Osnabrück / Hannover. "Die Biotechnologie ist eine Chance für die Umwelt. Als interdisziplinäre Querschnittstechnologie nimmt sie eine Schlüsselstellung ein: Ihre hohe Problemlösungskraft hilft, ein Leitbild zu verwirklichen, das getragen wird von einer wirtschaftlich sinnvollen, aber auch umweltbewussten und sozialen Entwicklung." - Dr. Werner Wahmhoff, Abteilungsleiter Umweltforschung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, betonte wenige Tage vor der Eröffnung der Messe "Biotechnica" am 5. Oktober in Hannover die Bedeutung der Biotechnologie für den modernen Umweltschutz. Die Stiftung ist in der Halle 4, Stand E 14, gemeinsam mit dem von ihr geförderten Verbund "Sensorik in der Biotechnologie" vertreten. Am 6. Oktober findet in Halle 1, Saal Paris, von 13 bis 18 Uhr die Vortragsveranstaltung "Innovation in der Biotechnologie - Projekte der Deutschen Bundesstiftung Umwelt stellen sich vor" statt.
Wahmhoff betonte, Forschung und praktische Anwendung biotechnologischer Kenntnisse seien der Stiftung ein besonderes Anliegen. Die Förderung innovativer Verfahren zur Beseitigung von Altlasten, produktionsintegrierte umwelttechnische Verfahren beim Auf- und Umbau von Betrieben, anwendungsorientierte Umweltforschung und kreative Methoden der Umweltberatung und -bildung spiegelten die vielfältigen Facetten der Fördermaßnahmen wieder.
Das besondere Interesse der Umweltstiftung gelte dabei Maßnahmen vorbeugenden Charakters vor Maßnahmen aus dem Bereich der Nachsorge. Im Rahmen des Förderschwerpunkts "Einsatz biotechnologischer Verfahren und Produkte im Sinne eines produkt- und produktionsintegrierten Umweltschutzes in ausgewählten Industriebranchen" seien seit 1997 bereits 38,2 Millionen Mark ausgegeben worden.
Seine Ausrichtung beziehe sich auf mittelständische Unternehmen und besonders emissionsstarke und energieintensive Industriebranchen der Lebensmittelwirtschaft, der Textil- und der Papierindustrie. Dabei gehe es der Stiftung nicht um den Einsatz biotechnologischer Verfahren oder Produkte um der Biotechnologie willen. Ihr Einsatz solle die ökologisch wie ökonomisch vielversprechendere Alternative darstellen. Vornehmlich ausgerichtet auf den prozess- und produktintegrierte Einsatz biotechnologischer Verfahren und Produkte würden vorzugsweise umweltrelevante Problemlösungen und Entwicklungen im Rahmen von Verbundvorhaben unterstützt.
Seit Anfang 1999 fördere die Umweltstiftung mit einem Gesamtvolumen von zehn Millionen Mark das Verbundvorhaben "Sensorik in der Biotechnologie". Hier sollten neue analytische Methoden und Verfahren entwickelt werden, die das Potential von Mikroorganismen oder Enzymen optimal nutzen. Am 7. Oktober präsentiert das Institut für Technische Chemie der Universität Hannover von 9 bis 13 Uhr in der Halle 1, Saal Rom, aktuelle Forschungsprojekte aus diesem Verbund.
Ein beispielhaftes Projekt sei die Kooperation der Universität Hannover mit der Firma Amino GmbH, Frellstedt. Die Amino GmbH stelle aus Reststoffen von Zuckerrüben den medizinischen Wirkstoff Tryptophan her: eine Art Bioschlafmittel, das sehr schonend wirke, gut verträglich sei und deshalb gerne als mildes Narkotikum, als Antidepressivum oder zur Beruhigung eingenommen werde. Die biotechnologische Produktion des Pharmawirkstoffs könne so verbessert werden, dass bei der Verarbeitung von jährlich 60.000 Tonnen Zuckerrübenrohstoff bis zu 30 Prozent Energie, 3.500 Kubikmeter Abwasser und 280 Tonnen Chemikalien gespart würden.
Eine Forschergruppe der Technischen Universität München beschäftige sich mit der ressourcenschonenden Herstellung alkoholfreien Biers. Derzeit werde dieses Bier mit etwa 0,5 Prozent Alkohol bei den großen Brauereien aus normalem alkoholhaltigem Bier gewonnen. Dazu werde der Alkohol erst mühsam völlig entfernt, um dann wieder langsam mit normalem Bier auf den genauen Grenzwert angereichert zu werden. Dieser Mischprozess könne durch den Einsatz sogenannter Biosensoren so verbessert werden, dass große Mengen Restbier und damit große Abwassermengen, viel Energie, Zeit und Kosten gespart werden könnten.
Für die Zukunft setze die Umweltstiftung speziell auch auf die Thematik der industriellen Nutzung von Biokatalysatoren, um in interdisziplinärer und institutionsübergreifender Weise ressourcenschonende und umweltentlastende Problemlösungen unter besonderer Berücksichtigung der mittelständischen Industrie zu erarbeiten und in die Praxis umzusetzen.