17.10.1997 | "Problemlöser" Biotechnologie auch im Umweltschutz "Schlüsseldisziplin"

Deutsche Bundesstiftung Umwelt auf der Messe "Biotechnica" in Hannover vertreten - Positive wirtschaftliche Entwicklungsperspektiven

Osnabrück/Hannover. "Biotechnologie - als Chance für die Umwelt verstanden und genutzt - kann einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung des Leitbilds einer ‘nachhaltigen Entwicklung’ leisten. Durch die zahlreichen Anwendungsfelder und das hohe Problemlösungspotential der modernen Biotechnologie ergeben sich auch für den Einsatz im produkt- bzw. produktionsintegrierten Umweltschutz insgesamt positive wirtschaftliche Entwicklungsperspektiven. Deshalb wollen wir in diesem jungen Wachstumsmarkt neue Akzente für den Umweltschutz setzen." - Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, ging mit diesen Worten wenige Tage vor der Eröffnung der Messe "Biotechnica" am 21. Oktober in Hannover auf das Engagement der Umweltstiftung zu diesem Thema ein. Die Stiftung wird in der Halle 2, Stand H 15, mit einem Messestand vertreten sein.

Brickwedde betonte, Erforschung und praktische Anwendung biotechnologischer Kenntnisse seien der Stiftung ein besonderes Anliegen. Weltweit würden für die "Schlüsseldisziplin Biotechnologie" starke Wachstumschancen vorhergesagt. Allein für die kommerzielle Biotechnologie in Deutschland werde mit einer Verdoppelung der Arbeitsplätze auf 40.000 bis zum Jahr 2000 gegenüber dem Jahr 1992 gerechnet. Hinzu kämen etwa 20.000 Arbeitsplätze im öffentlichen Bereich sowie etwa 40.000, die indirekt durch Biotechnologie bei Zulieferern und Dienstleistern entstehen würden. Dabei träten neben die herkömmlichen, traditionellen biotechnologischen Verfahren wie in den Bereichen der Käseherstellung, des Kelterns, Brauens oder Backens moderne Anwendungsmöglichkeiten in der medizinischen Diagnostik, der Therapie, der Herstellung von Chemikalien oder im Bereich nachwachsender Rohstoffe. Auch im Bereich der klassischen Umweltbiotechnologie hätten sich vielfältige Verfahren der Abwasserreinigung, Abfallverwertung und Altlastensanierung etabliert.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, erinnerte Brickwedde, habe in diesem Zusammenhang bereits zahlreiche Projekte gefördert. Der Generalsekretär nannte hier etwa das Projekt der Firma Müller-Brot in Neufahrn (Bayern). Mit einer Stiftungsförderung von knapp einer Million Mark werde ein umweltfreundliches Verfahren entwickelt, mit dem unverkauftes Brot aus Bäckereien in den Brotproduktionsprozeß zurückgeführt werden solle. Die Firma bbe Moldaenke in Kiel (Schleswig-Holstein) arbeite mit einer Stiftungsförderung von knapp 530.000 Mark an der Entwicklung eines Meßgerätes, mit dem mit Hilfe von Algen frühzeitig Gewässerbelastungen erkannt und Gegenmaßnahmen ergriffen werden sollen. Und das Institut für Allgemeine Botanik der Universität Hamburg arbeite gemeinsam mit zwei mittelständischen Unternehmen mit einer Stiftungsförderung von knapp 1,3 Millionen Mark an einem Verfahren, mit dem über Mikroorganismen der Stickstoffgehalt in Abwässern reduziert und damit einer Überdüngung von Flüssen und Seen vorgebeugt werden solle.

Für die Zukunft setze die Umweltstiftung, so Brickwedde weiter, verstärkt auf die Entwicklung von Lösungen im vorsorgenden Umweltschutz. Sie habe einen Förderschwerpunkt "Integrierte Biotechnologie" ausgeschrieben, in dem der Einsatz biotechnologischer Verfahren im Sinne eines produkt- bzw. produktionsintegrierten Umweltschutzes mit den Zielen gekoppelt sei, den Rohstoff- und Energieeinsatz zu senken, Abfälle zu vermeiden und zu vermindern, im Produktionsverbund zu verwerten oder zur Energieerzeugung einzusetzen. Dabei habe die Stiftung speziell die Lebensmittelwirtschaft, Textil- und Papierindustrie Deutschlands im Auge.

Brickwedde: "So kann durch den Einsatz biotechnologischer Verfahren beispielsweise die notwendige Primärenergie für chemische Reaktionsprozesse stark herabgesetzt werden. Auf Chemikalien, die in traditionellen Verfahren Verwendung finden, kann verzichtet werden. Abfallmengen können im Vergleich zu herkömmlichen Herstellungsweisen durch Einsatz biotechnologischer Verfahren oder Produkte deutlich verringert werden."

Hinweis: Eine anläßlich der "Biotechnica" neu herausgebrachte Broschüre der Stiftung zum Thema Biotechnologie sowie der Ausschreibungstext des Förderschwerpunkt "Integrierte Biotechnologie" können bei der Umweltstiftung unter der Rufnummer 0541/9633-320 kostenlos angefordert werden.