Osnabrück. Über 177 Millionen Mark hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, seit Aufnahme ihrer Förderarbeit 1991 in den Schutz und die Bewahrung umweltgeschädigter Kulturgüter in Deutschland gesteckt. Von den 371 Projekten entfallen mit 294 knapp 80 Prozent auf die ostdeutschen Bundesländer, die mit 137 Millionen Mark überproportional profitieren von den Mitteln der größten Umweltstiftung Europas. Diese Zahlen nannte heute Generalsekretär Fritz Brickwedde anlässlich des "Tages des offenen Denkmals" am Sonntag. Dabei setzt die Stiftung nicht nur auf investive Maßnahmen zum Schutz umweltgeschädigter, national wertvoller Kulturgüter. Verstärkt baut sie auf die Aus- und Weiterbildung der Experten, die Altbausanierung und Denkmalerhalt verantworten.
Die Stiftung stütze mit diesem Schwerpunkt ausdrücklich die Forderungen der Weltkonferenz "Habitat II". In Istanbul war im Jahre 1996 von den Vereinten Nationen gefordert worden, sich im Hinblick auf den nachhaltigen Erhalt des städtebaulichen Erbes verstärkt um qualifizierte Ausbildung, aber auch Weiterbildung von Architekten und Planern zu bemühen. Schwerpunkte sollten Fragen sein der Nutzung, Umnutzung, Energieeinsparung und des Substanzerhalts unter denkmal- und umweltgerechten Bedingungen. Brickwedde: "Bei vielen Architekten und Planern sehen wir Weiterbildungsbedarf im Umgang mit Altbau- und Denkmalsubstanz. Diesen Bedarf müssen wir decken, wenn wir die historischen Innenstädte gerade in den ostdeutschen Ländern sichern wollen."
Als Beispiele nannte Brickwedde die Stiftungsförderung eines Ergänzungsstudiums für berufstätige Architekten und Planer sowie eines - kürzlich bewilligten - Aufbaustudiengangs Altbauinstandsetzung am Weiterbildungs- und Beratungszentrum für Denkmalpflege und behutsame Altbauinstandsetzung, Villa Salzburg, in Dresden. In Zusammenarbeit mit der Universität Karlsruhe und der Technischen Universität (TU) Dresden sollen junge Studenten - ein Semester in Karlsruhe, ein Semester in Dresden - mit den kulturgeschichtlichen Grundlagen ihrer zukünftigen Arbeit vertraut gemacht werden.
Aber auch die Themen Bauwerkserkundung, Baudurchführung, Planungsverfahren und Ausführungsplanung stünden im Mittelpunkt. Hier würden unter ökologischen Aspekten Fragen der Baustoffverträglichkeit neuer Produkte wie auch des Wärme- und Schallschutzes behandelt und Reparaturtechniken vermittelt, um den Erhalt historischer Bausubstanz zu sichern.
Eine Spezialisierung von Architekten und Ingenieuren auf den Erhalt alter Gebäude sei sehr sinnvoll unter dem Aspekt der Bewahrung historisch wertvoller Kulturdenkmäler sowie des Schutzes wertvoller Rohstoffe. Genau dieses Fachwissen fehle allerdings zur Zeit häufig. Immerhin: zwei Drittel aller Baumaßnahmen dienten dem Erhalt oder dem Umbau bestehender Gebäude. Die Studenten an den Universitäten aber würden in erster Linie fixiert auf die Planung von Neubauprojekten. Brickwedde: "Es ist höchste Zeit, der dringend benötigten Vertiefung des Wissens in diesem Bereich Rechnung zu tragen. Die Villa Salzburg wird einen wichtigen Beitrag leisten als ostdeutsches Zentrum für die akademische Aus- und Fortbildung."
Hauptaufgabe der 1990 gegründeten und seit dem 1. März 1991 arbeitenden Stiftung ist es, die Kreativität kleiner und mittlerer Unternehmen bei der praktischen Lösung von Umweltproblemen zu fördern und mit Modellprojekten Anreiz für ökologische Innovationen zu geben speziell im Bereich des produktionsintegrierten Umweltschutzes. Modellhaft werden jedoch auch national wertvolle Kulturgüter im Hinblick auf schädliche Umwelteinflüsse bewahrt und gesichert.