18.11.1997 | Umweltstiftung: Verwaltungsgebäude erneut mit Anerkennung bedacht

Urkunde im Rahmen der Verleihung des niedersächsischen Staatspreises für Architektur an Erich Schneider-Wessling (Köln) überreicht

Osnabrück / Hannover. Erneute Anerkennung für das Verwaltungsgebäude der Deutschen Bundestiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück!Heute abend nahm Architekt Professor Erich Schneider-Wessling (Köln) im niedersächsischen Landtag in Hannover aus der Hand von Ministerpräsident Gerhard Schröder im Rahmen der Verleihung des Niedersächsischen Staatspreises für Architektur nach der Ehrung der beiden offiziellen Preisträger eine Anerkennungsurkunde in Empfang. Damit werden, heißt es in der Begründung, die außerordentliche hohe gestalterische Qualität und das erfolgreiche Bemühen um Energieeinsparung und ressourcenschonendes Bauen gewürdigt. Von insgesamt 36 Einsendungen waren acht in die engere Auswahl gelangt, von denen die unabhängige Jury wiederum drei, darunter das Gebäude der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, durch die offizielle Nominierung besonders herausstellte.

Bereits im Dezember des Vorjahres war das Haus mit dem Europäischen Solarpreis der Sektion Deutschland der Europäischen Sonnenenergie-Vereinigung gewürdigt worden: Mit ihm werden Initiativen herausgestellt, die sich um Nutzung und Einführung erneuerbarer Energien verdient gemacht haben. Außerdem mit einer Anerkennung gewürdigt worden war der Stiftungsneubau Ende des Vorjahres im Rahmen des Architektur für vorbildliche Gewerbebauten der WestHyp-Stiftung (Dortmund).

Besonders herausgestellt wurde von der WestHyp-Stiftung damals, daß Schneider-Wessling die Erwartungen eines "Bauherrn mit höchstem Anspruch" erfüllt habe. Wie selbstverständlich habe sich eine erhebliche Baumasse in einem großbürgerlichen Park unter weitgehender Schonung und geschickter Einbeziehung des Baumbestandes entwickelt. Die offenen, vielfältig gewundenen Fassaden bezögen die Natur in die Funktionsabläufe im Gebäudeinneren ein. Leichtigkeit der Grundrißentwicklung, verbunden mit der Beherrschung der Möglichkeiten ökologischen Bauens, begründeten die beachtliche Qualität die Anlage, hieß es damals.

Bereits im Oktober 1995 war der Neubau der Deutschen Bundesstiftung Umwelt im Rahmen der Verleihung des Deutschen Architekturpreises mit einer von insgesamt 18 Anerkennungen der Wettbewerbsjury bedacht worden. Hier sei ein Gebäude entstanden, "das unter Rücksichtnahme auf den wertvollen alten Baumbestand von eigenständigem architektonischem Ausdruck und lebendiger innenräumlicher Prägung zeugt", würdigte die Jury die Architektenleistungen damals. Es verdiene "besondere Anerkennung, weil der Aufgabe mit gestalterischer Qualität in bester Weise entsprochen wird."

Nach 18monatiger Bauzeit hatte die größte Umweltstiftung Europas im Mai 1995 ihr neues Zuhause bezogen. Sie will mit ihrem neuen Verwaltungsgebäude in Osnabrück "in bauökologischer Hinsicht neue Maßstäbe setzen", wie es ihr Generalsekretär Fritz Brickwedde damals formulierte. Klar gewesen sei von Anfang an, so Brickwedde, daß ökologisches Bauen die natürliche Umgebung erhalten müsse, soweit das möglich sei.

Entstanden war so die für das Gebäude gefundene Hufeisenform, die den Baumkonturen des Parks folgt und eine über 160 Jahre alte Buchengruppe als Mittelpunkt umschließt. Auf den Bau einer ursprünglich vorgesehenen Tiefgarage war verzichtet worden, um den historischen Baumbestand nicht zu gefährden. Zu seinem Schutz war auch vor dem Setzen der Fundamente ein Wurzelvorhang angelegt worden.

Bei der Auswahl der einzusetzenden Baustoffe waren die ökologischen Aspekte in der Herstellung, der Verarbeitung, während der Nutzung und bei der Entsorgung berücksichtigt worden, wobei alle Lebensphasen eines Baustoffes betrachtet worden waren. Weil ökologisches Bauen auch immer energiesparendes Bauen heiße, so Brickwedde weiter, sei auch diesem Anspruch Rechnung getragen worden. Den Architekten Professor Erich Schneider-Wessling (Köln), Rolf Bohl und Klaus Burlage (beide Osnabrück) sei es gelungen, diese Vorgaben des Bauherren in ausgezeichneter Form in ein geschlossenes Konzept zu gießen.

Den "nahtlosen Übergang von der Natur ins Büro", den "Einklang zwischen künstlerischem Raum und Landschaft" hatte schon bei der Einweihung des Hauses Professor Erich Schneider-Wessling gewürdigt. In einer Zeit, in der nur wenige Bauherren auch die ökologischen Aspekte ihres Tuns berücksichtigten, hatte er den Mut der Stiftung zum Experiment gelobt. Schneider-Wessling im Mai 1995: "Danke, daß Sie dieses Experiment gewagt haben. Ich wünsche Ihnen und uns, daß es gelingt." Brickwedde: "Die Auszeichnungen sind ein klarer Beweis dafür, daß dieses Experiment auch unter architektonischen Gesichtspunkten von Experten als geglückt betrachtet wird."