Osnabrück. Fasernesseln könnten umweltbelastende Kunststoffteile im Innenbereich von Kraftfahrzeugen demnächst ablösen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, fördert ein gemeinsames Projekt von Wissenschaft und Industrie, das den nachwachsenden Rohstoff als Ersatz für die bisher verwendete Glasfaser entwickelt. Die Fasernessel (Urtica dioica) bietet viele Vorteile. Sie lässt sich kompostieren, ist für den Menschen verträglich und führt nicht zu Gesundheitsschäden. In der Verarbeitung ist sie weicher und flexibler als Glasfasermaterial und verschleißt dadurch weniger Werkzeug im industriellen Einsatz. Am Modell einer Heckklappenverkleidung wird das neue Verbundmaterial zur Zeit bis zur Serienreife "gezüchtet".
Elastischer, schonender, wirtschaftlicher: Der Verzicht auf die umweltbelastende Kombination aus Polypropylen und Glasfaser spart auch noch Geld, so Pressesprecher Franz-Georg Elpers von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück). Ausreichend Anlass für das Osnabrücker Textil- und Kunststoffwerk Heywinkel, sich mit dem Institut für Angewandte Botanik der Universität Hamburg und dem Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung zu einem Verbundprojekt zusammenzuschließen und den natürlichen Rohstoff in der Praxis zur Anwendung zu bringen. Das geschieht in drei Arbeitsschritten: Auf zwei Hektar stillgelegten landwirtschaftlichen Flächen bauen die Hamburger Botaniker verschiedene Hochleistungssorten der Nesselfaser an, um fertiges Nesselstroh bereitzustellen. Daraus wird in Thüringen mit Hilfe von Polypropylen ein Vliesteppich produziert. Die Textil- und Kunststoffforscher sind auch dafür verantwortlich, die richtige Mischung zu finden und das Verbundmaterial echten Belastungsproben zu unterziehen. Schließlich werden in Osnabrück Formteile zur Endherstellung gefertigt, die zunächst in kleiner Serie vom Band gehen.
Wenn das Projekt, das mit insgesamt fast 1,5 Millionen Mark unterstützt wird, erfolgreich ist, soll das Material einem Automobilhersteller zur Großserienproduktion angeboten werden. Dabei können auch andere Teile aus dem Innenraum mit der Fasernessel hergestellt werden.
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt - eine der größten Stiftungen in Europa - fördert seit 1991 innovative und beispielhafte Projekte zum Umweltschutz. In der Zeit ihres Bestehens hat sie mehr als 3.200 Projekte mit über 1,45 Milliarden Mark finanziell unterstützt. Besonders herausragende Leistungen werden alljährlich mit dem Deutschen Umweltpreis prämiert, der mit einer Million Mark dotiert ist.