Benediktbeuern / Osnabrück. Die Katholische Kirche in Deutschland will sich zukünftig aus ihrer christlichen Schöpfungsverantwortung heraus massiver mit Fragen des Umweltschutzes auseinandersetzen. Sie will ihre theologischen Ansätze eng mit der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion um Umwelt- und Zukunftsfragen verknüpfen und dazu den Informationsfluß auf allen kirchlichen Ebenen nachdrücklich vorantreiben. Mit einer Förderzusage über 600.000 Mark ermöglichte die Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, jetzt die Einrichtung einer sogenannten "Clearingstelle Kirche und Umwelt", die von der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Salesianer Don Coscos (PTH) in Benediktbeuern aus diese Initiative bundesweit koordinieren soll. Aus der Hand von Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Umweltstiftung, nahm heute Clearingstellen-Leiter Prof. Dr. Markus Vogt das Bewilligungsschreiben in Empfang.
Vogt betonte vor Medienvertretern in Benediktbeuern, daß nachhaltige Entwicklung, mit der ökologische, ökonomische und soziale Aspekte als gleichrangig für eine zukunftsorientierte Welt eingestuft werden, heute eine unverzichtbare Forderung christlicher Ethik sei. Die Sorge um den Erhalt von Natur und Umwelt fordere die Kirche zu gesellschaftlicher Mitverantwortung heraus. Nachhaltigkeit sei ein unumkehrbares Grundprinzip christlicher Sozialethik. Wenn das nicht bloß ein Lippenbekenntnis bleiben solle, müsse dieses Thema theoretisch vertieft sowie praktisch entfaltet und vermittelt werden.
In der Clearingstelle gehe es nun konkret darum, einen Informations- und Beratungsdienst zwischen den unterschiedlichen Ebenen kirchlichen Umweltengagements (Verbände, Gemeinden, Klöster, Bildungsinstitutionen, Umweltbeauftragte der Diözesen, Kommissionen der Deutschen Bischofskonferenz sowie des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken) einzurichten. Neben der persönlichen Beratung sei das Schaffen eines Informationsdienstes mit Hilfe moderner Kommunikationstechniken vorgesehen. Daneben sollten Materialien für die Umweltbildung durch Zusammenarbeit mit kirchlichen Fachinstitutionen hergestellt werden.
Professor P. Dr. Karl Bopp SDB, Prorektor der Hochschule, hob hervor, daß die Schöpfungspastoral in den Pfarrgemeinden ein ganz zentrales Handlungsfeld kirchlicher Umweltarbeit sei. In Wissenschaft und Forschung solle die christliche Umweltethik weiterentwickelt sowie ihre Umsetzung in die pastorale Praxis in Zusammenarbeit mit der PTH und anderen Hochschulen durch Veröffentlichungen, Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten und Lehrveranstaltungen sichergestellt werden. An beispielhaften Projekten zum Thema Umweltethik und -bildung sowie Nachhaltigkeit solle mitgewirkt werden mit dem Ziel, die gewonnenen Erfahrungen zu übertragen, insbesondere auf die vielen Schulen in kirchlicher Trägerschaft. Schließlich werde die Clearingstelle mit der von der Evangelischen Kirche Deutschlands neu eingerichteten "Fachstelle Umwelt und Entwicklung" eng zusammenarbeiten.
Für die Umweltstiftung betonte Generalsekretär Fritz Brickwedde, daß die Clearingstelle eine zentrale Lücke zwischen der theologischen Auseinandersetzung mit Umweltfragen in der katholischen Kirche und der konkreten Umsetzung in die Praxis schließe. Zwar habe die Thematik der nachhaltigen Entwicklung auch im kirchlichen Raum in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Gelungen sei es allerdings bisher nicht, grundlegende Impulse in den kirchlichen Raum zu senden. Gefehlt habe eine Leitstelle im kirchlichen Raum, die unter Nutzung bereits bestehender Kommunikationsstrukturen den Informations- und Erfahrungsaustausch zum Thema Nachhaltigkeit koordiniere und dann auch in die Gesellschaft vermitteln könne. Brickwedde: "Die Tatsache, daß die katholische Kirche mit ihren vielen Bildungseinrichtungen einer der größten Bildungsträger in Deutschland ist, macht das große Potential dieses Projektes deutlich, das exakt diese Leitstelle schaffen soll."