Osnabrück / Leipzig. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, hat seit ihrer Gründung im Frühjahr 1991 rund 665 Millionen Mark für über 1.200 innovative Vorhaben zum Schutz der Umwelt in den ostdeutschen Bundesländern bewilligt. Damit floß knapp die Hälfte aller Fördermittel in diese Länder. Mit diesen Zahlen ging Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Umweltstiftung, wenige Tage vor der Eröffnung der Messe "TerraTec" am 2. März in Leipzig heute auf das Engagement der größten Umweltstiftung Europas in den ostdeutschen Bundesländern ein, das vor allem kleinen und mittleren Unternehmen geholfen habe. Die Stiftung wird während der "TerraTec" in der Halle 3, Stand A 11, mit einem Messestand mit zehn ihrer besonders innovativen Projektpartner vertreten sein und Beispiele ihrer Fördertätigkeit mit bundesweitem Modellcharakter aus den Bereichen erneuerbare Energien, Umweltbiotechnologie und Umwelttechnik präsentieren.
Brickwedde betonte heute in einer Pressemitteilung, die Umweltstiftung habe sich zum Ziel gesetzt, Innovationen zu fördern, die zu einer Umweltentlastung oder Schonung natürlicher Quellen führten. Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen sei ein reichhaltiges Potential vorhanden, um durch individuell verbesserte Lösungen zu mehr Umweltentlastung zu gelangen. Diese Ideen auch in die Wirklichkeit umzusetzen, habe sich die Deutsche Bundesstiftung Umwelt auf die Fahnen geschrieben.
Die Sonderfertigung Röhrsdorf GmbH in Röhrsdorf im sächsischen Landkreis Chemnitzer Land zum Beispiel habe, so Brickwedde, im Bereich Umwelttechnik ein Verfahren entwickelt, mit dem die über eine Million Liter Altöl, die zur Zeit jährlich bei der Verschrottung der mehr als 1,2 Millionen Altautos in Deutschland in den Pkw-Stoßdämpfern übrigbleiben, zukünftig zurückgewonnen und verwertet werden können. Für das Sammeln des Öls aus Pkw-Stoßdämpfern seien bisher keine entsprechenden technischen Lösungen vorhanden, die dieses Umweltproblem lösten. Wie auch immer der Automobilschrott aufgearbeitet werde: Belastungen der Umwelt seien unausweichlich. Dabei komme es nicht nur zu Beeinträchtigungen der Luft, es bestehe auch die Gefahr, daß beim Pressen ausrangierter Pkw unkontrolliert Öl in das Erdreich gelange. Ergebnis des von der Stiftung geförderten Projektes sei es, die Stoßdämpfer trocken zu legen, indem sie auf speziellem Wege angebohrt und dann mit Druckluft "ausgeblasen" würden. Das Öl fließe dann in separate Behälter und könne kontrolliert weiter verwertet werden. So werde Reparaturbetrieben und Autoverwertern eine technische Lösung angeboten, die zu einer umweltgerechten Entsorgung führe.
Ein Beispiel für die Stiftungsarbeit im Bereich regenerative Energien und rationelle Energieversorgung sei, so Brickwedde, die Firma Wodtke aus Tübingen-Hirschau. Ihr sei es gelungen, eine Holzfeuerung zu entwickeln, die die behagliche Kaminatmosphäre im Wohnraum bewahre, wenig Aufwand bei der Bedienung erfordere und die Schadstoffbelastungen dennoch deutlich verringere. Holz sei als erneuerbarer Energieträger eine Alternative zu endlichen Energiequellen wie Kohle, Erdöl oder Erdgas. Beim Wachstum der Bäume werde im selben Maße Kohlendioxid gebunden, wie es bei der Verbrennung freigesetzt werde. Durch den verstärkten Einsatz von Holz könne somit die Abgabe des Treibhausgases Kohlendioxid deutlich gemindert werden. In üblichen offenen Kaminen werde Holz jedoch unter schlechten Bedingungen verbrannt. Dies führe zu einer schlechten Wärmenutzung und hohen Schadstoffausstößen.
Das innovative Konzept der Firma Wodtke sehe nun vor, den Ofen mit sogenannten Holzpellets zu beheizen, Plättchen, die aus Waldrestholz und unbehandelten Spänen hergestellt werden. Der Ofen verfüge über einen großen Vorratsbehälter. Eine Füllung reiche für den Dauerbetrieb von bis zu vier Tagen. Die Pellets würden automatisch in den Brennertopf geschoben, wo sie unter kontrollierten Bedingungen abbrennen. Ein großes Sichtfenster gewährleiste auch weiter den wohligen Blick auf das Flammenspiel. Die Leistung des Ofens und die Verbrennungsbedingungen würden durch eine elektronische Steuerung geregelt. Hierdurch ließen sich ein Wirkungsgrad von bis zu 90 Prozent und niedrigste Schadstoffwerte erzielen.
Durch einen Wasserwärmetauscher könne der Ofen in das Heizungssystem des Hauses eingebunden werden und das gesamte Gebäude mit Wärme und Warmwasser versorgen. Eine Kombination mit einer Solaranlage sei möglich. Durch das neue Konzept könne eine komplette Wärmeversorgung eines Hauses auf der Basis erneuerbarer Energieträger verwirklicht werden. Der Betrieb erfordere durch den großen Brennstoffvorrat und den geringen Ascheanfall nur geringen Wartungsaufwand in großen Zeitabständen.
Für den Bereich Umweltbiotechnologie nannte Brickwedde als Beispiel ein Stiftungsprojekt des Arbeitsbereichs Abfallwirtschaft der Technischen Universität Hamburg-Harburg, der eine Pilotanlage zur sauerstoffkontrollierten Hochdruckbelüftung von Hochmieten entwickelt hat. In Kooperation mit der Firma Umweltschutz Nord GmbH & Co. ( Ganderkesee) werde das Verfahren nun in der Praxis getestet. Die Dimension dieses Projektes werde deutlich, wenn man wisse, daß in Deutschland mehr als 240.000 altlastverdächtige Standorte existierten, die insbesondere mit Mineralölkohlenwasserstoffen belastet seien. Zwar sei die biologische Reinigung auch heute schon ein in der Altlastensanierung häufig genutztes Bodenbehandlungsverfahren, das den Boden in seinem Aufbau und Gefüge erhalte. Und besonders Mietenverfahren fänden aufgrund ihrer einfachen Handhabung und ihres geringen verfahrenstechnischen Aufwandes auch schon eine breite Anwendung. Dieses biete Vorteile für die Wiederverwendung des Bodens nach der Reinigung. Bisherige Untersuchungen hätten allerdings auch die Möglichkeiten und Grenzen der biologischenBodenbehandlung aufgezeigt.
Beim Mietenverfahren werde das belastete Bodenmaterial nach einer mechanischen Aufbereitung durch Siebung oder Zerkleinerung mit Zusatzstoffen wie Kompost, Rindenmulch, Stroh, Holzhäcksel, Bruchstein, Nährstoffen und Wasser versetzt. Wie bei der Kompostierung werde der Boden in Mieten aufgeschüttet. Beim statischen Mietenverfahren bliebe der aufgeschüttete Boden dann unangetastet. Beim dynamischen Verfahren werde das Material mit speziellen Wendeeinrichtungen regelmäßig aufgenommen, homogenisiert und erneut aufgeschüttet. Unterschiedliche Faktoren wie die Schadstoffstruktur, Bodencharakteristik, Milieubedingungen und Mikroorganismen spielten für den biologischen Abbau organischer Schadstoffe und deren Abbaugeschwindigkeit eine entscheidende Rolle. Ansatzpunkt für die Verbesserung des Mietenverfahrens sei die Einstellung idealer Milieubedingungen.
Wesentlich für den biologischen Abbau von Mineralölkohlenwasserstoffen sei eine ausreichende Sauerstoffversorgung der Mikroorganismen, wozu aktive Belüftungssysteme erforderlich seien. Zu diesem Zweck sei eine Pilotanlage zur sauerstoffkontrollierten Hochdruckbelüftung von Hochmieten entwickelt und in der Praxis getestet worden. Weitere Möglichkeiten der Verfahrensverbesserung würden in Laboruntersuchungen erprobt und anschließend zur Anwendungsreife entwickelt.
Um die Wiederverwertung gereinigter Böden zu ermöglichen, müßten nicht nur die Schadstoffbelastungen des Bodens weitestgehend verringert werden, sondern auch spezifische Anforderungen der Wiederverwertung erfüllt werden. Hier könne etwa durch mechanische Vorbehandlung, durch Sieben oder Behandlung in Drehtrommeln auf die Struktur und die Eigenschaften des Bodens Einfluß genommen werden. Zusammen mit der Verbesserung des Mietenverfahrens würden diese Maßnahmen im Labor und in der Sanierungspraxis getestet und sollten zur Erhöhung der Qualität des wiederverwertbaren Bodens beitragen.