29.04.1999 | Symbol aus Holz: Weltausstellung will für Ökobaustoff eine Bresche schlagen

Einmalige Dachkonstruktion für zentralen Aktionsplatz - Umweltstiftung gibt 4,1 Millionen, Forst- und Holzwirtschaft neun Millionen Mark

Hannover / Osnabrück. Die EXPO 2000 will für den Baustoff Holz mit seinen herausragenden Umwelteigenschaften eine Bresche schlagen. Ein zentraler Veranstaltungsort des EXPO-Geländes am Hermessee in Hannover soll in der Größe zweier Fußballfelder mit einer Holztragkonstruktion überdacht werden, wie es sie in dieser Größe weltweit nicht gibt. Unter diesem, Naturformen wie Pinienhainen nachempfundenen Dach sollen Aktionen wettergeschützt und doch im Freien stattfinden - und ein Symbolbauwerk aus Holz für die EXPO 2000 in Hannover entstehen, das die Leistungsfähigkeit des Ökobaustoffs demonstriert. Für Forschung, Entwicklung und Verwirklichung stellt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, der Deutschen Messe AG in Hannover und dem Architekturbüro Herzog + Partner (München) 4,1 Millionen Mark zur Verfügung, die Deutsche Forst- und Holzwirtschaft neun Millionen Mark.

Vor Medienvertretern in Hamburg ging Stiftungsgeneralsekretär Fritz Brickwedde heute auf Einzelheiten ein. Das Vertrauen in Holz als Werkstoff für Großkonstruktionen sei mit dem Siegeszug des Stahlbetonbaus immer mehr verlorengegangen. Zwar erlebe es in jüngster Zeit eine Wiedergeburt aufgrund seiner ökologischen und ökonomischen Vorzüge. Doch gelte das überwiegend für kleine Wohnbauprojekte. Brickwedde: "Die Deutsche Messe hat hier die Chance ergriffen, für die EXPO und den Einsatz des Baustoffs Holz auch im Großmaßstab weltweit ein Zeichen zu setzen."

Die Konstruktion am Hermessee bestehe aus zehn voneinander unabhängig stehenden Schirmen mit einer Seitenlänge von 40 mal 40 Metern in über 20 Metern Höhe. Sie schützten einen 160 mal 240 Meter großen Platz. Jeder Schirm ruhe auf vier aus Massivholzstämmen gefertigten Stützen. Sie seien mit einer lichtdurchlässigen Dachhaut aus wiederverwertbarem Membranmaterial überspannt. Diese Folie weise eine hohe Selbstreinigungswirkung auf.

Um diese Konstruktionsidee weiter zu verbessern, müsse noch viel geschehen: aufwendige Berechnungen, Versuche im Windkanal, Untersuchungen zum Schwingungsverhalten der Konstruktion, Holzsortierung durch Ultraschall sowie Farb-, Tages- und Kunstlichtstudien. Brickwedde: "Das Erfassen der Kräfte, der Schnittgrößen und der statischen Spannungs- und Verformungsnachweise ist wegen der Neuartigkeit und der Dimension des Daches nur über einen umfangreichen Planungsprozeß zu leisten. Das Herstellen des Bauwerks ist dagegen nicht übermäßig komplex und auch für kleinere Betriebe gut machbar. Eine hervorragende Möglichkeit für die mittelständisch strukturierte Forst- und Holzwirtschaft, ihre Innovationskraft und die Umweltentlastungschancen des Werkstoffs Holz darzustellen."