21.05.1999 | Zentrum für Umwelt und Kultur: Mit neuer Energie ins neue Jahrtausend

Eigenbedarf aus nachwachsenden Rohstoffen bis 2002 decken - Kostengünstiger Selbstversorgungstrakt erschließt zusätzliche Zielgruppen

Benediktbeuern / Osnabrück. Das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) im Kloster Benediktbeuern (Bayern) kann seinen Ruf weiter ausbauen als eine der profiliertesten Bildungsstätten Deutschlands! Bis zum Jahr 2002 sollen ZUK und Kloster Wärme und Strom komplett aus erneuerbarer Energie beziehen. Besonderer Pfiff: ob Holzhackschnitzelheizanlage, Rapsöl-Blockheizkraftwerk oder Solaranlagen - die Technik wird einbezogen in die Bildungsarbeit für die jährlich über 45.000 überwiegend jugendlichen Teilnehmer und Gäste. Damit auch zahlungsschwächere Gruppen davon profitieren können, wird im historischen Maierhof ein besonders kostengünstiger Übernachtungs- und Selbstversorgungsbereich eingerichtet. Mit über fünf Millionen Mark fördert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, diese beiden Modellprojekte.

Vor Journalisten gingen heute Parlamentarischer Staatssekretär a.D. Wolfgang Gröbl, Mitglied des Kuratoriums der Umweltstiftung, und deren Generalsekretär Fritz Brickwedde auf Einzelheiten ein. Brickwedde betonte, das ZUK wolle mit dem Aufbau einer Energieversorgung aus nachwachsenden Rohstoffen praktizieren, was es theoretisch fordere: natürliche Lebensgrundlagen sichern.

Neben einer bestehenden Wasserkraftanlage (88 Kilowatt Leistung) am Kloster solle eine Holzhackschnitzelheizanlage (800 Kilowatt) entstehen, die die verschiedenen Trakte mit Wärme versorge. Ein kleines Rapsöl-Blockheizkraftwerk (40 Kilowatt) werde die Möglichkeiten des regionalen Energieträgers Raps demonstrieren; die Sonnenenergie solle Strom (zehn Kilowatt) und Wärme liefern. Zwei herkömmliche Ölkessel sollten als Reserve- und Spitzenlastkessel eingesetzt werden.

Bis auf die Sonnenkollektoren werde die Technik in einer neuen Energiezentrale zusammengefaßt. Sie stehe für die verschiedenen Besuchergruppen offen und binde die Technik in die Bildungs- und Weiterbildungsangebote des ZUK ein. Erzeugte und verbrauchte Energiemengen würden Interessenten plastisch vor Augen geführt. Das erleichtere ihnen den Zugang zum Thema erneuerbare Energie. Vor allem Holz stehe in der Region in großen Mengen zur Verfügung. Seine Nutzung greife auf die jahrhundertelang praktizierte Tradition des Klosters zurück, sich aus der Region selbst zu versorgen.

Da bei Jugendlichen erhebliche Wissensdefizite bestünden über die Möglichkeiten der Nutzung erneuerbarer Energiequellen, könne die Demonstrationsanlage Bildungslücken schließen. Brickwedde: "Die Botschaft wird bei den Jugendlichen auf fruchtbaren Boden fallen. Die bislang in Benediktbeuern praktizierte Umweltbildungsarbeit wird um eine wichtige, aktuelle und zeitgemäße Facette bereichert."

Das gelte auch für den Aufbau des neuen Selbstversorgertraktes auf der ehemaligen Tenne des historischen Maierhofes (1708 bis 1718). Zwar erfreue sich das ZUK erheblicher Nachfrage und starker Auslastung. Doch hier wie in anderen Bildungseinrichtungen könnten wichtige Zielgruppen nicht ausreichend berücksichtigt werden: Studenten, Schüler, junge Künstler oder Jugendliche aus Ost- und Südeuropa - sie alle würden in ihrem Engagement für die Umwelt oft von keiner Seite finanziell unterstützt und müßten ihren Aufenthalt in Benediktbeuern bei oft kleinem Einkommen aus eigener Tasche bezahlen.

Um sie zu erreichen, seien kostengünstige Unterbringung und Verpflegung von zentraler Bedeutung. Deshalb solle im Maierhof ein separater Bereich entstehen, in dem 40 Personen in einfachen und kostengünstigen "Schlaflagern" übernachten und sich in einer Gemeinschaftsküche selbst versorgen könnten: zu deutlich niedrigeren Teilnahmegebühren. Tagungs- und Materialräume sowie Räume für Verwaltungs- und Betreuungspersonal rundeten den Bereich ab zu einer funktionsfähigen Einheit auf einer Bruttogrundfläche von 1.156 Quadratmetern.

Doch mit der bloßen Bereitstellung von Infrastruktur sei es nicht getan. Das Konzept biete für die Zielgruppen ein didaktisch aufbereitetes durchdachtes Bildungsprogramm, das sich orientiere am pädagogischen Leitbild des Zentrums. Gröbl: "Hier bietet sich die einmalige Chance, finanziell schwach gestellte, aber bildungswillige Menschen zu erreichen. Das Projekt wird wichtige Erkenntnisse liefern, wie in Deutschland neue Zielgruppen in der Umweltbildung angesprochen werden können."