klimamodell mit Hilfe des Preisgeldes - das hatten Sie bei der Preisverleihung angekündigt - optimieren? Wenn ja: was sind auf einen einfachen Nenner gebracht die Resultate und hat die Politik darauf reagiert?
Hasselmann:
Wir haben die Mittel des Deutschen Umweltpreises verwendet, um unsere Modelle zu verbessern hinsichtlich 1) der Wechselwirkung zwischen Klimaänderungen und der wirtschaftlichen Entwicklung; hierzu haben wir ein verbessertes Wirtschaftsmodell entwickelt, das wir zur Zeit gerade testen, und 2) eine bessere Darstellung der natürlichen Variabilität des Klimasystems und seine Beeinflussung durch die anthropogene globale Erwärmung. Auch hier haben wir Verbesserungen in das Modell eingebracht und werden sie in einer neuen Serie von Szenarien-Rechnungen zur globalen Erwärmung in Kürze einsetzen.
Frage:
Durch das Aufbrechen des Strommonopols vor wenigen Wochen deutet sich ein gigantischer Verdrängungsprozess der Stromkonzerne im Kampf um den Kunden an - ähnlich wie auf dem Telefonmarkt. Haben die in der Regel ja nicht so kostengünstig zu gewinnenden erneuerbaren Energiequellen da noch eine Chance?
Hasselmann:
Erneuerbare Energiequellen haben letztlich in einem freien Marktsystem, unabhängig davon, wie die Märkte sich im Augenblick gerade entwickeln, nur Chancen, wenn die echten Kosten der Nutzung von fossilen Energieträgern den Energieerzeugern in Rechnung gestellt werden. D.h., es sollte eine entsprechende CO2-Steuer eingeführt werden (oder andere äquivalente Maßnahmen, wie Emissions-zertifikation), um einen von den derzeitigen Verzerrungen befreiten Energiemarkt, unter Einbeziehung der Kosten der globalen Erwärmung, herzustellen.
Frage:
Prof. Dr. Zellner hat bei der Preisverleihung im Vorjahr in seiner Laudatio darauf hingewiesen, dass auch vorbildliches Einzelengagement den Staat nicht aus der Verantwortung entlasse, ein positives Umfeld zur Umsetzung erneuerbarer Energien zu schaffen. Laufen wir Gefahr, dass Klimaschutz und Nachhaltigkeitsziele am Ende nun doch nur die zweite Rolle spielen werden?
Hasselmann:
Hierzu gilt dasselbe wie gerade zur vorherigen Frage gesagt: Der Staat sollte seine Verantwortung gegenüber künftigen Generationen wahrnehmen und den Klimaschutz und die Nachhaltigkeitsziele explizit in unser Marktwirtschaftssystem durch entsprechende korrigierende Maßnahmen einbringen. Wir laufen in der Tat Gefahr, dass der Staat dieser Aufgabe nicht konsequent nachgeht.
Frage:
Glauben Sie, dass das Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahre 2005 fünfund-zwanzig Prozent weniger Treibhausgase zu produzieren als 1990, zu verwirklichen ist? Und wenn: wie?
Hasselmann:
Kaum ein Energieexperte glaubt, dass die Bundesregierung ihr Ziel, bis zum Jahre 2005 25% weniger Treibhausgase zu produzieren als 1990, wird verwirklichen können ohne weitere gezielte Maßnahmen, wie z.B. eine CO2-Steuer.
Frage:
Wenn Sie für einen Tag Umweltminister in Deutschland wären und uneingeschränkt handeln könnten: was würden Sie tun?
Hasselmann:
Wenn ich nur einen Tag Umweltminister in Deutschland wäre, würde ich mich für die Einführung einer Ökosteuer einsetzen, die dem Ziel der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes wesentlich stärker verpflichtet ist als die derzeitige Ökosteuer der Bundesregierung. Gleichzeitig würde ich mich um die Vermittlung der Einsicht bemühen, dass die Probleme der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes nur durch ein längerfristig angelegtes Programm in den Griff zu bekommen sind, d.h., mit einer Steuerungsstrategie, die über Jahrzehnte, und nicht Jahre, angelegt ist (wobei die Steuerungspolitik natürlich ständig neuen Erkenntnissen und Entwicklungen angepasst werden muss).