07.05.1999 | Deutsche Buche haltbar wie Teak-Holz: Mit Mitteln der Natur Verfall stoppen

Modellprojekt in Bayern soll Einsatz am Bau verstärkt ermöglichen - Haltbarkeit verbessern - Umweltstiftung fördert mit 1,2 Millionen Mark

Aichach / Osnabrück. Deutsche Buche, Fichte und Kiefer soll am Bau zukünftig mit einer Haltbarkeit von Teak-Holz eingesetzt werden können. Dazu sollen auf natürlichem Wege Haltbarkeit und Lebensdauer verbessert - und so Hunderttausende Tonnen umweltschädlicher Holzschutzlasuren und -lacke eingespart werden. Möglich machen soll das ein Eingriff in die Struktur des Holzes, der es natürlich länger vor dem Verfall schützt. Der Trick: Ohnehin im Holz vorhandene Verbindungen werden durch einen chemischen Prozeß so vermehrt, daß es danach nur noch 20 bis 30 Prozent der üblichen Wassermenge aufnimmt; auch gegen ultraviolette Strahlen und Fäule bleibt es widerstandsfähiger. Die Firma Merk Holzbau im bayerischen Aichach will dieses Verfahren mit verschiedenen Partnern verwirklichen. Gefördert wird das Modellprojekt mit fast 1,2 Millionen Mark von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück.

Die vielen Vorteile eines intensiveren Einsatzes von Holz am Bau liegen auf der Hand, wie Stiftungsgeneralsekretär Fritz Brickwedde in einer Pressemitteilung herausstellt: Seine akustischen und isolierenden Eigenschaften sind gut; es ist in verschiedener Farbe, Dichte und Festigkeit verfügbar; es ist ein nachwachsender, ungiftiger, biologisch abbaubarer und wiederverwertbarer Naturstoff.

Doch diese Vorteile seien gleichzeitig auch Nachteile - wenn Holz dem Wetter ausgesetzt sei oder mit Erdboden in Kontakt komme. Die Industrie setze deshalb Holzschutzmittel ein, was kritisch diskutiert werde mit Blick auf die Auswirkungen auf Mensch und Natur: In Westeuropa würden jährlich 30.000 Tonnen giftiger Schutzmittel und 500.000 Tonnen Lasuren und Lacke verstrichen. Brickwedde: "Die Zahlen belegen, daß hier akut gehandelt werden muß."

Mit dem neuen, im Labor erfolgreich getesteten Verfahren könne zum Beispiel Kiefernholz nicht nur fünf, sondern 25 Jahre halten, ohne mit Fremdstoffen belastet zu werden. Brickwedde: "Ohnehin im Holz vorhandene, chemische Verbindungen werden nur vermehrt, um den Verfall des Holzes hinauszuschieben. Das ist Holzschutz ohne Nebenwirkungen!" Nach verschiedenen Vorstufen sollen in drei Jahren Fenster, Türen und Fassadenverkleidungen existieren, die ohne schwermetallhaltige Lasuren und Farben deutlich länger halten als bisher.

Beteiligt an dem Projekt sind: das MZ Holzwerk, Steinbach/Jagst (Baden-Württemberg), die Stiftung Holzforschungen, Wageningen (Niederlande) und das Institut für Mikrobiologie der Universität Jena (Thüringen).