Osnabrück. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, die in der Umwelttechnik, -forschung und -kommunikation dazu "anstiften" will, zukunftsweisende, neue, umweltschonende Wege einzuschlagen, ist in ihrem Bemühen im Jahr 1998 wieder einen Schritt nach vorn gekommen. Wie ihr Generalsekretär Fritz Brickwedde bei der Vorlage des Jahresberichtes 1998 heute vor Journalisten in Osnabrück betonte, bewilligte sie im Vorjahr 185 Millionen Mark für 461 Projekte. Gegenüber 1997 (153 Millionen Mark, 420 Projekte) bedeutet das erneut eine Steigerung. Insgesamt hat die Stiftung seit Aufnahme ihrer Fördertätigkeit am 1. März 1991 bis heute rund 3.300 Projekte mit einer Summe von über 1,45 Milliarden Mark gefördert. Brickwedde: "Die Fördertätigkeit der Stiftung stabilisiert sich damit auf einem sehr hohen Niveau."
1.839 Anträge waren bei der Umweltstiftung im Vorjahr eingegangen, heißt es in einer Mitteilung der Stiftung. Von den 461 geförderten Projekten entfielen fast 30 Prozent auf die ostdeutschen Bundesländer. Insgesamt liegt ihr Förderanteil zum Ende des Vorjahres bei knapp 50 Prozent.
Schlüsselt man die bewilligten Projekte nach den Empfängern auf, wird deutlich, dass im Jahr 1998 erneut die kleinen und mittleren Unternehmen mit knapp 40 Prozent die größte Gruppe bilden. Über ein Viertel der Projekte stammt aus dem Bereich Forschungsinstitute/Universitäten - in der Regel im Verbund mit Unternehmen - und mehr als ein Fünftel aus dem Bereich gemeinnütziger und kirchlicher Vereine und Institutionen.
Brickwedde: "Die Entwicklung zeigt, dass die Stiftung ihre Zielgruppen sehr gut erreicht und dort eine besondere Resonanz findet."
Zu den interessanten Einzelprojekten der Stiftung, die 1998 bewilligt wurden, gehört etwa in der Umwelttechnik der Bau eines Holzgroßdaches am Hermessee in Hannover. Die EXPO 2000 will dort für den Baustoff Holz mit seinen herausragenden Umwelteigenschaften eine Bresche schlagen. Der zentrale Aktionsplatz des EXPO-Geländes soll in der Größe zweier Fußballfelder mit einer Holztragkonstruktion überdacht werden, wie es sie in dieser Dimension weltweit nicht gibt. Unter diesem, Naturformen wie Pinienhainen nachempfundenen Dach sollen Aktionen wettergeschützt und doch im Freien stattfinden - und ein Symbolbauwerk aus Holz für die EXPO entstehen, das die Leistungsfähigkeit des Ökobaustoffs demonstriert. Für Forschung, Entwicklung und Verwirklichung stellt die Stiftung der Deutschen Messe AG in Hannover und dem Architekturbüro Herzog + Partner (München) 4,1 Millionen Mark zur Verfügung.
In der Umweltforschung konnten in dem 1995 ausgeschriebenen Förderschwerpunkt Holz erste Ergebnisse erzielt werden. Für 58 Projekte stellte die Stiftung bisher knapp 17 Millionen Mark zur Verfügung, um die Entwicklung neuer Produkte aus Holz, Möglich-keiten zum Holzschutz und die Erkennung, Wiederverwertung und Entsorgung be-lasteter Rest- und Althölzer voranzubringen. So gelang unter anderem die Entwicklung wasserlöslicher Harze beispielsweise für Parkett, die ungiftig und biologisch vollständig abbaubar sind. Außerdem wurden verschiedene Analysegeräte entwickelt, die belastete Hölzer im Praxisbetrieb in wenigen Sekunden bestimmen können.
Neu initiiert wurden 1998 der "Verbund Sensorik in der Biotechnologie" und ein "Verbundprojekt bewachsene Bodenfilter". Mit der ersten Stiftungsinitiative sollen mit Hilfe der modernen Biotechnologie Analysensysteme entwickelt und verbessert werden, die in der industriellen Anwendung Rohstoff- und Energieeinsatz senken, Prozessabfälle vermeiden oder vermindern und Abfälle verwerten. Insgesamt 10,5 Millionen Mark stellt die Stiftung hierfür bereit. Mit rund 5,5 Millionen Mark aus Stiftungsmitteln sollen mit der zweiten Stiftungsinitiative bis 2001 durch bewachsene Bodenfilter dezentrale Abwasserreinigungssysteme praktisch erprobt werden. Selbst stark belastete Abwässer sollen hier einbezogen werden, um potentielle Anlagenplaner und -betreiber verstärkt zum Anwenden dieser schonenden Verfahren zu motivieren.
Die ehemalige Trutzburg Lenzen in Brandenburg, oberhalb des Städtchens Lenzen im Naturpark Elbtalaue gelegen, soll eine Schutzburg für den Umwelt- und Naturschutz werden. Mit einer Förderzusage von fast 5,5 Millionen Mark sicherte die Stiftung in der Umweltkommunikation den Aufbau des "Europäischen Zentrums für Auenökologie, Umweltbildung und Besucherinformation" in der Burg, der unter Federführung der Landesverbände Brandenburg und Niedersachsen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschlands (BUND) mit zahlreichen Kooperationspartnern verwirklicht werden soll.
Hauptaufgabe des Zentrums ist es, ein Umweltbildungs- und Informationsangebot für Einwohner und Gäste zu schaffen, das am Beispiel der Elbe den Einfluss des Menschen auf die Landschaftsentwicklung im Wandel der Zeiten beleuchtet. Gleichzeitig sollen Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung zur Auenökologie in den Umweltbildungsbetrieb einbezogen werden.
Zum sechstenmal vergab die Stiftung auch ihren mit einer Million Mark höchstdotierten Umweltpreis Europas, den Deutschen Umweltpreis. 1998 wurden die Arbeitsgruppe Klimaforschung am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und der Unternehmer Georg Salvamoser (Freiburg) ausgezeichnet. Als weitere Höhepunkte des Jahres 1998 wies Brickwedde aber auch auf die Erarbeitung der neuen Förderleitlinien der Stiftung hin, die am 1. Januar 1999 in Kraft traten. Einen besonderen Schwerpunkt habe 1998 die Förderung einer stärkeren Nutzung der Sonnenenergie dargestellt. In der Umwelttechnik wurde dazu unter anderem eine Initiative von Kirchengemeinden unterstützt. Zehn Millionen Mark werden zur Verfügung gestellt, um ab 1999 auf den Dächern mehreren hundert kirchlicher Einrichtungen Demonstrationsanlagen zur Sonnenenergienutzung entstehen zu lassen.