Rudolstadt / Osnabrück. Die Kulturpflanze Nessel soll in Deutschland bald neue Blüten treiben! Vom Anbau bis zum Herstellen von Kleidung sollen die einzelnen Produktionsphasen verbessert, soll dieser Naturstoff in Zukunft mehr und mehr zum "feinen Zwirn" verarbeitet werden - und das zu marktgerechten Bedingungen. Die Nesselfaser soll dabei so fein zerlegt werden, daß die aus ihr geschneiderte Kleidung ausgesprochen angenehm zu tragen ist - bisher der große Nachteil mancher Naturtextilien. Mit 1,63 Millionen Mark fördert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, dieses Modellprojekt. Durchgeführt wird es vom Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung in Rudolstadt mit Partnern aus Brandenburg und Niedersachsen.
Das Interesse der Verbraucher an Naturtextilien nehme ständig zu, so Generalsekretär Fritz Brickwedde in einer Pressemitteilung der größten Umweltstiftung Europas. Neben Flachs und Hanf gerate die einheimische Nessel immer stärker in den Blickpunkt: Sie könne so fein zerlegt werden, daß sie sich verspinnen lasse und maschinell verarbeitet werden könne. Das hätten Vorversuche bewiesen. Die Feinheit ihres Gewebes garantiere damit eine ganz andere, angenehmere Qualität ihrer Stoffe.
Mit dem Projekt solle der Produktionsprozeß "von der Wiege bis zur Bahre" verbessert werden: Dazu müßten Anbau und Qualität des Faserrohstoffs verbessert, noch feinere Fasern als bisher gewonnen und technische Möglichkeiten gefunden werden für das Verarbeiten zu Garnen und Geweben. Am Ende sollten Textilien stehen, die dem An-spruch an Qualität und Gebrauchseigenschaften gerecht werden.
Neben den ökologischen sollten auch ökonomische Aspekte berücksichtigt werden: "Die Ware muß sich verkaufen lassen."
In einem ständigen Rückkopplungsprozeß zwischen allen Beteiligten sollten neugewonnene Erkenntnisse laufend in das Projekt einfließen. Beteiligt sind neben dem Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung die Spremberger Tuche GmbH (Brandenburg), die Langhein-Textil GbR in Börnicke (Brandenburg), das Institut für angewandte Botanik der Universität Hamburg sowie das Institut für Pflanzenbau und -züchtung der Universität Göttingen (Niedersachsen).