Dresden / Osnabrück. "Gerade die risikofreudigen, innovativen Unternehmer aus dem Mittelstand sichern mit ihrem Engagement im Bereich der Umwelttechnik nachfolgenden Generationen eine Umwelt in lebenswertem Zustand. Ihr Beispiel kann anderen neue Wege weisen." - Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, präsentierte mit diesen Worten heute in Dresden eine neue Broschüre der Stiftung. Unter dem Titel "Zukunftsweisende Umweltschutzprojekte aus Sachsen" zeigt sie auf 36 Seiten einige der 400 Modellprojekte der Stiftung im Freistaat, in den seit 1991 200 Millionen Mark geflossen sind (s. gesonderten Bericht).
Vor Journalisten erinnerte er in Dresden an die Entstehung der größten Umweltstiftung Europas mit einem Kapital von mittlerweile über drei Milliarden Mark. 1991 sei sie vom damaligen Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel gegründet worden mit dem Ziel, innovative Vorhaben zu fördern zum Schutz der Umwelt unter besonderer Berücksichtigung der mittelständischen Wirtschaft. Seitdem habe sie über 3.200 Projekte mit über 1,45 Milliarden Mark unterstützt in den Bereichen Umwelttechnik, -forschung und -kommunikation. Sie setze auf Umweltentlastung durch Innovation.
Dabei spiele der vorbeugende Umweltschutz eine besondere Rolle. Umweltprobleme durch neue Produkte und Produktionsverfahren sollten erst gar nicht entstehen. Das sei besser, als sie später kostspielig und aufwendig wieder zu beseitigen. Gerade dem Modellcharakter der unterstützten Projekte komme eine besondere Bedeutung zu.
Und gerade in Sachsen, das in der Förderstatistik der Stiftung einen Spitzenplatz einnehme, gebe es zahlreiche solcher "Leuchttürme der Umwelttechnik".
Als Beispiel nannte er ein Projekt der SonderFertigungRöhrsdorf (SFR) GmbH in Röhrsdorf, in dem es um das Recycling von Stoßdämpferaltöl geht. Bei der Entsorgung von Altautos stellten Öle und Betriebsflüssigkeiten eines der größten Umweltprobleme dar. Häufig landeten sie im Erdreich oder führten zu Umweltproblemen bei der Verwertung des Stahlschrotts. Pro Stoßdämpfer falle etwa ein Liter Öl an, für Deutschland jährlich über eine Million Liter.
Um das Öl aus dem noch eingebauten Stoßdämpfer wirtschaftlich wiederzugewinnen, habe die SFR eine neue Technologie entwickelt. Durch ein spezielles Gerät werde der Stoßdämpfer wie mit einer Zange umschlossen, angebohrt und das Öl "ausgeblasen". Pro Stoßdämpfer dauere das weniger als eine Minute, wodurch der kostengünstige Einsatz im Dauerbetrieb sichergestellt sei.
Auch ein Projekt der C. F. Rolle GmbH aus Waldkirchen und der Technischen Universität (TU) Chemnitz stellte Brickwedde vor. In ihm geht es um das Herstellen von Verpackungsformteilen aus Getreidekleie für stoßempfindliche Waren. In Deutschland würden jährlich etwa 100.000 Tonnen Schaumkunststoffe verarbeitet für diesen Zweck. An der TU sei die Idee entstanden, die Polsterkörper aus Getreidekleie herzustellen. Die seien auch nach ihrer Nutzung umweltfreundlich: Sie könnten vollständig recycelt werden, seien biologisch gut abbaubar - und böten hervorragende Polstereigenschaften, insbesondere für schwere Güter.
Kleie stehe als nachwachsender Rohstoff in großen Mengen zur Verfügung. Ihre Vermarktung als Tierfutter werde aber zunehmend schwieriger. Teilweise müsse sie sogar deponiert werden. Die Firma C. F. Rolle setze dieses Verfahren nun in die Praxis um. Es werde eine Versuchsanlage gebaut, in der Verpackungsteile in unterschiedlichen Größen hergestellt werden könnten. Die Eignung der Formteile werde erprobt, im Labor ihr Langzeitverhalten untersucht. Brickwedde: "Durch den preiswerten Rohstoff, die einfache Herstellung und die guten Entsorgungseigenschaften läßt sich mit dem innovativen Verfahren ein konkurrenzfähiges Produkt erzeugen."
Beispiele wie diese, aber auch Informationen etwa über das Stipendienprogramm der Stiftung in Sachsen, ihre Umweltberatungsprogramme und Aktivitäten im Bereich der Umweltforschung und -kommunikation sind in der neuen Broschüre dokumentiert. Sie kann bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, An der Bornau 2, 49090 Osnabrück, Telefon 0541/9633-411, Fax 0541/9633-194, kostenlos angefordert werden.