17.05.1999 | Batterien in Hörgeräten vor dem Aus? Kondensatoren als neue Energiequellen

Fachhochschule Münster will neue Technik entwickeln - Hohes Umweltentlastungspotential - Umweltstiftung fördert mit knapp 200.000 Mark

Steinfurt / Osnabrück. Gute Perspektiven für die etwa drei Millionen Hörgeschädigten in Deutschland! Nach den Vorstellungen des Fachbereichs Elektrotechnik in Steinfurt der Fachhochschule Münster werden sie zukünftig auf Batterien in ihren Hörgeräten verzichten, damit die Umwelt schonen und mittelfristig auch noch Geld sparen können - ohne wesentlichen Komfortverlust. Möglich machen sollen das Kondensatoren - elektrische Bauelemente, die als "Energielieferanten" Wegwerfbatterien und Akkus ersetzen. Bei einem nur fünfprozentigen Marktanteil dieser neuen Technik könnten so jährlich 7,5 Millionen Batterien eingespart werden. Unterstützt wird die Entwicklung mit knapp 200.000 Mark durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück.

In einer Pressemitteilung ging heute Josef Feldmann, Justitiar der Stiftung, auf Einzelheiten des Projektes ein, an dem als Kooperationspartner auch die Firma auric in Rheine beteiligt ist und das wesentlich vom Industrieverein Steinfurt angeschoben worden war. Kleinbatterien produzierten hohe Umweltbelastungen, insbesondere Knopfzellen mit ihrer noch immer hohen Giftigkeit. Bei rund drei Millionen Hörgeschädigten in Deutschland und einem Verbrauch von einer Batterie pro Person und Woche fielen jährlich rund 150 Millionen Batterien an. Jede Einsparung giftiger Stoffe durch den Einsatz von Kondensatoren anstelle von Batterien werde als günstig für die Umwelt eingeschätzt.

Geladen würden die neuen Energiespeicher der Hörgeräte über Nacht mit einem Netzteil in deutlich weniger als einer Stunde, woraus sich auch im Komfort ein Vorteil ergebe. So habe der am Körper zu tragende "Tank" nur Kugelschreibergröße. Er sei mit einem dünnen Kabel mit dem Hörgerät verbunden. Die Mehrkosten für die Anschaffung des neuen Hörgerätesystems amortisierten sich nach im schlechtesten Fall eineinhalb Jahren. Nach fünf Jahren liege die Einsparung pro Gerät je nach vorher eingesetztem Batterietyp zwischen 250 und 1.000 Mark.

Für den Markt elektronischer Kleingeräte könne dieses Projekt weiteren Anreiz liefern zu größerflächigeren Weiterentwicklungen. Der Einsatz der neuen Technik sei denkbar etwa in Spielzeug, bei schnurlosen Telefonen oder für mobile Musikgeräte.